facebook

Twitter

Videos

©GLOBAL 2000

GLOBAL NEWS 1/12

©GLOBAL 2000

Hinweis: Für eine korrekte Darstellung der Seite muss JavaScript aktiviert sein. JavaScript können Sie in den Einstellungen Ihres Browsers aktivieren.
Kleidertauschparty
Jacke gegen Hose, ...
Wildurb
Mit WildUrb ist ...
Der biologisch abbaubare Schuh
Schuhe, die zu 100 ...
WUK wird 30
Unter diesem Motto ...
Mit Biotextilien gegen den Klimawandel
... so lautet das ...
Trendwende zu grüner Mode
Sie sind ...
Bioköchin auf Rädern
Als fahrende ...
Biotiful - Naturkosmetik
Seit Juli 2010 ...
Bio und Fairtrade in Gastwirtschaft
Bewusst ein Zeichen ...
Zu Fuß gehen ist sexy
Über neue Wege ...
The Critical Mass
Unter dem Motto ...
Waschen und Umwelt
Jede/r von uns ...
Die Autofreie Siedlung
...und gefunden von ...
Ein Wesen namens Jooloomooloo
Die ...
Radfahren in Wien
In der Serie ...
WTF Bioshirts und Bioweine
Die beiden ...
Krisenshirts
Ein Gespräch ...
 

Zu Fuß gehen ist sexy

Über neue Wege und bestehende Stolpersteine der FußgängerInnenbewegung.

Früher war das zu Fuß gehen die primäre Fortbewegung in der Nahmobilität. Durch die Motorisierung ist die Bewegung per pedes mancherorts außer Mode gekommen. Demnach hat sich die Städte- und Verkehrssplanung immer mehr an den Bedürfnissen der Kraftfahrzeuge orientiert, anstatt an jener der FußgängerInnen. DI Dieter Schwab, Obmann des Österreichischen Vereins der FußgängerInnen, spricht über Hindernisse und Umdenkprozesse im Fahrwasser der Fußgängerschaft. Dass das zu Fuß gehen die vernünftigste Variante der CO2 Reduktion ist, liegt auf der Hand. Was es braucht um diese Art der Mobilität wieder in Gang zu bringen, liegt auch an der Politik und dem guten Willen wichtiger EntscheidungsträgerInnen.

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000: Sind Sie zu Fuß zu diesem Interview gekommen?

Schwab: Ja, teilweise. Ein Teil zu Fuß, ein Teil mit dem Rad. Im urbanen Raum wähle ich meist die praktische Kombinationsform „Bike and Go“!

GLOBAL 2000: Was hat Sie veranlasst den Verein „Walk and Space“ zu gründen?

Schwab: Als Raumplanerplaner fasziniert mich dieses Thema schon sehr lange. Irgendwann kam dann der Punkt X, in diesem Fall die Weltfußgängerkonferenz in Melbourne, wo mich viele internationale Fußgängerlobbyisten ermutigt haben meine Idee vom Österreichischen FußgängerInnenverein zu realisieren. Österreich war damals auf diesem Gebiet ein weißer Fleck, das wollte ich ändern.

GLOBAL 2000: Früher waren die FußgängerInnen HauptverkehrsteilnehmerInnen, heute sind sie durch den motorisieren Verkehr in eine untergeordnete Rolle gedrängt. Bezug nehmend auf Wien, inwieweit ist die Bundeshauptstadt fußgängerInnenfreundlich?

Schwab: Das Planungsverständnis bzw. das Bewusstsein für die Priorität der FußgängerInnen hat sich in Wien glücklicherweise geändert. So gibt es Gegenden oder Plätze deren Gestaltung sehr gelungen ist, wie beispielsweise der nun durchgängige Brunnenmarkt in Ottakring, die Maria Treu Gasse im 8. Bezirk oder der Wallensteinplatz gleich hier vor dem Lokal. Bauliche Änderungen, wie Gehsteigabsenkungen sind in Wien fast flächendeckend und erleichtern die barrierefreie Mobilität enorm.

GLOBAL 2000: Wovon hängt es ab, ob Menschen zu Fuß gehen oder doch das Auto wählen?

Schwab: Ganz egal welcher Bildungs- oder Sozialstatus gegeben ist, zu Fuß gehen ist unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen. Was jedoch sehr wohl schichtenabhängig ist, ist die Wohngegend. Wo und wie man wohnt, wirkt sich drastisch auf das jeweilige Mobilitätsverhalten aus. Wer im hippen Boboviertel wohnt, geht gerne alle Wege zu Fuß - weil die Distanzen kurz und sicher sind. Wer an der Peripherie, mit schlechter Infrastruktur wohnt, ist meist auf motorisierten Verkehr angewiesen. Auf lauten, stark befahrenen Straßen oder schlecht beleuchteten Gehwegen geht ebenfalls niemand gerne zu Fuß.

GLOBAL 2000: Für die heutige Generation sind Autos so selbstverständlich wie Fernseher und Internet. Wie sieht es mit dem Mobilitätsverhalten junger Menschen aus?

Schwab: Ich glaube, dass es heute nicht unbedingt mehr angesagt ist alkoholisiert von einer Disco in die nächste zu brettern. Neue Mobilitätskonzepte werden im urbanen Raum verstärkt angenommen, Stichwort 24h U-Bahn oder Nachtbus, Bike & Go. Alternative Fortbewegung ist durchaus sexy & healthy geworden. Trotzdem braucht es neue Anreize und attraktive Angebote, dass diese Mobilitätsform auch lebbar wird. Ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz ist eine wichtige Grundlage dafür. Wartezeiten auf Bahnhöfen fühlen sich in einer freundlichen Warteräumlichkeit anders an, als in zugig verwahrlosten Bahnhofsgebäuden, Aufenthaltsqualität und „Placefeeling“ sells.

