GLOBAL NEWS 1_13

©GLOBAL 2000

Twitter

Videos

©GLOBAL 2000

Zu Fuß um die Welt

©GLOBAL 2000

Hinweis: Für eine korrekte Darstellung der Seite muss JavaScript aktiviert sein. JavaScript können Sie in den Einstellungen Ihres Browsers aktivieren.
Karatschai-See
Tauchen sie ein in ...
Belo Monte Staudamm
Am Rio Xingu, einem ...
Trauer über Wangari Maathai
Am 25. September ...
Strahlenschutztraining für FoE Japan
Das ...
Yasuni-Projekt: In Südamerika klingelts
Ein ...
Madagaskar: Rote Insel - Grüne Energie
Bei meinem letzten ...
Reportage: Ananasproduktion Costa Rica
Die Verantwortung ...
Nnimmo Bassey: Leave the oil in the soil
Nnimmo Bassey, ...
AKW in Weißrussland
Der russische ...
Eingeölt
Wir sprachen mit ...
Zum Wert biologischer Vielfalt
Anlässlich des ...
Klimaschutzgesetz England
Liz Hutchins ist ...
Klimaopfer aus Kiribati
Pelenise Alofa ...
Giftschlammkatastrophe Ungarn
Am 4. Oktober um ...
Tatjana Novikova Bericht nach Gefängnis
Gestern, 23. Juli ...
Akiko Yoshida: Endlich frei atmen
Eineinhalb Jahre ...
Rafto-Preis für Nnimmo Bassey
Vorsitzender von ...
 

Yasuni-Projekt: Der Wecker der Welt klingelt in Südamerika

Ein Entwicklungsland fordert alternative Energien und verzichtet deshalb auf das gewinnbringendste Standbein, mit welchem hier der Erdölexport gemeint ist. Mit dem Yasuní Projekt nimmt Ecuador eine wichtige Rolle in Sachen Klimapolitik ein. Es handelt sich um einen geschichtsträchtigen Vorschlag, der darauf beruht, das hohe Erdölvorkommen im Yasuní-Nationalpark zu lassen. Zum Schutz der einmaligen Biodiversität, der indigenen Bevölkerung und als Weckruf für die Welt verdeutlicht Ecuador die Notwendigkeit eines Perspektivenwechsels, was den Umgang mit der Umwelt anbelangt. GLOBAL 2000 sprach mit dem ecuadorianischen Botschafter Diego Stacey-Moreno um mehr über das sogenannte „innovativste Projekt aller Zeiten“ zu erfahren.

GLOBAL 2000: Das Yasuní Projekt stellt eigentlich ein großes Defizitgeschäft für Ecuador dar. Wie kam es dazu, dass dieser Vorschlag überhaupt in der Politik Gehör fand?

STAECY- MORENO: Dieser Vorschlag entstand im Jahre 2007 als Präsident Correa dabei war sein Parlament zusammen zustellen. Eines seiner Hauptanliegen war der Umweltschutz. Somit war es seine Idee, einen großen Anteil von Ölvorkommen, also Ölsreserven, im Boden des Nationalpark Yasuní ITT zu lassen. Zuerst wurde der Vorschlag der eigenen Bevölkerung näher gebracht und wurde mit großer Akzeptanz und viel Zustimmung aufgenommen. Dies hatte auch zur Folge, dass es unter Präsident Correa zu einer Verfassungsänderung gekommen ist. Zum ersten Mal in der Geschichte Ecuadors wird auch das Recht auf Natur anerkannt. Es gibt deshalb auch VertreterInnen von indigenen Bewegungen, die ihre Anliegen kundtun und somit auch auf Gefahren und Probleme aufmerksam machen können. Diese Stämme leben nämlich in vollem Einklang mit der Natur und beherzigen einen respektvollen Umgang mit ihr.

GLOBAL 2000: Das Hauptziel des Projektes liegt also im Schutz der indigenen Bevölkerung?

STACEY-MORENO: Das stimmt soweit, weil es ein Recht ist, dass vor tausenden von Jahren entstand. Solche Stämme kann man als Natur- und Kulturerbe ansehen. Ich verstehe, dass sich die Frage stellt, wie ein Entwicklungsland auf so ein Einkommen wie das Öleinkommen verzichten kann, weil doch 40 Prozent von unserem Staatseinkommen aus dem Ölexport stammt. Meiner Meinung nach, herrscht hier einzig und allein der Gedanke des „Guten Lebens“ vor. Wir bedenken heute leider zu wenig, dass die Art und Weise, wie wir die Natur behandeln oder auch wie wir mit wirtschaftlichen Kernpunkten umgehen, nicht nachhaltig ist. Daraus kann man schließen, dass wir früher oder später über ein neues Modell nachdenken müssen, über eine differenziertere, tragfähigere Lebensweise. Und die Yasuní -Initiative ist der Beginn eines solchen Modells.

