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Gentechnikbroschüre

Gentech-Broschüre

©GLOBAL 2000

Wer profitiert von Gentechnik?

 

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"Unser Land ist kontaminiert"

Während der Alternativ-Nobelpreisträger Percy Schmeiser im Rahmen seiner Europatour in Wien vor den dramatischen Folgen der Gentechnik warnt, versucht die EU-Kommission die jahrelange Blockade bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen aufzuheben. Im Interview mit GLOBAL2000 spricht er über die Gefahren und Risiken der Gentechnik in der Landwirtschaft.

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000: Welche Gefahr stellt Ihrer Meinung nach Gentechnik für die biologische Landwirtschaft und die Artenvielfalt dar?

Schmeiser: Bei gentechnisch veränderte Organismen (GMOs), kommt es zu einem massiven Einsatz von Chemikalien. Erstens werden dreimal so viele Chemikalien wie in der herkömmlichen Landwirtschaft verwendet. Zweitens gehen die Erträge speziell bei Raps und Soja drastisch zurück. Auch der Nährwert von GMOs ist viel geringer als bei biologischen oder konventionellen Nahrungsmitteln. Ich denke, die Menschen hier in Europa sollten wissen, dass sie mit der Einführung von GMOs, biologische Landwirtschaft unmöglich machen. Das ist dann vorbei. Konventionelle Landwirtschaftsbetriebe werden dann auf Kosten traditioneller Arten gentechnisch verändertes Saatgut verwenden. Dadurch geht die Artenvielfalt verloren. Gesellschaftlich gesehen führt das dazu, dass Bauern und Bäuerinnen neben ihrem Saatgut dann auch ihre Unabhängigkeit aufgeben. Sie machen sich abhängig von Konzernen, die neben dem gentechnisch veränderten Saatgut auch gleich das eigens dafür entwickelte Düngemittel verkaufen.

GLOBAL 2000: Wie würden Sie die Situation in Kanada beschreiben?

Schmeiser: Wir zählen weltweit zu den größten Raps-Produzenten. Die größten Erträge erzielt Kanada hier mit GMOs. Das hat zur Folge, dass es keine reine Rapssaat mehr gibt – die Sorten haben sich vermischt. Wenn man also Raps in Kanada anpflanzen will, muss man gentechnisch verändertes Saatgut kaufen. Etwas anderes gibt es nicht mehr. Wirtschaftlich ist das ein Problem, denn viele Länder wollen keine gentechnisch veränderten Früchte. Weltweit haben wir viele Märkte verloren. Nicht nur bei Raps, sondern z.B. auch bei Honig. Dieser ist ja auch von GMOs betroffen. Letztlich brachte die Einführung der GMOs überhaupt keinen Vorteil und ich fand es echt widerlich, als uns noch 1996 der Handel versucht hat einzureden, dass die Einführung gentechnisch veränderter Organismen Heil über die Welt bringen würde. Was ist passiert? Sie sagten, mit GMOs wäre es nun möglich, all die Hungernden mit Nahrung zu versorgen. Nichts als leere Versprechungen! Warum gibt es immer noch so viel Hunger und Leid wie vor 14 Jahren? In Wirklichkeit schaden GMOs der Umwelt und letztlich auch der Gesundheit der Menschen.

GLOBAL 2000: Kann Kanada diese Situation rückgängig machen?

Schmeiser: Das wurde ich schon oft gefragt. Ein sehr bekannter Genforscher aus Vancouver sagte mir mal, er würde das Ende von GMOs nicht mehr miterleben, selbst wenn die Aufzucht mit gentechnisch verändertem Saatgut jetzt gestoppt würde. Wenn man es erst mal eingeführt hat, weiß man nicht, ob das je wieder rückgängig zu machen ist. Bei manchen Getreidesorten oder Früchten wäre es zwar eher möglich, aber nicht bei Raps. Auch bei Mais oder Soja wäre es fast unmöglich, wobei sich diese Früchte nicht so stark ausgebreiten und vermischen wie Raps. Ein anderes Problem ist, dass nicht nur die Rapssaat, sondern auch die übrigen Früchte aus dieser Familie der Rapspflanze betroffen sind. Etwa Brokkoli, Kohl oder Rettich. Was sollte man also rückgängig machen? Wir haben Pandoras Büchse geöffnet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Europa profitiert davon, dass es größtenteils noch gentechnikfrei ist.

GLOBAL 2000: Sie sagen, der Hunger auf der Welt kann durch Gentechnik nicht beseitigt werden. Trotzdem fordern viele Politiker und Wissenschafter die grüne Revolution. Nämlich mehr Erträge durch gentechnisch „verbessertes“ Saatgut. Was entgegnen Sie diesen Leuten?