GLOBAL 2000: Was sind die typischen Stolpersteine in Ihrem beruflichen Alltag?

Schwab: Wir bieten so genannte „Fußgängerchecks“ für Gemeinden an, wo die vorhandene Infrastruktur auf Ihre Fußgängerfreundlichkeit geprüft und Verbesserungen vorgeschlagen werden. Typische Stolpersteine sind dabei Barrieren welche ein angenehmes zu Fuß gehen behindern. Seien es ungeeignete Straßenübergänge für Ältere, verwirrende Umwege, mangelnde Aufenthaltsqualitäten oder Lärm.

GLOBAL 2000: Eine Ihrer Vereinsaufgaben ist das Schaffen eines neuen Geh-Bewusstseins. Was verstehen Sie darunter?

Schwab: Ich möchte das an einem Beispiel festmachen. Gibt man auf Google „Fußgänger“ ein, finden sich in den Suchergebnissen dramatische Unfallstatistiken, Todesursachen und andere negative Informationen zu dieser Thematik. Diese Dramatisierung tut nicht gut. Eltern würden ihre Kinder am liebsten mit dem PKW bis ins Klassenzimmer chauffieren. Was es braucht sind positive Bilder, eine Rufreputation für diese Fortbewegung zu Fuß. Maßgeblich ist vor allem aber auch die Haltung der Politik. Wenn auf einem Zebrastreifen ein schwerer Unfall passiert, wird dieser im schlimmsten Fall entfernt- weil zu gefährlich. Maßnahmen wie diese zeigen, dass der zu Fuß gehende Mensch auf wienerisch der „Teschek“ ist und seine Bedürfnisse oftmals kaltblütig ignoriert werden.

GLOBAL 2000: Wie glauben Sie können „notorische AutofahrerInnen“ zum zu Fuß gehen motivieren werden?

Schwab: Also, diese notorischen AutofahrerInnen hauen uns leider immer unsere ganze Statistik zusammen (lacht). Aber man darf ihnen auch nicht böse sein, weil gerade bei der älteren Nachkriegsgeneration sich dieser neue, motorisierte Fortschritt auch als eine Art Freiheit manifestiert hat. Für viele Menschen ist der Verzicht auf den PKW mit vielen Unsicherheiten verbunden, so banal es klingen mag, aber selbst der Fahrscheinkauf am elektronischen Terminal kann für ältere Menschen ein Hindernis sein. Motivierend kann es auch sein wenn der Arbeitgeber seinen MitarbeiterInnen Anreize gibt auch den öffentlichen Verkehr zu nutzen oder Mobilitätslösungen z.B. via Diensträder anbietet. Die junge Generation ist jedoch unser größter Hoffnungsträger eine nachhaltige Mobilitätsform leben zu wollen.

GLOBAL 2000: In welchen Zusammenhang sehen Sie das zu Fuß gehen gegenüber dem Klimawandel?

Schwab: Man weiß heute, dass sich 80 Prozent der Wege in einem Umfeld von maximal fünf Kilometern erstrecken. Daraus muss man jetzt nicht automatisch schließen, dass diese fünf Kilometer zu Fuß gegangen werden müssen. Aber mit dem Fahrrad, oder mittels öff. Verkehrs sind diese Distanzen durchaus ökologisch verträglich überwindbar. Infrastrukturelle Investitionen gehen heute verstärkt in Richtung Fernmobilität, die Nahmobilität wird oftmals vernachlässigt. Ein funktionierendes Fußgängernetz mit Zielen für die „Walkability“, sowie ein großzügiger Ausbau von Radinfrastruktur ist in meinen Augen die Basis für eine nachhaltige CO2 Reduktion im Nahverkehr.

GLOBAL 2000: Was würden Sie sich hinsichtlich einer nachhaltigen Nutzung des öffentlichen Raums von politischer Ebene wünschen?

Schwab: Ich wünsche mir eine klare Haltung und positive Wertschätzung gegenüber alternativen Mobilitätsformen. Dass Umdenkprozesse endlich auch in den höheren Etagen ankommen und dass statt Schwarzweißdenken auch Kompromisslösungen möglich sind. „Fußgängerzone bauen - ja oder nein?“, ist oft die einzige Frage. Für mich gibt es v.a das Koexistenzprinzip: im Verhalten und gestalterisch. Dieses Beispiel lässt sich auf so viele Bereiche übertragen.

GLOBAL 2000: Besitzen Sie ein Auto bzw. „darf“ man in Ihrem Beruf überhaupt mit dem Auto fahren?

Schwab: Ich benütze oftmals - wenn es Sinn macht - ein Auto. Selten jedoch, dass ich dieses alleine verwende. Ich selbst besitze kein Auto.

 

Links:

  • Österreichischer Verein der FußgängerInnen
  • Gelungene Lösungen
  • Buchtipps Zu Fuß. Geschichten über das Gehen. Manfred Bürstmayr / Gerald Franz. Promedia Verlag Shared Space - Beispiele und Argumente für lebendige öffentliche Räume. Cornelius Bechtler, Anja Hänel, Marion Laube, Wolfgang Pohl, Florian Schmidt (Hg.) Alternative Kommunalpolitik Verlag

    letztes Update: 17.11.2010 11:37
    Social Bookmarks