GLOBAL NEWS 4/11

©GLOBAL 2000

Artikel der Woche

©Kostnixladen 1050 Wien

Mit Kostnix-Prinzip gegen Konsumwahn

Mitmachen

©GLOBAL 2000

Buch-Vorstellung

©Lukas Wank

Der Mensch als Naturkatastrophe: Permakultur nach Sepp Holzer

facebook

Twitter

Videos

©GLOBAL 2000

Hinweis: Für eine korrekte Darstellung der Seite muss JavaScript aktiviert sein. JavaScript können Sie in den Einstellungen Ihres Browsers aktivieren.
Atomausstieg am Novarock
14 Atomkraftwerke ...
Logar: Sichtbarmachung von Erdöl
Der ...
Umweltjournalismus: Zum Nachdenken...
In aller Welt ...
VCÖ: Kurze Autofahrten katastrophal
Christian Gratzer, ...
Der nachhaltige Bäcker
Dieter Smolle ist ...
Ökodesignerin durch Zufall
„Glanz & ...
Tierschutz
Als ...
Landschaftsdesign und Umweltschutz
...
Marieli Fröhlich: Frechheit siegt!
Marieli ...
 

„Der wesentliche Umdenkprozess muss bei der Ernährung passieren...“

Als  Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins und mehrfache Hundebesitzerin ist Madeleine Petrovic prädestiniert, um uns etwas über die aktuelle Lage des Wiener Tierschutzgesetzes zu erzählen. GLOBAL 2000 hat die bekennende Veganerin verraten, wo sie beim Tierschutz noch Handlungsbedarf sieht.

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000: Frau Petrovic, können Sie uns die groben Eckpfeiler des Wiener Tierschutzgesetzes erklären?

Petrovic: Was die Rechtsvorschriften betrifft, unterliegt das Wiener Tierschutzgesetz wie das der anderen Bundesländer, dem Bundestierschutzgesetz. Hier hat es 2005 einige Fortschritte gegeben: die willkürliche Tötung von Tieren ist seither untersagt. An was es immer noch scheitert, ist der Vollzug. Dieser ist in Landeshänden, somit sind die Amtstierärzte damit beauftragt, sich um die  Anliegen der Tiere zu kümmern. Gröbere Missstände sind meines Erachtens immer wahrnehmbar. Manche Tierärzte schauen allerdings lieber weg. Hier liegen die großen Defizite.

GLOBAL 2000: Womit könnte diesem Umstand Abhilfe geschafft werden?

Petrovic: Zum einen gibt es Tierombudsleute. Das sind Personen die die Verwaltung beraten und der Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie gehen Beschwerden nach, haben aber keine Behördenkompetenz. Die Berichte der Tierombudsleute sollten veröffentlicht werden. Das ist in Wien der Fall, in NÖ aber noch nicht. Das Gesetz sieht vor, den EigentümerIn, nicht das Tier selbst zu schützen. Bei nicht artgerechter Haltung wäre es für mich denkbar, dem Tier eine Art Sachwalter an die Seite zu stellen, ähnlich wie das bei kleinen Kindern oder Menschen mit Behinderungen üblich ist.

GLOBAL 2000: Wodurch unterscheidet sich das Wiener Tierschutzgesetz von dem anderer Bundesländer?

Petrovic: Ein Unterschied betrifft die Finanzierung von Tierheimen. Während in NÖ pro Kopf Abgaben an das Tierheim gezahlt werden, gilt in Wien der Leistungsvertrag. Hier bekommen wir von der Stadt Wien pro Tier einen Betrag, allerdings nur für die ersten 30 Tage. Danach muss das Tierheim für die Finanzierung selbst aufkommen. Eine weitere Ausnahme bilden Jagd und Fischereibetriebe. Was viele nicht wissen ist, dass Wien ein Jagdgebiet ist. Ein verletztes Wildtier müsste laut Behörden eigentlich der Jägerschaft übergeben werden, meiner Meinung nach sollte es in den Kompetenzbereich des Tierschutzes fallen.

