Die bekannten „Übeltäter“ unter den Lebensmittelverpackungen sind Schraubverschlüsse mit Bisphenol A-haltigen Dichtungen, Verpackungen aus Polycarbonat und besonders Getränke- und Konservendosen - beziehungsweise deren Kunststoff-Innenbeschichtung.

 

Bisphenol A ist schon länger nicht nur sprichwörtlich in aller Munde

Als kostengünstiger und leicht zu verarbeitender Grundstoff kommt Bisphenol A bereits seit den 1950er-Jahren großflächig zum Einsatz. Ganze Glashäuser, Wassertanks, CDs, Kunststoffspielzeug und eben zahlreiche Lebensmittelverpackungen enthalten oder bestehen zur Gänze aus Bisphenol A. Millionen Tonnen der Chemikalie werden jährlich produziert und in der Plastikproduktion verarbeitet. Bisphenol A wird bereits in Meeren und Flüssen, in der Erde, in Pflanzen und in Tieren nachgewiesen. Und natürlich auch im menschlichen Organismus: in allen Geweben, im Blut, in der Muttermilch. WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass der Mensch die Chemikalie über die Nahrung aufnimmt, die in Bisphenol A-haltigen Verpackungen gelagert wurde.

Im Körper wirkt Bisphenol A wie ein Hormon. Schon kleinste Mengen davon können unser fein abgestimmtes Hormonsystem aus dem Gleichgewicht bringen und unsere Gesundheit massiv beeinträchtigen. In hunderten Studien wurde bewiesen, dass die Aufnahme von Bisphenol A unter anderem zu Unfruchtbarkeit, Krebs, Diabetes und Schäden am Herz-Kreislaufsystem führen kann.

Markus Hein/pixelio

Warum darf die Industrie Bisphenol A weiter verwenden?

Chemikalien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, unterliegen standardisierten Gesundheitsrisiko-Bewertungen. Diese sind allerdings für hormonähnliche Substanzen wie Bisphenol A unzureichend. Und obwohl weltweit unzählige WissenschaftlerInnen immer lauter vor Bisphenol A warnen, darf es nach wie vor verwendet werden. Ein ähnliches und wohl das berühmteste Beispiel von Realitätsverweigerung der Industrie ist der lange Streit um die Schädlichkeit des Tabakkonsums. Jahrzehntelang hielt die Tabakindustrie daran fest, dass Rauchen unbedenklich sei. Die Gefährlichkeit des Tabakkonsums sei lediglich 'Auslegungssache', eine Einschränkung des Tabakkonsums nicht notwendig. Es waren schließlich die zahlreichen kostspieligen Klagen von Privatpersonen gegen prominente VertreterInnen der Tabakindustrie, die schließlich dazu führten, dass der Branche durch entsprechende Gesetze Einhalt geboten wurde.

Wird es mit Bisphenol A ähnlich ablaufen? Wie viele Jahre müssen noch vergehen, bevor der gefährliche Stoff verbannt wird?

In den USA sind Gesetze zum Schutz der Bevölkerung eher selten und zahnlos. Dennoch verzichtet die US-Industrie aus Angst vor späteren Klagen oft auf bestimmte gesundheitsgefährdende Zusätze oder Zutaten. So auch im Fall von Bisphenol A. Große Lebensmittelproduzenten wie Heinz und Nestlé kündigten vor ein paar Monaten an, in Zukunft auf Bisphenol A in Verpackungen zu verzichten.

Auf unsere Anfrage hin betonte Nestlé-Österreich jedoch, dass dies nur für die USA gelte. In Europa sei ein Ausstieg aus Bisphenol A nicht angedacht. GLOBAL 2000 forderte von Nestlé-Österreich, ebenfalls aus BPA auszusteigen. Bisphenol A muss auch von unseren Tellern verschwinden.

GLOBAL 2000-Etappensieg

Im September 2010 kündigte Gesundheitsminister Stöger auf Druck von GLOBAL 2000 an, er werde ein umfassendes Gesetz zum Verbot der hormonell wirksamen Chemikalie Bisphenol A in kindernahen Produkten erlassen. Am 14. Februar ist das angekündigte BPA-Verbot in Fläschchen endlich in Kraft getreten. Das BPA-Verbot für Schnuller und Beißringe ist nach wie vor in Begutachtung und soll im Frühjahr 2011 umgesetzt werden.

Wie Sie Bisphenol A vermeiden können

Essen Sie keine Lebensmittel aus Konservendosen.

Bereiten Sie Obst und Gemüse stets frisch zu.

Benützen Sie Küchenutensilien aus Holz, beschichtungsfreiem Metall und Glas.