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Klimaschutz mit Gebäudesanierung

Bis vor kurzem lag Österreich 32 Tonnen an CO2-Äquivalenten über dem anvisierten Klimaziel. Während sich Umweltminister Berlakovich mit günstigen Ramsch-Zertifikaten aus dem Ausland freikauft, zeigt GLOBAL 2000, wie mit thermischer Gebäudesanierung tatsächlich Treibhausgase verringert werden können. In einer Studie gemeinsam mit der TU Wien wurde errechnet, dass 3,6 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten allein bei öffentlichen Gebäuden eingespart und gleichzeitig 6.100 neue Jobs geschaffen werden können. Minister Mitterlehner könnte hier mit dem neuen Energieeffizienzgesetz einen Meilenstein setzen. GLOBAL 2000 zeigte gemeinsam mit Architekten und Bauträgern Best-Practice-Modelle energieeffizienter Sanierung in Wien und Umgebung vor.

GLOBAL 2000
Wißrillgasse: Das Gründerzeithaus wurde auf Niedrigstenergiestandard saniert.

"Es ist das von den ökologischen Standards her wahrscheinlich bestsanierte Gründerzeithaus überhaupt", sagt Bauträger Hans-Jörg Ulreich über das Gebäude in der Wißgrillgasse 10 in Wien-Penzing mit Stolz. Für die thermische Sanierung wurde die gesamte Fassade abgetragen und nach der Dämmung neu angelegt. Die alten Fenster wurden mit Passivstandard-Fenstern getauscht, in jedem Stock Lüftungsgeräte und am Dach eine Photovoltaikanlage installiert. Das Kernstück aber befindet sich im Keller: Eine zentrale Heizanlage mit Pelletskessel, die die Wohnungen mit nachhaltiger Wärme versorgt. Vor der Sanierung war für das Haus ein Heizenergiebedarf von rund 186 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a) notwendig, seither liegt er bei 23 kWh/m2a. Zum Vergleich: Damit ein Neubau den Passivhaus-Kriterien entspricht, darf es einen Wert von höchstens 15 kWh/m2a erreichen. „Die öffentliche Hand besitzt viele Wohngebäude, mit entsprechender Sanierung würden BewohnerInnen und Umwelt profitieren,“ so Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000.

GLOBAL 2000

Langenzersdorf: Eine kontrollierte Wohnraumbelüftung sorgt für frische Luftzufuhr in den Klassenzimmern.

Station zwei: die Hauptschule Langenzersdorf nördlich von Wien. Ursprünglich sollte sie nicht nach besonderen Energiestandards erfolgen. Aber AH3-Geschäftsführer Johannes Kislinger konnte Direktor und Bürgermeister von einer thermischen Sanierung nach Passivhausstandards samt Einbau einer Photovoltaikanlage und eines Lüftungssystems überzeugen. Die Gesamtkosten für das Projekt stiegen um 10 Prozent, der Energiebedarf für die Beheizung der Schule konnte dadurch aber um 94 Prozent gesenkt werden. Eine kontrollierte Wohnraumbelüftung sorgt für ständig frische Luftzufuhr, gerade in Schulen ein wichtiger Punkt, wo auf engem Raum viele Kinder sitzen. Auch wenn Österreich international zu den Vorreitern bei der thermischen Sanierung gehöre, zeige sich gerade bei Schulen, dass der Stellenwert nachhaltiger Projekte in der Praxis häufig noch gering ist, sagt Gerhard Kopeinig: "Der Bund errichtet oder kauft als Träger möglichst billige Liegenschaften und nimmt hohe Energie- und Betriebskosten in Kauf, die dann im laufenden Schulbetrieb von den Gemeinden getragen werden müssen." Ökologisch sinnvoller und nach wenigen Jahren auch günstiger wäre genau der umgekehrte Weg.

Einige Kilometer weiter nördlich liegt der Bildungscampus Leobendorf. Er wurde ebenfalls von AH3 Architekten saniert und unterschreitet seither die Grenzwerte für Passivhäuser. 650 Kinder nutzen den Campus während der Bauphase von Herbst 2008 bis Frühjahr 2010. Die zum Teil frei stehenden Gebäude auf einer Gesamtnutzfläche von 4.100 Quadratmetern erhielten eine hochwärmedämmende Isolation. Wenn heute Warmwasser durch die Leitungen fließt, wurde es zuvor durch Sonnenkollektoren erwärmt. Der Heizwärmebedarf des Bildungscampus Leobendorf wurde massiv gesenkt und übersteigt heute keine 13,9 kWh/m2a. Der Restbedarf wird durch eine einfache Hackschnitzelheizung gedeckt, wie sie auch in privaten Einfamilienhäusern anzutreffen sind. "Es war nicht einfach, passende Beispiele für gelungene thermische Sanierung in Wien und Umgebung zu finden. Das soll sich ändern und diese Gebäude zeigen, wie es möglich ist." Dafür ist es notwendig Wirtschaftsminister Mitterlehner zu überzeugen, im kommenden Energieeffizienzgesetz auch die thermische Sanierung gebührend zu berücksichtigen.

letztes Update: 11.05.2012 09:34
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