Schmeiser: Okay, dazu muss man folgendes erwähnen: Die zweite grüne Revolution soll Ertragssteigerungen bringen (Anm. d. Red.: In den 1970er Jahren wurde bereits die erste grüne Revolution zur Bekämpfung des Hungers ausgerufen. Damals wurde den armen Ländern eingeredet, sie könnten mit dem Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft Erträge steigern und den Hunger beenden. Die Anzahl der Hungernden ist dadurch jedoch nicht kleiner, sondern größer geworden. Nun haben wir abermals eine grüne Revolution ausgerufen, in der auf Gentechnik gesetzt wird.). In Afrika kommt es dabei zu einem massiven Gebrauch von Düngemittel und Chemikalien. Monsanto verspricht hier eine effizientere Lösung, um Erträge zu steigern. Der Konzern vertreibt unter dem Handelsnamen Roundup eine Serie von Breitbandherbiziden, die für Unkraut und auch herkömmliche Pflanzen-, nicht jedoch für ihr gentechnisch verändertes Saatgut giftig sind. Die Kombination aus herbizidresistenten GMOs einerseits und dem dazu passenden Herbizid andererseits fand so schnell Einzug in die Landwirtschaft. Zur Folge haben sich Unkräuter und Schädlinge darauf eingestellt und sind nun resistent. Das Problem wird mit noch mehr Chemie bekämpft. Letztlich fanden wir heraus, dass die Erträge, trotz eines stärkeren Einsatzes von Chemikalien und entgegen der Versprechen von Monsanto, um ca. zehn Prozent zurückgingen.

GLOBAL 2000: Und wo denken Sie, steuert die Landwirtschaft global gesehen in Zukunft hin? Wird es aufgrund der Vorkommnisse eine Renaissance von Kleinbauern und -bäuerinnen geben oder werden Konzerne wie Monsanto bestimmen, wer-was-wo anbaut und letztlich Gewalt über die Ernährungssicherheit ganzer Völker haben?

Schmeiser: In Kanada haben wir seit 1996 GMO-Pflanzen. Ursprünglich wurden sie eingeführt, um bessere Erträge zu liefern und nicht um die Saaten der Bauern und Bäuerinnen zu kontrollieren oder das Nahrungsangebot der Welt zu steuern. Problematisch wird es aber, wenn sie das versuchen. In Zukunft wird man in der Landwirtschaft weiter auf Ertragssteigerungen setzen. Forschungen haben ergeben, dass das mit biologischen und konventionellen Pflanzen - also ohne Gentechnik - möglich ist. Letztlich liegt es an den KonsumentInnen, welche Form der Landwirtschaft Zukunft haben wird.

GLOBAL 2000: Die Bauern und Bäuerinnen können an dieser Situation nichts ändern?

Schmeiser: Eine Menge Bauern und Bäuerinnen sind enttäuscht und beunruhigt, weil sie GMOs auf ihren Feldern anpflanzen. Sie wissen, dass ihr Land jetzt kontaminiert ist und wenn sie dort etwas anderes säen wollen, macht ihnen Monsanto Druck. Die schicken dann Leute zu deiner Farm, die dir drohen, wenn du keine GMOs mehr anpflanzt. Sie machen dir Angst, indem sie sagen, sie würden deine nächste Ernte zerstören, weil sie da sicher GMO-Pflanzen drin entdecken würden, für die man nicht bezahlt hätte.

GLOBAL 2000: Es ist für Bauern und Bäuerinnen also sehr schwer die Saat zu wechseln?

Schmeiser: Die einzige Möglichkeit für Bauern und Bäuerinnen, von GMOs zu herkömmlichem Saatgut zu wechseln, ist, wenn sie eine andere Frucht anpflanzen. Wenn man Soja oder Raps anpflanzt gibt es keine Alternative – die sind mittlerweile alle genetisch verändert. In unserem Fall (Kanada) gibt es kein Zurück mehr. Unser Land ist kontaminiert.

GLOBAL 2000: Und was sagen die KonsumentInnen Kanadas dazu?

Schmeiser: Die sind wirklich sehr betroffen von der Sache. Anfangs wusste man nur wenig über GMOs. Die KonsumentInnen wollten aber alles zu diesem Thema erfahren und schließlich wurde viel darüber berichtet. Die Sorgen vor landwirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen sind immer noch groß. Der letzte Fall endete vor 3 Jahren für Monsanto mit einer Niederlage vor Gericht. Der Konzern musste eine Entschädigung für die Verunreinigung von Land bezahlen. Das war ein großer Sieg. Vor allem, weil Monsanto ein Jahresbudget von rund zehn Millionen Dollar hat und eine Vielzahl von Anwälten bereitstellt, um solche Fälle zu verhindern. Sie sagen, Bauern und Bäuerinnen hatten niemals ein Recht auf Saatgut. Monsanto hingegen lässt sich die Rechte auf Saatgut patentieren. So wurde aus einem Chemie-Konzern der weltweit größte Saatgutanbieter. Sie sagen, wenn ihr unser Saatgut wollt, müsst ihr auch unsere Herbizide verwenden. Sie haben sozusagen ihre Hausaufgaben gemacht.

GLOBAL 2000: In Österreich ist Gentechnik in der Landwirtschaft verboten. Sehen Sie dennoch Risiken die wir beachten sollten?

Schmeiser: Das hängt davon ab, was für eine Landwirtschaft ihr in Zukunft haben wollt. Wenn ihr weiter bei konventioneller und biologischer Landwirtschaft bleibt, dann haltet euch bloß fern von GMOs. Wenn ihr weiter gute und gesunde Nahrung wollt, solltet ihr niemals gentechnisch veränderte Pflanzen säen. Andernfalls lässt sich das Problem nicht mehr eindämmen. Ich hörte mal in Deutschland jemanden sagen, wenn man 15 oder 30 Meter zum nächsten Feld Platz lassen würde, könnten sich die gentechnisch veränderten Pflanzen nicht ausbreiten. Das ist totaler Humbug. Wind und Bienen können den Blütenstaub über Kilometer weit tragen. Es gibt keine sichere Distanz bei GMOs!

(Von Bernhard Österreicher)

 

letztes Update: 22.01.2011 14:01
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