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„Jeder einzelne muss sich an diesem Kampf beteiligen“
Liz Hutchins ist parlamentarische Kampagnerin für Friends of the Earth und hat in dieser Funktion an der Durchsetzung des Klimaschutz- Gesetzes mitgewirkt. In einem Interview mit dem Umweltkulturjournal sprach sie über Ihre Arbeit, die Durchsetzung des Klimaschutz- Gesetzes vor dem Parlament, was es beinhaltet und wie es realisiert werden kann.
GLOBAL Journal: Liz Hutchins, Sie sind parlamentarische Kampagnerin für Friends of the Earth. Was sind Ihre Aufgaben in dieser Position?
Hutchins: Die parlamentarische Einheit von Friends of the Earth dient als Unterstützung für Kampagnen, wir haben beratende Funktion, sprechen mit PolitikerInnen und überzeugen sie von unseren Argumenten. Benötigt eine Kampagne eine gesetzliche Genehmigung vom Parlament, suchen wir die besten Wege, diese durchzusetzen. Manchmal sind Kampagnen sehr fokussiert auf parlamentarische Wege, da dies die einzig richtige Möglichkeit ist, Veränderungen zu bewirken. Für die Big Ask-Kampagne zum Beispiel berieten wir uns mit unserem AktivistInnenenteam, um Druck auf die Abgeordneten des Parlaments ausüben zu können. Um unsere Argumente zu untermauern, betrieben wir wissenschaftliche Forschung.
GLOBAL Journal: Sie haben 200.000 Menschen mobilisiert, die für das Klimaschutzgesetz stimmten. Wie haben Sie das geschafft?
Hutchins: 200.000 Menschen zu mobilisieren war eine phänomenale Errungenschaft für uns. So viele Menschen haben sich noch nie auf einmal eingesetzt. Unterstützend war die viele Arbeit, die wir bereits in vorhergegangene Kampagnen investiert haben. Das Ganze war nur möglich auf Grund der Stärke unserer Organisation und der Tatsache, dass wir über 200 lokale Gruppen hinter uns hatten, die mit den Gemeinden zusammenarbeiteten.
Unsere Website war für den Erfolg ebenfalls ausschlaggebend. Diese wurde sogar mit einem Award ausgezeichnet. Neben einprägsamen Online- Projekten gab es aber auch eine Vielzahl an persönlichen Auftritten, etwa auf Festivals oder Märkten in den Stadtzentren. Durch die Kombination an Techniken bekamen wir die Aufmerksamkeit der Menschen und begeisterten sie von dem Klimaschutz- Gesetz.
GLOBAL Journal: Bekamen Sie Unterstützung von industriellen Betrieben?
Hutchins: Eines der wichtigsten Elemente der Klimaschutz- Kampagne war es, Betriebe davon zu überzeugen, dass es in ihrem Interesse ist, ein stabiles Investitionsgerüst aufzubauen, um Profit aus der Bewältigung des Klimawandels zu schlagen. Wir suchten die CBI, den Verband der britischen Industrie, der über 240.000 Betriebe in Großbritannien repräsentiert, auf. Der Verband unterstützte das Klimawandel- Gesetz, da ihm die Idee der Stabilität eines regulierenden Grundgerüsts, das sich auch in der Zukunft bewährt, gefiel. Auf diese Art weiß die Industrie, wo sie investieren und profitieren kann.
GLOBAL Journal: Wie lauten die Hauptpunkte des Gesetzes zum Klimaschutz?
Hutchins: Das Ziel des Gesetzes zum Klimaschutz ist die Reduktion von Emissionen in Großbritannien. Wird die Reduktion zu spät durchgeführt, wird sie empfindlich teurer werden. Es gibt die Vorgabe, die Kohlenstoff- Emissionen bis 2020 um 34 Prozent zu reduzieren. Bis 2050 ist eine Verminderung um 80 Prozent vorgesehen. Es handelt sich um einen anspruchsvollen Plan, jedoch sind langfristige Vorgaben sehr wichtig, da zahlreiche Energie- und Investitions- Entscheidungen Auswirkungen auf über zehn Jahre haben. Um unsere Gesellschaft in eine grüne und nachhaltige Zukunft überführen zu können brauchen wir sowohl länger- als auch kurzfristige Richtlinien.
GLOBAL Journal: Wie sehen die einzelnen Schritte Großbritanniens aus, um die Ziele zu verwirklichen?
