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Wie ist das mit der Lobau-Autobahn?

Geschichte der Lobau-Autobahn
Eine für das Verkehrsministerium im Jahr 1999 erstellte Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine sechste Donauquerung (=Lobau-Autobahn) nicht notwendig ist.

2003 schloss die Stadt Wien die “Strategische Umweltprüfung für den Nordosten Wiens" (SUPerNOW) ab. Dabei wurden unterschiedliche Varianten untersucht. Am besten schnitt jene Option ab, bei der auf den Bau der Lobau-Autobahn verzichtet wird und stattdessen die Öffentlichen Verkehrsmitttel massiv ausgebaut werden. Jene Trassenführung, die am schlechtesten beurteilt wurde, ist genau jene, die nun gebaut werden soll!

Bei allen relevanten Faktoren wie Treibhausgas-Emissionen, Gefährdung des Nationalparks, Verkehrswirksamkeit, drohenden Speckgürtelvariante usw. wurde diese Variante negativ benotet.

Im Sommer 2004 startet GLOBAL 2000 seine Kampagne gegen die Lobau-Autobahn mit einer Pressekonferenz und zahlreichen Aktionen vor Ort. So wird allmonatlich eine autobahnkritische geführte Wanderung durch den Nationalpark durchgeführt.

Im Dezember 2004 präsentiert GLOBAL 2000 eine repräsentative Umfrage zur Lobau-Autobahn: Die Mehrheit der Wienerinnen und Wiener lehnt den Bau der Lobauautobahn strikt ab beziehungsweise hält ihn für unwichtig. 63 Prozent der Befragten sind gegen den Bau der Lobau-Autobahn, 77 Prozent der Befragten halten den Bau für schlicht unwichtig.


Im Februar 2005 macht ein junges Architekten-Duo im Auftrag von GLOBAL 2000 Gestaltungvorschläge für eine verkehrsberuhigte und attraktive Raffineriestraße. Die staatliche Autobahnerrichtungsgesellschaft ASFINAG lässt ihre urspünglichen Pläne, diese Straße zu einer vierspurigen Schnellstraße auszubauen, fallen.


Im März 2005 einigen der damalige Verkehrsminister Gorbach und die Landeshauptleute Häupl und Pröll in einem politischen Kuhhandel auf die schlechtestmögliche Trasse für die Lobau-Autobahn. Der Querung der Donau in Form einer Brücke ist damit allerdings auch vom Tisch.


Im Juni 2005 veranstaltet GLOBAL 2000 gemeinsam mit andere Umweltschützern eine „Fest für die Lobau“. Die Anreise mitten in die Lobau erfolgt mit einem eigens gecharterten Zug auf eine Strecke, die bislang noch nie für den Personenverkehr genutzt wurde.


Zwischen 1. November 2006 und 31. März 2007 will die ASFINAG mit Billigung der Stadt Wien 18 Probebohrungen im Nationalparkgebiet der Lobau durchführen. GLOBAL 2000 lehnt diese Bohrungen vehement ab und betrachtete sie als Beginn der Bauarbeiten zur Lobau-Autobahn. Um dies zu verhindern, errichteten AktivistInnen von GLOBAL 2000 sowie anderer Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen in Groß-Enzersdorf ein „Lobaucamp“ und bewachten – bei Wind und Wetter – die Einfahrten in die Lobau. Auf diese Weise können die Probebohrungen acht Wochen lang verhindert werden!


Am 18. Dezember 2006 kommt es zu einer Vereinbarung zwischen den UmweltschützerInnen und den Behörden: Die UmweltschützInnen beendeten die Blockade der Probebohrungen sowie die Mahnwache und bauten das Lobaucamp ab. Im Gegenzug verpflichten sich die Behörden zur Ausrichtung eines „Runden Tisches“, bei dem die Verkehrs- und Klimaschutzpolitik in Ostösterreich beraten werden sollte.


Seit Beginn des Jahres 2007 zogen sich die Treffen des „Runden Tisches“ dahin. Die Erwartungen, hier zu einem akzeptablen Ergebnis zu kommen, waren denkbar gering. Denn erstens saßen am „Runden Tisch“ genau dieselben VertreterInnen der Länder Niederösterreich und Wiens, die den Bau der Lobau-Autobahn auf der denkmöglich schlechtesten Trasse durchgeboxt haben. Und zweitens weigerten sich diese beharrlich, über die Lobau-Autobahn selbst – also die Ursache für die Einsetzung des „Runden Tisches“ – ernsthaft zu diskutieren.


Ende Juli 2007 reißt den UmweltschützerInnen die Geduld: Sie geben ihren Ausstieg aus dem Runden Tisch bekannt. Die Länder Wien und Niederösterreich haben nämlich jede ernsthafte verkehrspolitische Arbeit abgelehnt und sich als dialogunfähig erwiesen.


Im Laufe des Jahres 2007 sickern immer mehr Ergebnisse über die Probebohrungen durch. Demnach ist die Geologie unter der Lobau kleinräumiger und komplizierter, als erwartet. Die Hoffnung der ASFINAG, den Tunnel hauptsächlich im wasserdichten tertiären Schluff zu bauen, hat sich nicht erfüllt. Auch die Behauptungen der ASFINAG, der Tunnel würde in einem tieferen Grundwasserhorizont geführt werden und damit keine Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Lobau haben, sind falsch. Der Tunnel wird sowohl beim Ab- als auch Auftauchen den oberen Grundwasserhorizont queren, was eine massive Beeinträchtigung bewirken kann. Zudem gehört der tiefere – in tertiären Schichten angesiedelte – Grundwasserhorizont zu den strategischen Trinkwasserreserven von Wien. Auch hier kann der Lobau-Tunnel massive und irreparable Schäden anrichten.


Für Ende 2009 wird die Durchführung der sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfung erwartet. Wir sind schon gespannt, wie die ASFINAG die Querung von Donau und Lobau „umweltverträglich“ darzustellen versucht!

letztes Update: 24.03.2009 17:47
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