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Addio Plastiksackerl

Während Premierminister Silvio Berlusconi in Italien trotz zahlreicher Probleme mit der Justiz immer noch in der Regierung sitzt, wurde mit Beginn des neuen Jahres zumindest eine andere schwer abbaubare Substanz aus dem Nachbarland verbannt: Seit 01.01.2011 sind Plastiksackerl in Italien verboten.

Eine Galgenfrist bis 2012 erlaubt es den Unternehmen allerdings noch die restlichen Bestände kostenlos zu verteilen. Nach Ablauf dieser Frist müssen sie die Plastiktaschen allerdings auf eigene Kosten entsorgen. Bis dahin haben sowohl UnternehmerInnen als auch VerbaucherInnen die Möglichkeit, sich Alternativen zu überlegen.

Ralph Aichinger/pixelio

Stofftaschen als wahre Alternative
Die italienischen Supermarktketten nutzen diese Frist, um auf Einkaufstaschen aus biologisch abbaubarem Kunststoff oder Papier umzusteigen. Diese sind jedoch kein stabiler Ersatz. „Um das Papier reißfest zu machen, werden chemisch behandelte Zellstofffasern verwendet. Kompostierbarer Kunststoff hingegen könnte die VerbraucherInnen dazu verleiten, allzu leichtfertig mit den Taschen umzugehen. Die weitaus beste Lösung sind Einkaufstaschen aus Baumwolle, Jute oder Kunststoff, die mehrmals verwendet werden.“, erklärt die Brixner Umweltstadträtin Elda Letrari.

In großen Supermärkten gibt es bereits viele KonsumentInnen, die auf die „letzten Plastiksackerl“ verzichten und lieber gleich eine Stofftasche von zu Hause mitnehmen. Für den Großeinkauf ist also meist vorgesorgt, problematischer im Sinne einer Umgewöhnung kann sich der schnelle und spontane Einkauf gestalten.

Umweltstadträtin Elda Letrari besitzt selbst ein Geschäft. Sie meint, die Botschaft sei schon bei vielen angekommen:„Von meinen Kunden hat sich bis jetzt noch keiner beschwert. Im Gegenteil, vor allem Männer halten beim Einkauf immer öfter eine Stofftasche parat. Ich denke, dass es sich hierbei nur um einen Gewöhnungsprozess handelt. In ein paar Monaten wird jeder ganz automatisch immer eine Tasche dabei haben.“

Das Geschäft mit dem Sackerl
Aus dem Plastiksackerl-Verbot lassen sich jedoch auch Marketingstrategien entwickeln: Einige Bäckereien geben KundInnen, die mit der hauseigenen wiederverwendbaren Tasche kommen, sogar einen Rabatt auf die eigene Ware. Damit gewöhnen sie ihre KundInnen nicht nur daran, sich eine wiederverwendbare Tasche mitzunehmen, sondern binden gleichzeitig an ihr Geschäft. Die überraschend postive Einstellung der UnternehmerInnen erklärte der Bezirksleiter des Handels- und Dienstleistungsverbandes Südtirol, Michael Kerschbaumer, im Gespräch mit GLOBAL 2000 so:„Negative Äußerungen sind mir bislang fast gar nicht zu Ohren gekommen. Einzig über die kurzfristige Verkündung des Verbotes haben sich einige UnternehmerInnen geärgert. Doch das endgültige Ablaufdatum der Plastiksackerl Anfang des neuen Jahres bietet noch etwas Zeit zur Umorientierung. Vor allem kleinere Unternehmen werden Probleme mit dieser Umstellung haben. Daher bin ich der Meinung, dass man erst das Jahr 2012 abwarten sollte, um die tatsächlichen Auswirkungen des Verbots für die UnternehmerInnen abschätzen zu können. Allerdings muss ich nochmals betonen, dass der Großteil der Handelsleute der Veränderung positiv gegenüber steht.“

Die Besitzerin eines Buch- und Schreibwarengeschäfts erklärt uns, dass sie sich mit  Alternativen noch gar nicht auseinandergesetzt habe und sich dazu erst in einigen Monaten etwas überlegen werde. Bis dahin verteile sie Plastiksackerl nur mehr an KundInnen, wenn diese sie ausdrücklich verlangen.

Der lange Weg zum Verbot
Die Idee eines solchen Gesetzes ist nicht neu. Bereits im Finanzgesetz 2007 war das Verbot der Produktion und des Vertriebs von nicht biologisch abbaubaren Einkaufstaschen vorgesehen, wozu der italienische Gesetzgeber auf Grund der EU-Richtlinie UNI EN 13432 aus dem Jahr 2002 verpflichtet war. Italien hat sich also aus dieser Sicht relativ langsam zu einer Umsetzung durchgedrungen.

Trotz allem ist diese Bestimmung ein wichtiger Schritt für einen bewussteren Umgang der Ressourcen sowohl von Seiten der KonsumentInnen als auch der UnternehmerInnen. In Italien wurden jährlich 15 Milliarden Plastiktaschen verbraucht. Obwohl sie oft nur für wenige Minuten oder Stunden verwendet wurden, braucht die Natur Jahrhunderte, um ihre Spuren zu beseitigen. Sie verunstalten die Landschaft und stellen eine Gefahr für Flora und Fauna dar. Bei der langsamen Zersetzung im Sonnenlicht entstehen Giftstoffe, die in die Nahrungskette gelangen. Vor allem im Meer können die Taschen für die Tiere zur Todesfalle werden. Schildkröten und Meeressäuger halten sie für Nahrung und gehen daran zu Grunde.
Die nächsten Monate werden zeigen, wie schnell sich die ItalienerInnen an ein Leben ohne Plastiksackerl gewöhnen werden. In Österreich ist zwar ein PlDoch auch in Österreich haben KonsumentInnen meist die Wahl zwischen Nylon und Stoff. Denn auch ohne Verbot lässt sich Plastik vermeiden.
(von Iris Bonavida

letztes Update: 12.08.2011 11:14
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