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Climate-Witness-Tour: GLOBAL 2000-Interview mit Klimaopfer Pelenise Alofa Piliati

Pelenise Alofa Pilitati, Teamleiterin der Kiribas Climate Action Group und Mitarbeiterin der Pacific Calling Partnership, sprach im Rahmen der Climate Witness Tour 2009 im Albert Schweizer Haus in Wien über den Klimawandel und ihre davon stark betroffene Heimat, den Inselstaat Kiribati im Südpazifik.

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000: Sie sind hier als Vortragende im Rahmen der „Climate Witness Tour 2009“. Was ist ihr genaues Anliegen und inwiefern ist ihre Heimat vom Klimawandel betroffen?

Pelenise Alofa Pilitati: Kiribati ist ein Atoll. Das bedeutet, die Inseln liegen zwei Meter über dem Meeresspiegel und bestehen hauptsächlich aus Sand. Kiribati umfasst 33 Inseln: die Gilbert Inseln, Phoenix Inseln und die Linieninseln. Der Süden der Gilbert Inseln, auf denen sich die meisten Menschen befinden, ist vom Anstieg des Meeresspiegels am stärksten betroffen. Das Problem bewegt sich allerdings nach Norden. Meine Insel, Tarawa, befindet sich im Zentrum der Inselgruppe. Wir hatten letzte Woche eine sogenannte „King Tide“, eine Flut mit Wellen über zwei Metern über dem Meeresspiegel, die unser Dorf überflutet hat. Sie müssen wissen, Kiribati befindet sich direkt am Äquator. Dort war einst die Zone, die als „sichere Zone“ bezeichnet wurde. Damit war gemeint, dass wir weder von starken Stürmen, Zyklonen oder Erdbeben betroffen waren. Doch nun sind wir konfrontiert mit einem neuen Phänomen, dem Klimawandel, dem damit einhergehenden dramatischen Anstieg des Meeres. Das ist nicht das einzige Problem, auch der Anstieg der Temperatur und der starke Regen sind Auswirkungen.

Wie viele Inseln und Menschen sind von dem drastischen Anstieg des Meeresspiegels erfasst?

Es ist nicht bloß Kiribati von den Veränderungen betroffen.Wir sprechen von über 600 Inseln Mikronesiens.

Wie ist die Situation momentan?

Die Menschen verlieren Stück für Stück ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage. Ich habe selbst Kokospalmen, doch das Meer steigt so rasch, dass es meine Pflanzen zerstört. Das Land wird immer weniger. Die Einwohner Kiribatis gehören indigenen Völkern an und besitzen eine starke Beziehung zu ihrem eigenen Land. Sie fühlen sich dem Land verbunden, es gehört den Menschen und nicht dem Staat. Das eigene Land macht die Einwohner Kiribatis aus, sie sind reiche Leute, denn sie sind unabhängig und können sich selbst versorgen. Wenn die Menschen ihr Land verlieren, verlieren sie ihre Identität, Kultur, Landwirtschaft, also ihre gesamte Lebensgrundlage.

Würden Sie uns ein konkretes Beispiel nennen, wie die Situation der Menschen in ihrer Heimat derzeit ist?

(Frau Pilitati zeigt uns ein Foto, auf dem ein Betroffener vor seinem Haus eine Mauer zu errichten versucht, die dieses vor der steigenden Flut bewahren soll. Eine nie enden wollende Tätigkeit, da sie von den Fluten immer wieder eingerissen wird) Sehen Sie, so helfen sich die Menschen selbst. Wenn das Wasser kommt, versetzen sie zum Teil ihre Häuser. Solange zumindest, bis nicht das gesamte Land von der Flut betroffen ist. (Sie zeigt uns ein weiteres Foto- diesmal ihr eigenes Stück Land. Zerstörte Kokospalmen liegen im Sand, das Meer ist bereits in ihrer Plantage angekommen) Das hier sind meine Palmen. Wenn ich etwas benötige, verwende ich meine Palmen um Geld zu verdienen. Aber sehen Sie wie sie im Wasser versinken?!

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Was würde es für die Menschen bedeuten, ihre Heimat verlassen müssen?

Die Menschen bleiben solange sie können, denn sie wüssten nicht, wohin sie gehen sollen. Jeder in Kiribati besitzt sein eigenes Land, niemand würde freiwillig gehen, denn das Land ist sein. Wenn das Wasser steigt, ziehen die Leute einfach in eine andere Ecke

ihres Landes. Sie würden nicht das Land eines anderen besiedeln, denn das gehört jemand anderem. Das bedeutet, die Menschen gehen vielleicht, wenn sie dazu gezwungen werden, aber sie wissen nicht wohin. Ginge das Wasser zurück, würden sie zurück kommen. Wir lieben und brauchen das Meer, es gehört zu uns und wir benötigen es zum Leben. Und nun nimmt es uns, was wir haben!

Wie reagieren die Menschen auf die Veränderungen in ihrem Umfeld? Was für Hilfe wird ihnen geboten?

Die Menschen helfen sich hauptsächlich selbst. Sie leben damit, dass das Wasser steigt, aber was wir benötigen ist eine Lösung. Dass ein Problem existiert, darüber möchte ich nicht andauernd sprechen, denn es ist offensichtlich. Worüber ich sprechen möchte, sind Lösungen!

Wie reagiert die Politik ihres Staates auf das Problem?

Der Staat hilft natürlich, doch meine NGO beispielsweise hilft sich hauptsächlich in Eigeninitiative. Ich habe es geschafft, selbst Gelder von der Bank und durch Spenden von Privatunternehmen zu bekommen. Die Arbeit, die ich innerhalb der Gemeinde tätige - beispielsweise Kochkurse, die ich gebe - diese Arbeit biete ich von mir selbst aus an und ohne finanzielle Hilfe.

Wie sieht es mit internationalen Reaktionen aus? Was wird international getan um zu helfen? Wird überhaupt etwas getan?

Viele Menschen glauben nicht an den Klimawandel. Sie glauben, wir sind verrückt, wenn wir ihnen von unseren Inseln erzählen. Andere wiederum sind schockiert und fragen sich, wieso so etwas überhaupt passieren kann. Es gibt Skeptiker, aber auch solche, die wiederum darüber nachdenken. Sehen Sie, wir wollen ja niemandem unbegründet Angst machen.

Was erwarten Sie sich von der Klimakonferenz in Kopenhagen diesen Winter? Mit welchen Hoffnungen und Wünschen blicken Sie auf diese Konferenz?

Ich sage es Ihnen ganz ehrlich. Ich glaube nicht daran, dass die Staaten eine Verringerung des CO2-Ausstoßes wollen. Wenn Sie das als Ausgangspunkt nehmen, habe ich also keinerlei Zuversicht oder Hoffnung, dass in Kopenhagen etwas beschlossen wird. Ich sehe den Klimawandel als eine moderne Art des Kolonialismus. Wir werden gezwungen, unsere Heimat zu verlassen, das was uns gehört, wird anderen gehören. Sie nehmen das Meer und teilen es auf. Ich habe den Eindruck, es besteht überhaupt kein Grund für die Industrienationen, den Klimawandel aufzuhalten. Man nimmt uns dadurch alles, was wir sind und haben.

letztes Update: 25.07.2011 12:50
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