GLOBAL 2000: Wie stehen Sie dazu, Tierschutz in die Bundesverfassung aufzunehmen?

Petrovic: Der Tierschutzparagraph fehlt uns leider noch. Dadurch würden sich zwar nicht schlagartig alle Missstände ändern, aber es würde ein Auslegungsprinzip für den Tierschutz ergeben, so wie es für den Umweltschutz bereits der Fall ist. Das heißt in Zweifelsfragen könnte im Sinne des Tierschutzes entschieden werden.

GLOBAL 2000: 2005 ist das Bundestierschutzgesetz in Kraft getreten. Welche weit reichenden Änderungen hat dieses mit sich gebracht? Welche Fragen sind offen geblieben?

Petrovic: Manche Behandlungsformen für Tiere, wie Stachelhalsbänder und elektrische Schläge sind seither verboten. Die reine Stallhaltung, wie die für Rinder ist nicht mehr zulässig. Was die Schweinehaltung anbelangt, gibt es aber noch akuten Handlungsbedarf. Zum Großteil werden sie immer noch nicht artgerecht gehalten. Neben der Abschaffung von Legebatterien wäre auch ein Verbot der Bodenhaltung mehr als überfällig. Dennoch, der wesentliche Umdenkprozess muss bei der Ernährung passieren. Ein Überfluss an tierischen Lebensmitteln macht Menschen krank, belastet die Tiere und setzt der Umwelt zu.

GLOBAL 2000: Sehen Sie fleischarme bzw. -lose Kost als sinnvolle Möglichkeit, um gegen den Klimawandel anzukämpfen?

Petrovic: Was den Fleischkonsum betrifft: ein weniger an Quantität und ein mehr an Qualität wäre sinnvoll. Es geht um die Mengen, aber auch um die Art der Emissionen, die dadurch freigesetzt werden: Methan ist ungleich umweltschädlicher als CO2. Ein Übermaß an Konsum von tierischen Produkten kostet Menschenleben. Es ist unethisch, Futtermittel für unsere Nutztiere aus Dritte Weltländer zu beziehen, während die Menschen dort gleichzeitig verhungern.

GLOBAL 2000: Nach welchen Richtlinien sind Bundesländer aufgefordert, Tierschutz zu fördern?

Petrovic: Tierschutz im Unterricht wäre ein gewaltiges Projekt um dadurch auch das Verhalten der Eltern zu verändern. Aufklärung und journalistische Arbeit sind unerlässlich, um das Leid der Tiere sichtbar zu machen. Eine bessere Finanzierung von Tierheimen sowie Schulungen für Polizei und Verwaltung wären wünschenswert.

GLOBAL 2000: Welche  Versuche werden unternommen, den Tierschutz von Haustieren zu  kontrollieren?

Petrovic: Seitens der öffentlichen Hände geschieht leider wenig. Privat durch den Wiener Tierschutzverein versuchen wir es ein wenig, so gut wir es eben können.

 GLOBAL 2000: Welche Auswirkung hätte eine Verurteilung von Martin Balluch dem Obmann von VGT aus Ihrer Sicht für andere NGO´s ?

Petrovic: Ich hoffe nicht, TierschützerInnen mundtot zu machen. Große Veränderungen waren immer erst durch Überwindung von Widerständen möglich. Eigentlich beweist dieser Prozess nur, dass die Tierrechtsbewegung erfolgreich ist, sonst würde sie nicht so stark bekämpft werden. Balluch trägt so wie anderen TierrechtsaktivistInnen dazu bei, das Leid der Tiere sichtbar zu machen. Ist Unrecht besser, wenn man es nicht mehr sieht? Ich halte es da mit Ingeborg Bachman: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

(Von Anna Maltschnig, Andreas Mittelmeier)

letztes Update: 12.04.2010 10:47
Social Bookmarks