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Es ist 5 vor 12 und Österreich schläft weiter
Neue Klimaberichte zeigen, dass der Meeresspiegelanstieg viel schneller vorangeht als erwartet — ein Anstieg um mehr als einen Meter bis Ende des Jahrhunderts ist nun wahrscheinlich. Auch massive Auswirkungen auf die Nahrungsmittelerträge sind zu erwarten. Umweltminister Berlakovich will trotzdem nicht „vorschnell handeln“.
Schon als der Klimarat der UNO 2007 seinen großen Klimabericht vorstellte, gab es kritische Stimmen, die meinten, der Meeresspiegelanstieg könnte unterschätzt worden sein. Eine neue Studie des arktischen Rates bestätigt jetzt diese Befürchtungen: Statt einem Meeresspiegelanstieg von 0,19 bis 0,59 Meter wird nun ein Anstieg von 0,9 bis 1,6 Meter bis Ende des Jahrhunderts angenommen. 150 Millionen Menschen wären von einem Anstieg um einen Meter betroffen.
Auch im Bereich Landwirtschaft werden die steigenden Temperaturen zunehmend zum Problem. Nur vier Nutzpflanzen, nämlich Mais, Weizen, Soja und Reis, decken 75 Prozent der Welternährung. Eine ForscherInnengruppe der Stanford Universität kommt zum Ergebnis, dass pro Grad Temperaturzunahme die Erträge um zehn Prozent sinken. Schon durch die bisherige globale Erwärmung werden 5,5 Prozent weniger Weizen und vier Prozent weniger Mais geerntet. Noch steigen die Erträge zwar insgesamt durch verbesserte landwirtschaftliche Techniken, doch der Klimawandel wird zunehmend zum Problem.
Österreich blockt ab
Wer meint, dass die Politik jetzt ernst macht, täuscht sich. Denn um die Begrenzung des Klimawandels so weit wie möglich unter der gefährlichen zwei Grad-Schwelle zu halten, wird bei den internationalen Klimaverhandlungen gefeilscht. Viele Staaten haben Angebote gemacht. Europa will seinen Treibhausgasausstoß bis 2020 um 20 Prozent senken. Wie die UNO aber kürzlich festgestellt hat, reicht das bei weitem nicht aus. Auch Europa muss sein Angebot massiv nachbessern. Dafür müssen aber erst alle EU-Mitgliedsländer grünes Licht geben. Sieben EU-UmweltministerInnen treten bereits für mehr Klimaschutz ein. Österreich steht hingegen auf der Bremse. Umweltminister Berlakovich verkündete kürzlich, dass man nicht vorschnell handeln dürfe und erst auf China und die USA warten müsse. Diese Abwehrhaltung ist mehr als verwunderlich: Kaum ein Land hat eine bessere Ausgangsposition und mehr Möglichkeiten auf erneuerbare Energien umzusteigen als Österreich. Selbst eine Studie des Umweltministers zeigt, dass ein Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2050 möglich ist.
GLOBAL 2000 bleibt dran: Bis zur nächsten Klimakonferenz in Durban muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um auch die österreichische Politik davon zu überzeugen, dass jetzt die Zeit zu handeln ist.
















