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Revolutionäres Gesetz räumt mit Raubholz auf
von Jakob Gurschler
Ein US-Gesetz bestraft den Handel mit illegalem Holz – ein Vorbild für die EU.
Barfuß auf einem frisch gewachsten Merbauparkettboden gehen, dem samtenen Klang einer Palisandergitarre lauschen, auf der Tropenholzveranda in einem Korbstuhl Platz nehmen und dem Sonnenuntergang mit einem Sun-Downer in der Hand beiwohnen – mit solchen Werbe-Bildern wird Gemütlichkeit suggeriert.
50% Raubholz
Das Streben danach lässt die Kassen klingeln. 50% des Holzes werden illegal geschlagen. Merbau-Holz, für das man in Indonesien 120$ bekommt, kostet den Endverbraucher in den USA schließlich 2200 Dollar. Diese Gewinnspanne bei illegalem Holz lässt die Herzen skrupelloser und profitgeiler Holzhändler jubilieren. Laut Weltbank hinterziehen sie dabei Steuern in der Höhe von 15 Mrd. Dollar.
Vielleicht mit ein Grund, dass die USA – ein Land, das sich in der letzten Dekade nicht gerade durch übermäßige Besorgnis in Umweltbelangen hervorgetan hat – durch ein revolutionäres neues Gesetz dem Raubbau in den Wäldern, der jährlich 50.000 Tier- und Pflanzenarten Habitat und Leben kostet, Einhalt gebieten will.
Strafe für Naturplünderer über die Grenzen hinweg
Zehn Jahre lang hat die Environmental Intelligence Agency in Washington für eine Erweiterung des Lacey Acts die Werbetrommel gerührt – mit Erfolg.
Anno dazumal brachte der namensgebende Kongressmann Lacey im Frühjahr 1900 die Gesetzesvorlage ein. Durch die Unterschrift von Präsident William Mc Kinley in Kraft gesetzt, konnten nun Wilddiebe bestraft werden, die Tiere in einem Bundesstaat töteten, um diese in einem anderen zu verkaufen. Damit setzte Lacey bundesweit um, was er für den Yellowstone National Park sechs Jahre zuvor erreicht hatte: die rechtlichen Grundlagen, damit die Parkautoritäten jene verfolgen und bestrafen können, die für kommerzielle Zwecke rücksichtslos Flora und Fauna plünderten.
Gitarren aus illegalem Tropenholz
Nun liegt nach einer schlagzeilenträchtigen Razzia der Behörden bei Gibson Guitars, das erste Verfahren vor. Gibson, dem weltberühmten Gitarrenbauer aus Nashville, Tennesse, bekannt durch die legendären Les Pauls in den Händen von Slash und Jimmy Page, wird vorgeworfen illegal in Madagaskars Nationalparks geschlagenes Rosenholz gekauft zu haben. Aufgrund der von der Environmental Intelligence Agency (EIA) zusammengetragenen Beweise wurden in einer drehbuchreifen Razzia in den Firmengebäuden in Nashville, Tennessee Stapel verdächtiger Akten und Holz von dubioser Herkunft beschlagnahmt.
Ein Gesetz mit globalen Dimensionen
Das Bahnbrechende dabei ist: Das neue Gesetz erkennt nicht nur die US-amerikanische Gesetzgebung als Rechtsquelle an, sondern auch die Rechtssprechung des Herkunftslandes. Mit anderen Worten: fremdes Gesetz wird auch auf US-amerikanischem Boden gültig. Ein Baum, der nach madegassischen oder indonesischem Recht illegal geschlagen wurde, verstößt damit auch gegen US-amerikanisches Recht, falls es in das Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten eingeführt werden soll. Damit werden ausländische Umweltschutzbestimmungen Rechtsgrundlage für an US-amerikanischen Gerichten gefällte Urteile. Anstatt in den Sackgassen nationalökonomischer Engstirnigkeit zu verharren, trägt der Lacey Act der globalen Dimension von nachhaltiger Entwicklung Rechnung.
Unwissenheit schützt vor Strafe nicht
Der Lacey Act erlaubt die Bestrafung von Wilddieben, Raubholzfällern und Holzspekulanten nach Straf- und Zivilrecht. Dabei macht der Gesetzgeber einen Unterschied zwischen einer wissentlich und einer unwissentlich begangenen kriminellen Handlung. Erstere wird mit bis zu 500.000 $ Strafe und bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft. In letzterem Fall wird noch einmal unterschieden, ob der Käufer "gegebene Sorgfalt" walten ließ. Das bedeutet, dass zur Minimierung der Risiken des unabsichtlichen Kaufs illegalen Holzes gilt:
.) common sense: Gesunder Menschenverstand walten lassen. Aus einem rotgelisteten Land ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit illegal abgeholzen Hölzern zu rechnen.
.) Recherche: Es ist für den Verkäufer angezeigt, sich in gegebenem Maß über die Herkunft seines Holzes zu informieren. Erste Adresse ist dabei der Verkäufer.
.) Planen: Es ist vorteilhaft, prophylaktische Schritte gemeinsam mit Körperschaften des Staates oder qualifizierten Nichtregierungsorganisationen zu planen,
.) Dokumentation : Es macht ein gutes Bild, wenn man Buch über die getroffenen Anstrengungen zur Verhinderung des Imports illegalen Holzes führt
Kein Papiertiger und beispielhaft für die EU
Da der novellierte Lacey Act die gesamte Produktionskette – vom Sägeblatt der Kettensäge bis zum Endprodukt im Warenhaus - für alle Beteiligten zu einer potentiellen Gefahrenquelle macht, ist professionelles Risikomanagement für alle Produktions- und Handelspartner, die in den USA Geschäfte machen wollen, unabdingbar. Denn in beispielloser Zusammenarbeit sorgen das Departement der Homeland Security für Grenzschutz, der Animal and Plant Health Service des Landwirtschaftsministeriums, das Fish and Wildlife Service und das Office of Law Enforcement des Justizministeriums dafür, dass dieses Gesetz kein Papiertiger bleibt.
In jahrelanger geduldiger und hartnäckiger Vorarbeit hat damit die EIA die Grundlagen geschaffen, damit der egoistische und zerstörerische Naturmord durch gewissenlose und korrupte Elendsspekulanten an US-amerikanischen Grenzen endet. Auch europäische Märkte verdienen diesen Schutz.