Hutchins: Das ist eine sehr komplizierte Frage. Ein Teil des Gesetzes zum Klimaschutz ist, das die Regierung einem Plan entwirft, wie die Vorgaben erfüllt werden können. Das unabhängige Klimaschutz- Komitee prüft anschließend die Strategie. Die Regierung plant zum Beispiel Eingriffe in Energie und Effizienz. Der Transport soll „sauberer“ werden, etwa mit Elektroautos und durch Reduktion des Verkehrs. Ein anderer Punkt ist die Investition in erneuerbare Energien, die in Großbritannien- im Gegensatz zu Österreich- erst einen kleinen Anteil am Energiehaushalt ausmachen. Großbritannien hat einen langen Weg vor sich, der durch sämtliche Bereiche der Wirtschaft führt und wir arbeiten systematisch an der Erfüllung der Vorgaben.
GLOBAL Journal: Sehen Sie Unterschiede in der Arbeit für das Klima zwischen Österreich und Großbritannien?
Hutchins: Friends of the Earth in England, Wales und Nordirland hat in etwa 150 Mitarbeiter und zirka 15 Klima- KampagnerInnen. Ich denke, unsere Stärke liegt in der wirklich gut organisierten Führung unserer Arbeit mit lokalen Gruppen. Wir investieren eine Menge in die Entwicklung unserer Organisation. Die Organisation in Österreich ist viel kleiner, das macht die Sache schwieriger, denke ich. Eines der besten Dinge an der Klimaschutz-Kampagne war, dass sie uns als Organisation stärkte. Wir hatten nicht immer 200 lokale Gruppen. Teilweise entstanden sie erst durch die Kampagne. Es war eine Aktion, in der die Menschen das Gefühl hatten, dass das was sie taten, etwas bewirkte.
GLOBAL Journal: In Großbritannien gibt es über 200 lokale Gruppen. Wie erklären Sie sich das große Interesse in die Arbeit für die Umwelt?
Hutchins: Ich denke, Großbritannien hat eine starke Geschichte was das Interesse für die Umwelt betrifft. So erkläre ich mir die Basis an Interesse für das natürliche Umfeld und den Wunsch, es zu erhalten. Bei der Klimaschutzgesetz-Kampagne mussten wir die Diskussion um den Klimawandel zuerst umlenken. Es stand nicht mehr die Frage im Vordergrund, ob es einen Klimawandel gibt, sondern was wir gegen den Klimawandel tun können. Wir schafften es, sowohl global als auch lokal Führungskraft zu zeigen und das Interesse zu wecken. Um eine dermaßen große Population zu mobilisieren, braucht man beides: politische Führung und eine solide Organisation.
GLOBAL Journal: Nach Kopenhagen- wie werden Ihre zukünftigen Kampagnen bezüglich Klima- Arbeit aussehen?
Hutchins: Unser Kampf für das Klimaschutz- Gesetz in Großbritannien geht weiter, um die größtmögliche Reduktion an Kohlenstoff- Emissionen zu erreichen und wir arbeiten auch noch immer an Details verschiedener Elemente des Gesetzes. Abgesehen davon haben im Moment drei Kampagnen für uns Priorität. Die erste beschäftigt sich mit lokaler Reduktion von Kohlenstoff- Emissionen. Eine weitere Kampagne soll den Menschen die Augen öffnen über die Ernsthaftigkeit des CO2 – Problems. Jede Gemeinde Großbritanniens muss ihren Teil beitragen. Die dritte Kampagne ist eine Art internationale Kampagne, die zu Kopenhagen geführt hat, um eine globale Vereinbarung zu treffen, die es bis jetzt nicht gibt.
GLOBAL Journal: Von Ihrem Standpunkt aus: Wie sehen Sie die Welt im Jahr 2050?
Hutchins: Ich denke, dass der Klimawandel eine beträchtliche Bedrohung für unseren Planeten und die Menschheit darstellt. Wir haben nicht die Wahl, ob wir den Klimawandel aufhalten sollen oder nicht. Die Frage vor der wir stehen ist vielmehr, ob wir rechtzeitig handeln und ob wir es so machen, dass wir unsere Gesellschaft in eine Zukunft mit reduzierten Kohlenstoff- Emissionen führen. Wenn wir das schaffen, bedeutet das einen großen Gewinn für jeden Einzelnen. Ich meine, wer möchte nicht in einer saubereren Umwelt leben mit weniger Verkehr und in einem zu Hause, in dem man sich wohl fühlt? Die Menschen müssen zusammenarbeiten, um dieses Ziel rechtzeitig zu erreichen. Aber wenn man das ungeheuerliche Ausmaß dieses Problems betrachtet, scheint es unermesslich zu sein. Eine Sache, die wir aber tun können sind Dinge wie Klimaschutz- Gesetze, die einen präzisen Weg vorgeben, wie man die einzelnen Schritte bewältigen kann. Jeder einzelne muss sich an diesem Kampf beteiligen und unsere Gesellschaft verändern. Das ist auf der einen Seite spannend auf der anderen jedoch erschreckend.
(Von Marie-Therese Wagner)

