GLOBAL 2000: Als Alternativforderung wurde vorgeschlagen, dass die internationale Staatengemeinschaft die Hälfte des entgangenen Erlöses bezahlt und dies dann in alternative Ressourcen investiert werden soll. Nun stellt sich zunächst die Frage ob das für Ecuador überhaupt ausreicht, um das neben den kontinuierlichen Kosten dann noch in alternative Projekte zu investieren?

STACEY-MORENO: Wenn wir es aus der klassischen wirtschaftlichen Perspektive betrachten, könnte angenommen werden, dass es wahrscheinlich nicht ausreichend ist. Der Verzicht diese Ölreserven zu exportieren, kann eindeutig als Opfer von Ecuador angesehen werden. Auch der Präsident hat betont, dass wir Bedürfnisse haben und im Speziellen auch Rücksicht auf die ärmsten Menschen im Land nehmen müssen. Wir müssen gerade im sozialen Sektor fortschrittlicher werden. Aus diesem Grund suchen wir auch nach Alternativen, die diesen Verlust kompensieren können. Immerhin verzichtet Ecuador mit diesem Projekt auf sieben Milliarden Dollar. Die Forderung an die internationale Staatengemeinschaft beschränkt sich in diesem Fall auf 3,5 Milliarden Dollar, die innerhalb von zehn Jahren bezahlt werden sollen. Hinzuzufügen ist hier noch, dass Ecuador ja nicht nur vom Ölexport lebt. Wir verzeichnen beispielsweise auch den größten Bananenexportservice der Welt und verkaufen unter anderem auch große Mengen von Kakao, Kaffee sowie Rosen.

GLOBAL 2000: Wie wird diese Forderung an die internationale Staatengemeinschaft abgesichert?

STACEY-MORENO: Zuerst möchte ich sagen, dass es sich hier um die Möglichkeit handelt, ein Projekt zu unterstützen, dass sich dem Umweltschutz widmet und versucht dem Klimawandel entgegenzuwirken. Es wurden im United Nations of Development Program Vertrauensverträge unterschrieben, die auf Selbstbeteiligung basieren. An dieser Stelle ist zu betonen, dass es in diesem Projekt nicht nur um Beiträge geht, sondern um Partnerschaften. Es geht uns auch um symbolische Unterstützung. So hat beispielsweise Chile 400.000 Dollar für diese Initiative zugesichert oder Italien 40 Millionen Dollar. Es ist auch wichtig zu sagen, dass wir uns schon im Klaren sind, dass es nicht einfach sein wird, dieses Ziel zu erreichen, aber wir sind immer noch optimistisch. Wir bereisen viele verschiedene Länder und präsentieren das Projekt, weil wir der Auffassung sind, dass von solchen Initiativen die ganze Welt profitiert. Die ecuadorianische Regierung hat sich selber zum Ziel gesetzt, dass bis Dezember 2011 100 Millionen Dollar in der Staatskasse sein müssen. Bis jetzt sind es zwischen 55 und 60 Millionen Dollar.

GLOBAL 2000: Hat das entstandene Defizit Auswirkungen auf andere Bereiche in der ecuadorianischen Wirtschaft oder auch Gesellschaft?

STACEY-MORENO: Das Kapital wird hauptsächlich für alternative Energien eingesetzt werden. Weiters sollen soziale Projekte dadurch finanziert werden und es soll zum Schutz der indigenen Bevölkerung verwendet werden. Das Problem ist, wenn wir unser Ziel nicht erreichen, werden wir in eine soziale Misslage geraten. Die Regierung hat bekannt gegeben, dass wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, der einzige Ausweg im Verkauf des Öles liegt. Der zentrale Punkt ist einfach, dass nur Ecuador selber verlieren kann. Wenn wir an unsere Zukunft denken, an die kommenden Generationen und an den ständig stärker werdenden Klimawandel, muss uns doch bewusst werden, dass von dieser Initiative die ganze Welt profitieren kann.

(von Desiree Schröcker)

letztes Update: 04.05.2011 22:23
Social Bookmarks