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Reine Bauchsache

GLOBAL 2000

Rainhard Fendrich hat ein Benefiz-Konzert für die Tschernobyl-Kinder und für Obdachlose in Neusiedl am See gegeben. Im Interview mit GLOBAL 2000 erzählt er, nach welchen Kriterien er Hilfsprojekte unterstützt, welche Umweltprobleme er als besonders dringlich sieht und wie man AKW los werden könnte.


GLOBAL 2000: Herr Fendrich, Sie geben heute ein Benefiz-Konzert. Inwiefern können KünstlerInnen ihre Bekanntheit gesellschaftspolitisch nutzen?
Fendrich: Naja, Künstler haben eine größere Glaubwürdigkeit als Politiker. Ein Künstler, der durch seine Tätigkeit sehr nahe an die Seelen der Menschen heran kommt, kann natürlich schon etwas bewirken. Meiner Ansicht nach sollten Künstler viel, viel mehr machen, als sie jetzt tun, denn wir haben eine moralische Verpflichtung, weil es uns ganz einfach gut geht.
GLOBAL 2000: Es gibt ja viele unterstützenswerte Projekte. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welches Projekt Sie unterstützen?
Fendrich: Das ist eine reine Bauchsache. Meistens unterstütze ich Projekte, die ich auch kontrollieren kann, und denen ich vertrauen kann. Dann kommt natürlich hinzu, welche Projekte mir persönlich nahe gehen. Ein Beispiel ist die "Initiative für Obdachlose". Die unterstütze ich, weil Obdachlose eine Randgruppe der Gesellschaft sind und kein Kindchenschema erfüllen. Es haben nicht viele Leute mit ihnen Mitgefühl, weil sie nicht so „süß“ und hilfsbedürftig ausschauen wie kleine Kinder und Tiere. Aber nur weil sich solche Menschen oft selber in eine schlechte Situation gebracht haben, heißt das nicht, dass sie kein Recht auf Barmherzigkeit haben.
GLOBAL 2000: Inwiefern haben Sie von Benefizkonzerten auch als Künstler profitiert? Austria 3 entstand ja aus einer Benefizveranstaltung heraus, Ihr erster Fernsehauftritt war auch ein Benefizauftritt, wenn ich das richtig verstanden habe?
Fendrich: Wir haben großes Glück gehabt mit dem Benefizgedanken. Die Gruppe Austria 3 sollte eigentlich nur einmalig bei einem Benefizabend, der zugunsten der "Initiative für Obdachlose" geplant war, auftreten. Weil aber das Echo auf unseren Auftritt so positiv und stark war, haben wir uns entschlossen, weitere Konzerte zu geben.
GLOBAL 2000: Was ist Ihrer Meinung nach das dringlichste Umweltproblem, das es zu lösen gibt?
Fendrich: Das dringlichste Umweltproblem ist zur Zeit Energie-Missbrauch. Aber das größte Umweltproblem ist die seelische Verschmutzung von Politikern, die den Menschen nicht die Wahrheit sagen. Wenn man die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko betrachtet, dann muss man echt sagen, dass das eine hausgemachte Katastrophe der Amerikaner ist.
GLOBAL 2000: Was möchten Sie den Tschernobyl-Kindern sagen?
Fendrich: (seufzt) Das ist schwer. Man kann sich eigentlich bei diesen Kindern nur entschuldigen und versuchen dieses Leid, das sie aufgrund ihrer Schädigungen tragen müssen, soweit wie möglich zu lindern. Mehr kann man nicht machen.
GLOBAL 2000: Im normalen Strom-Mix in Österreich ist ja auch Atomstrom enthalten. Haben Sie sich überlegt, deshalb zu einem Stromanbieter zu wechseln, der ausschließlich Strom aus Wind, Sonne und Wasser ins Netz einspeist?

Fendrich:
Ich glaube, man kann nie wirklich kontrollieren, woher der Strom kommt, da wird viel gelogen. Das größte Problem für mich als Wiener ist Tschechien, weil es an unserer Grenze Atomkraftwerke stehen hat, die das Baujahr von Tschernobyl haben. Es müsste aber Europa etwas wert sein, Tschechien dermaßen zu subventionieren und zu unterstützen, um vom Atomstrom als Exportgut weg zu kommen.
GLOBAL 2000: Erstmals ist eine österreichische Firma am Bau eines Atomkraftwerkes beteiligt, nämlich die größte österreichische Baufirma, die STRABAG. Würden Sie sich an der GLOBAL 2000-Kampagne mit dem Slogan: "Atomkraftwerke bauen gehört sich nicht" beteiligen?

Fendrich:
Natürlich würde ich mich daran beteiligen, aber man muss auch umdenken. Wenn man seinen Energieverbauch reduzieren würde, und auf das achtet, was man wirklich braucht, wäre der Bedarf nicht mehr so hoch. Aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kampf gegen Windmühlen. Das ist so wie die Liedermacherei: Man versucht ein Leben lang die Welt zu verändern, auch wenn man weiß, dass es einem nicht gelingen wird.
GLOBAL 2000:
Naja, man kann es ja mal versuchen. Es wäre international ein bedeutendes Symbol, wenn eine große Baufirma sagen würde: "Wir bauen kein AKW". So ist es letztes Jahr passiert: Die RWE, ein Energieriese in Deutschland, hat sich aus einem AKW-Projekt in Belene(Bulgarien) zurückgezogen, und seitdem ist dieses Projekt auf Eis gelegt.
Fendrich:
Korruption ist in Österreich zum Nationalsport geworden. Es geht nur darum immer reicher zu werden, Menschen zählen nicht. Ich versteh nicht, warum manche Leute den Hals nicht voll bekommen können, sie werden alle die reichsten am Friedhof sein.
GLOBAL 2000: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Umweltminister wären?

Fendrich: Ich weiß es nicht. Es wird nichts bringen. Einen Tag lang ein Umweltminister zu sein, was kann man so schnell ändern? Da hält man eine Rede, und am übernächsten Tag haben sie alle wieder vergessen. Ich bin bei vielen Umweltschutzorganisation Mitglied und unterstütze diese auch mit Konzerten, also engagiere ich mich sehr wohl für so etwas. Trotzdem bin ich ein Realist. Wenn man mich fragen würde, was ich tun würde, wenn ich Präsident der Vereinigten Staaten wäre, wüsste ich auch keine Antwort darauf. Denn ich werde es nie sein, deshalb denke ich gar nicht darüber nach.
GLOBAL 2000: Danke für das Interview und Ihre Unterstützung.

 

Für das Zustandekommen dieses Benefizkonzerts möchten wir uns bei Elisabeth Werdenich vom Alten Landgut in Deutsch Jahrndorf und beim Autohaus Weintritt aus Neusiedl bedanken.


 

 

letztes Update: 10.09.2010 13:05
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