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Madagaskar: Grüne Energie für die rote Insel
Bei meinem letzten Madagaskar–Aufenthalt, 2008, konnte man das Meer im Fischerdorf St. Augustin erst gegen 22:00 Uhr rauschen hören. Als der dieselbetriebene Generator des Dorfs abgeschaltet wurde. Seit 2009 ist dies wohl anders: St. Augustin ist das erste Solardorf Madagaskars.
Strom ist Luxus in den ländlichen Gegenden Madagaskars. Nur 16 Prozent aller Haushalte in Madagaskar sind an das Stromnetz angeschlossen, am Land sind es nur ca. fünf Prozent. Gekocht wird mit Holzkohle - ca. 100 kg Holzkohle pro Monat kommen auf eine madegassische Familie. Neben den hohen Kosten - bis zu einem Viertel des durchschnittlichen Monatslohns muss eine Familie bezahlen – spricht die erhebliche Umweltschädigung gegen diese Art der Energiegewinnung: Die Abholzung des Regenwaldes. Bereits 90 Prozent des einmal vorhandenen Regenwaldes Madagaskars wurden bereits vernichtet und die „Holzmafia“, die illegal wertvolle Holzarten wie Palisander exportiert, macht die Situation nicht besser. Das Holz wird knapp. Die meisten Haushalte nutzen neben Holz auch Petroleum, Batterien oder Generatoren, die mit Benzin oder Diesel betrieben werden. Es brummt und stinkt entsprechend. Energiegewinnung in Madagaskar: Umweltschädlich, teuer, ungesund. Doch gibt es Alternativen?
Verbesserte Infrastruktur durch Solarstrom
Der Verein ADES („Association pour le Développement de l'Energie Solaire“) hat 2007 ein Projekt der „Nachhaltigen Elektrifizierung“ gestartet: Das Pilotprojekt „Solardorf St. Augustin“ des Vereins ADES versorgt das Fischerdorf St. Augustin, ca. 30 km südlich von der Provinzhauptstadt Tuléar gelegen, seit 2009 mit Solarenergie: Etwa 80 Familien verfügen heute über Solarstrom. Neben Erleichterungen des alltäglichen Lebens - die Kinder machen ihre Hausübungen nicht mehr bei Kerzenlicht - bedeutet dies auch Verbesserungen im Bereich der medizinischen Versorgung: In der Geburtstation des Krankenhauses müssen Frauen nicht mehr ihre eigenen Kerzen oder Petroleumlampen zur Geburt ihres Kindes mitbringen.
Klein aber oho - der Solarkocher
Eine weiteres Projekt von ADES, das sich nicht nur auf St. Augustin beschränkt, ist das Projekt Solarkocher: In einer einfachen, isolierten Box können durch Sonneneinstrahlung Temperaturen bis zu 150 Grad Celsius entstehen - nach ADES ausreichend um praktisch alle Gerichte wie Reis, Maniok, Gemüse, Fleisch und Fisch problemlos zuzubereiten. Auch eigne sich der Solarkocher für das Backen von Brot sowie für das Sterilisieren von Wasser oder medizinischen Geräten. 2001 wurden die ersten Solarkocher in Tuléar von madegassischen Handwerkern gebaut und stießen bei ihrer Demonstration in vielen Dörfern auf große Begeisterung bei der Bevölkerung. Heute werden diese Kocher in Werkstätten in Tuléar, Ejeda und Morondava von einheimischen Handwerkern hergestellt und laut ADES zu angemessenen Preisen an die Bevölkerung verkauft. Es finden regelmäßig Kochdemonstrationen und in Tuléar auch Schulungen statt.
Solarenergie in Madagaskar - auf Dauer kostengünstiger und vor allem: Umweltschonend.
Weiterführende Links:
Die erste solarbetriebene Wasseraufbereitungsanlage in St. Augustin (ADES mit Unterstützung von Trunz Water Systems AG)
(Von Elisabeth Magesacher)
















