Tauchen sie ein in ...
Am Rio Xingu, einem ...
Am 25. September ...
Das ...
Ein ...
Bei meinem letzten ...
Die Verantwortung ...
Nnimmo Bassey, ...
Der russische ...
Wir sprachen mit ...
Anlässlich des ...
Liz Hutchins ist ...
Pelenise Alofa ...
Am 4. Oktober um ...
Gestern, 23. Juli ...
Eineinhalb Jahre ...
Vorsitzender von ...
Von betonierten Seen und geheimen Städten
Tauchen sie ein in die idyllischen Weiten des Karatschai Sees und besuchen Sie uns im südlichen Teil des Urals.
So oder anders hätte man für das Gebiet im südlichen Ural in der russischen Region Tscheljabinsk werben können, wäre da nicht ein Problem: Der Karatschai See gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt. Er dient als Müllagerungsstätte für Atommüll der ehemaligen Plutoniumfabrik und heutigen Wiederaufbereitungsanlage Majak.
Die Lagerung des Atommülls hat unberechenbare Auswirkung und dies auf unbestimmte Zeit. Eine Stunde am See Karatschai, das ist etwas, dass man jedem Atomkraftbefürworter ans Herz legen könnte um klar zumachen was es heißt Atomenergie zu produzieren, auch wenn diese Methode etwas makaber wäre. Enthalten ist hier nämlich sowohl Strontium 90 als auch Cäsium 137 mit einer Halbwertzeit von etwa 30 Jahren. Beides sind Endprodukte der Plutoniumproduktion und hoch giftige Isotope, die sich aufgrund ihrer chemischen Struktur in Nahrung und Körper einnisten können. Mit ein Grund, nicht in dem See baden zu gehen oder sich dort überhaupt aufzuhalten, doch das ist nicht das einzige Problem, was sich bei der Lagerung des in Majak entstandenen Atommüll ergibt, bedenkt man das Risiko, dass die giftigen Stoffe in das Umland und das Grundwasser gelangen könnten, wie dies bereits in den 50er- und 60er-Jahren der Fall war.
Seit Beginn der Plutoniumproduktion in Majak im Juni 1948 landeten die entstandenen Abfälle zunächst im nahe gelegenen Fluss Tetscha, dessen Wasser ca. 30.000 Menschen zur Versorgung diente. Dies verursachte die Kontamination von insgesamt 38 Dörfern entlang der Tetscha und vermehrt Fälle von Leukämie sowie Lungenkrebs, weshalb nach alternativen Lagerungsmöglichkeiten gesucht wurde.
View Karatschai See in a larger map
„Schmeißen wir den Müll doch einfach in den See!“
Gesagt, getan. Der Karatschaisee diente als Alternativlösung neben einer Art Zwischenlager bestehend aus Tanks, die aufgrund der Nachzerfallswärme von einer Kühlleitungen umschlossen werden mussten. Die Tanks hielten nicht, was sie versprachen. So ereignete sich im Jahr 1957 das, was heute als drittschwerster Unfall in der Geschichte gilt, der Kytschym Unfall. Einer der Tanks, in dem sich das Gemisch aus Strontium 90, Cäsium 137 und Plutonium 239 befand, explodierte und die radioaktiven Stoffe verteilten sich über eine Fläche von 20.000 km². Abermals war neben den Mitarbeitern der Fabrik auch die Bevölkerung bis zu 400 km entfernt betroffen. Genaue Opferzahlen gibt es aufgrund des mangelnden Informationsflusses über das damals geheimgehaltene Bombenkombinat nicht. Fest steht jedoch, dass der Vorfall im Bezug auf die Radioaktivität der sich verteilenden Plutoniumteilchen vergleichbar mit Tschernobyl ist. Da der Vorfall im Verborgenen gehalten wurde, kam dieser erst im Jahr 1989 an die Weltöffentlichkeit. Das ist nicht das Ende der Geschichte der verpatzten Atommülllagerung von Majak. Im Jahr 1967 kam es nach dem Austrocknen des Sees zu Verwehungen des radioaktiven Staubs , was erneut zu einer Kontaminierung des Umlands führte. Um eine weitere Katastrophe zu vermeiden, begann man in den in den 80er-Jahren damit, Betonkörper in den See zu führen, mittlerweile sind es mehr als 10.000, um Sedimentbewegung zu verhindern. Trotz dieser Bemühungen stellt die Lagerung der Atomabfälle in dem See noch heute eine Gefahr für über eine Million Menschen dar.
„Lass es uns mal mit recycling versuchen“
Könnte man bei Atommüll ja auch denken, aber nein, das was dort in Majak passiert, ist mit unserer Vorstellung von Recycling nicht gleichzusetzen.Die Müllmengen werden insgesamt nicht geringer, es wird nur noch schlimmer, wenn das möglich ist. Es wurden sieben weitere Stauseen mit einem Volumen von 320 Millionen Kubikmetern geschaffen, um den anfallenden Müllmengen gerecht zu werden. Weiterhin besteht die Gefahr, dass trotz dieses filternden Kaskadensystems die radioaktiven Teilchen in das Grundwasser gelangen und somit die schon bestehende Dauerbelastung erhöht wird. Sollte beispielsweise einer der Dämme brechen, die den Abfall zurückhalten, so würden große Landflächen überschwemmt und verseucht werden. Abgesehen von den möglichen Gefahren, die sich aus dem Entlagerungssystem ergeben, wurden zwischen 2001 und 2004 ungewöhnlich hohe Strontiumkonzentration gemessen. Es wird vermutet, dass die Abfälle weiterhin in den Tetscha entsorgt wurden. Zudem stellte man bei erneuten Messung 2010 (CRIIRAD-Analyse) eine Erhöung des Cäsiumwerts um 40 % und des Strontiumwerts um 140 % fest. Dies legt nahe, dass die Abwässer der Majak-Anlage noch immer direkt in in die Tetscha gelangen.
Fest steht, dass die Lagerung von Atomabfällen ein nicht einzuschätzendes Risiko für die Umwelt und ihre Bewohner darstellt. Die Geschichte der lang geheimgehaltenen Anlage Majak und ihrer Atommüllentsorgung ist ein Paradebeispiel für das, was alles bei der Atommülllagerung schief gehen kann und dafür, wie unberechenbar die Auswirkung dessen sein kann, was doch so viele für nachhaltig und sicher halten.
Weiterführende Informationen:
Links:
Was versteht man unter radioaktiver Strahlung?
Gesundheitliche Auswirkungen von Radioaktivität
Auswirkungen von Störfällen und Atommüll auf die Umwelt
GLOBAL 2000-Analyse der EU-Atommüllrichtlinien
















