Die Weltbank, nicht gerade als Vorreiterin in Sachen Umweltschutz bekannt, ist sich zumindest in einem Punkt mit den UmweltschützerInnen einig: „Wir müssen die harte wirtschaftliche Realität erkennen, dass sich Atomkraft betriebswirtschaftlich ohne massive staatliche Zuwendungen nicht rechnet. Die Weltbank hat Atomkraft daher noch nie unterstützt.“, bringt es John K. Brent, Professor für Atomphysik in Berkeley, der in der Energieabteilung der Weltbank tätig ist, auf den Punkt.

Mangels wirtschaftlicher Argumente muss für die Atomlobby nun der Klimaschutz herhalten: Das eintretende Vergessen nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren wurde in den letzten Jahren dazu genutzt, Atomkraft wieder als „klimafreundliche“ Stromerzeugungsform zu präsentieren.

Rückzugsgefechte des Atom-Imperiums
In der Europäischen Union liefen vor den Fukushima-Super-GAUs 143 Reaktoren in 14 Mitgliedsstaaten. Nach Fukushima bekam die Atom-Debatte neuen Schwung. Massendemos in vielen Ländern machten deutlich, was die EuropäerInnen von Atomkraft halten.
Als erstes reagierte Deutschland, das noch im letzten Jahr die Laufzeiten seiner Reaktorflotte um durchschnittlich zwölf Jahre verlängert hatte: Die acht Alt-AKWs gingen sofort und für immer vom Netz, die restlichen neun Reaktoren sollen bis 2022 abgeschaltet werden – immerhin noch weitere 11,5 Jahre Risikotechnologie. Auch die Schweiz gab ihre AKW-Neubaupläne auf und beschloss den Atomausstieg, allerdings erst bis 2034 – unverantwortlich in Hinblick auf die teils katastrophale Sicherheitslage der schweizer Reaktoren. Und in Italien beendete eine Volksabstimmung endgültig die Pläne des „Cavaliere“ Berlusconi, mehrere Riesen-AKWs zu bauen.

Neubauprojekte in Europa
Der AKW-Neubau findet in Europa so gut wie nicht statt: Die beiden Vorzeige-Projekte Frankreichs von jeweils einem AKW in Frankreich und Finnland stecken beide tief sowohl in technischen Schwierigkeiten als auch in den roten Zahlen. Das könnte für den staatlichen französischen Areva-Konzern den Ruin bedeuten.
In England hält man am Vorhaben fest, die bestehende, völlig überalterte Reaktorflotte zu ersetzen. Immerhin haben die beiden großen Investoren EON und RWE bereits finanzielle Bedenken geäußert.
Einzig in der Slowakei werden die beiden Reaktoren in Mochovce weitergebaut - völlig jenseits jeder wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Vernunft. Viele osteuropäische Projekte stecken tief in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ihre Realisierung völlig in Frage stellen: Bulgariens Belene-Projekt, Rumäniens Cernavoda-Projekt und Tschechiens Ausbauprojekt für Temelín- und Dukovany. Polen und Litauen halten weiter an Projekten fest, deren Finanzierung aber ebenfalls noch ungeklärt ist.

Weltweit keine Renaissance, nur Machtstreben
Weltweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Zahl der Reaktoren stagniert schon seit Jahren. Trotz massiver Staatshilfen für AKW-Neubauten kommt in den USA kein Projekt voran, mehrere wurden bereits wieder aufgegeben. Japan schaltete nach dem verheerenden Erdbeben nicht nur die beschädigten Reaktoren ab, sondern hob auch die Betriebserlaubnis von weiteren Reaktoren in Hochrisiko-Erdbebengebieten auf.
Der Iran hat nach massiven Sicherheitsproblemen und Hackerattacken von westlichen Geheimdiensten nun doch sein erstes AKW fast betriebsbereit, in China wurde ein Reaktor in Betrieb genommen, der Bau weiterer AKWs wurde nach Fukushima erst einmal auf Eis gelegt.
Russland betreibt mit der staatseigenen Atomfirma Rosatom ein aggressives Programm, das die eigene Reaktortechnologie nicht nur in Russland selbst, sondern insbesondere in Schwellenländer wie Indien oder auch in die Türkei verkaufen soll. Aber auch hier gibt's Finanzierungsprobleme.

Laufen lassen bis zum Super-GAU?
Weltweit ist also keine nukleare Renaissance in Sicht: Wirtschaftlich ist nur, alte Reaktoren möglichst lange zu nutzen, was den Betreibern täglich einen Nettogewinn von ein bis zwei  Millionen Euro einbringt und die Stilllegung der AKWs hinauszögert.

GLOBAL 2000 fordert weltweit die sofortige Stilllegung aller Hochrisiko-Reaktoren.

Weitere Informationen:
Chronologie der Fukushima-Super-GAUs chronologie_fukushima.global2000.at
Einen Überblick über die noch abzuschaltenden 59 Hochrisiko-Reaktoren in der EU finden Sie auf unserer Homepage unter
Unterschreiben Sie unsere Petition „Abschalten! Jetzt!“ auf atomausstieg.at