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Interview mit Wolfgang Pirklhuber
DI Dr. Wolfgang Pirklhuber, Sprecher der Grünen im Bereich Regionalpolitik, Lebensmittelsicherheit und Landwirtschaft sowie Leiter der Biokontrollstelle BIOS im Gespräch mit GLOBAL 2000
GLOBAL 2000 traf den Grün-Politiker, Bio-Landwirt und Leiter einer der sieben österreichischen Biokontrollstellen zum Gespräch über die Bedeutung von biologischer Ernährung und Landwirtschaft für die Umwelt, die Wirtschaft und die Menschen selbst.
GLOBAL 2000: Herr Pirklhuber, was ist Ihre persönliche Motivation sich für Bio-Lebensmittel einzusetzen?
Lebensmittel sind unsere Mittel zum Leben. Sie sind also eigentlich unser Mittelpunkt, weil wir täglich damit zu tun haben. Rund um die Lebensmittel hängen ja viele Lebenszusammenhänge: Woher kommen sie, wie wurden sie produziert? Sie gehen durch unseren Körper durch und hinterlassen ihre Spuren. Und die Effekte sind ja nicht unbekannt: Angefangen vom Beitrag von Bio-Landwirtschaft zum Klimaschutz, bis zum Schutz bedrohter Tierarten und dem Artenschutz von Pflanzen. Auch die Qualität von biologischem Weidefleisch und die Milch von Tieren, die auf der Weide waren - Stichwort Omega-3-Fettsäuren - ist unschlagbar. Bio ist die Zukunftsmethode der Lebensmittelproduktion des 21. Jahrhunderts. Bio ist aber keine fertige Methode - es ist ein Prozess, in dem wir stecken, um die Dinge weiter zu entwickeln und auch besser zu verstehen, wie die natürlichen Prozesse in einer sinnvollen Art und Weise für uns genutzt werden können. Das ist für mich Bio-Landbau.
Welche Ausbildung ist nötig, um Bio-Kontrolleur zu werden?
Im landwirtschaftlichen Bereich arbeiten für BIOS hauptsächlich Bio-Landwirte, die im Nebenerwerb als Kontrolleure fungieren. Die stehen in der Praxis und kontrollieren gleichzeitig andere Betriebe. Im Bereich der Verarbeitung und im Handel ist die universitäre Ausbildung zur ErnährungswissenschafterIn oder die Absolvierung einer Lebensmitteltechnischen HTL eine solide Grundbasis für den Beruf der Bio-KontrolleurIn.
Wozu müssen Produkte aus biologischer Landschaft zusätzlich von einer Biokontrollstelle kontrolliert werden?
Man braucht die Bio-KontrolleurInnen und die Zertifizierungsstellen, um den KundInnen Sicherheit bei ihrer Ernährung zu geben. In Zeiten, in denen nicht jeder und jede ihre Produkte direkt ab Hof bei den Landwirten einkaufen kann, muss die Sicherheit durch Bio-Kontrollstellen garantiert werden. Gute Zertifizierer verstehen die wichtigen Zusammenhänge in der Bio-Landwirtschaft und Gastronomie und erkennen deren Qualität.
Was ist denn eigentlich kontrollpflichtig und wo?
Die Einzelhändler und Gemeinschaftsverpflegung, sofern sie aufbereiten, sind kontrollpflichtig. Angenommen in einem Schulbuffet würde der Betreiber jedes Mal direkt vor mir das Brot streichen oder die Wurstsemmel herrichten, die er als „bio“ auslobt, würde ich keine Kontrolle brauchen. Aber das ist keine Praxis. In der Praxis werden die Semmeln vorbereitet. Deshalb besteht in diesem Fall die Kontrollpflicht auf Grund der Aufbereitung der Produkte – wieder zur Qualitätssicherung für die KonsumentInnen.
Wird bei österreichischen Supermarktketten, die offene Bio-Ware anbieten, jede einzelne Filiale kontrolliert?
Das wird nicht so umgesetzt. Natürlich sind die Supermarktketten grundsätzlich zertifiziert. BIOS zertifiziert zum Beispiel eine Bio-Supermarktkette, die fünf Filialen hat. Da wird der gesamte Einkauf angeschaut und stichprobenartig werden 2-3 Filialen kontrolliert, ob sie dort richtig etikettieren. Das Ganze soll eine Sicherheit für den Konsumenten bringen und keine unnötigen Kosten verursachen.
Kann diese Art der Gruppenzertifizierung auch auf Schulbuffets angewandt werden? Würde das die Kontrollkosten senken?
Naja, natürlich. Also die Frage ist: Wie viele Stichprobenkontrollen sind erforderlich? Wenn es einen zentralen Einkauf gibt, geht das sicher. Sagen wir ein Unternehmen betreibt die Buffets an neun Schulen, dann würden wir in etwa bei drei der neun Buffets Stichprobenkontrollen durchführen und die Zentrale kontrollieren und das würde ziemlich kostengünstig ablaufen.
Was ist die Berechnungsgrundlage der Kosten für die Kontrolle und die Zertifizierung von gastronomischen Betrieben?
Bei BIOS haben wir einen umsatzbezogenen Kostenschlüssel. Betriebe mit bis zu 20.000 Euro Umsatz mit Bioprodukten unterliegen einer Kontrollpauschale von 220 Euro zzgl. 10% Mehrwertsteuer.
Die gastronomischen Betriebe können ihre Kontrollstelle vollkommen frei wählen. Worin liegen die Unterschiede der Kontrollstellen? Wie treffe ich als Bio-BuffetbetreiberIn eine Wahl?
Meistens ist die räumliche Nähe ausschlaggebend. Weiters sind die Gebührenordnungen natürlich unterschiedlich, das hängt stark mit der Effizienz und der Organisation der Stellen zusammen. Es ist im Grunde eine rein privatwirtschaftliche Frage: Wie sind die Kontrollstellen organisiert, welche EDV Systeme verwenden die, was kosten die, wie viel wird den Kontrolleuren bezahlt? Überprüft werden die Kontrollstellen alle selbst von der Lebensmittelbehörde und von der Akkredidierungsstelle des Wirtschaftsministeriums.
Gibt es staatliche Förderungen für die Kosten der Kontrolle, sowie das bei Kontrollkosten von Bio-Landwirten teilweise möglich ist?
Soweit mir bekannt ist, gibt es keine Förderungen der Kontrollkosten im Gastro-Bereich.
Vielen Dank für das Gespräch.
















