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Unsere Zukunft. Mit oder ohne Atomkraft?
Die Pressemeldungen des vergangenen Jahres zur Zukunft der Atomkraft lassen nur einen Schluss zu: Die Atomkraft ist zurück und geht einer strahlenden Zukunft entgegen. Stehen wir aber tatsächlich vor einem atomaren Comeback? Was sagen die Zahlen und Fakten 30 Jahre nach der Zwentendorf-Abstimmung in Österreich?
Von Silva Herrmann
Im September 2008 waren weltweit 439 Atomkraftwerke in Betrieb – Tendenz fallend. Der derzeitige Anteil der Atomkraft an der weltweiten Stromerzeugung liegt bei unter 15 Prozent und damit unter dem weltweiten Anteil der Wasserkraft.
Der atomare Kraftwerkspark ist total überaltert. Zahlreiche Kraftwerke müssen bald vom Netz. Um diese alten Kraftwerke zu ersetzen, müssten bis zum Jahr 2015 rund 100 neue in Betrieb genommen werden und bis zum Jahr 2025 noch einmal 192 − das bedeutet, dass in diesen zehn Jahren etwa alle drei Wochen ein neuer Reaktor ans Netz gehen müsste. Das ist aus vielen Gründen schlichtweg unmöglich: Mangel an ausgebildetem Personal, die aktuelle Finanzkrise, mittelfristige Engpässe bei Zulieferfirmen und der Widerstand der Bevölkerung. Konkrete Bauprojekte wie das neue finnische Atomkraftwerk Olkiluoto-3 zeigen, vor welch großen Problemen die Atomlobby steht, wenn es konkret wird: Die Bauzeit wurde mittlerweile um zwei Jahre verzögert und die tatsächlichen Kosten liegen bereits um 50 % über den budgetierten.
Fazit: Die Atomlobby kämpft derzeit einen verzweifelten Kampf ums Überleben. Ohne Laufzeitverlängerungen und staatliche Unterstützungen für neue Projekte wird die Atomkraft in 20 Jahren nur noch marginale Bedeutung im weltweiten Energiemix haben. Nur wenn unser Widerstand jetzt nachließe, könnte sich die Atomlobby in die Zukunft retten. GLOBAL 2000 wird weiter dran bleiben, um ein Comeback der Atomlobby zu verhindern.
Erfolg von GLOBAL 2000: UVP für AKW Mochovce
Die slowakische Regierung und der italienisch-slowakische Energiekonzern ENEL planten den Ausbau des AKW Mochovce in der Slowakei um zwei Reaktorblöcke. Dabei hat sich die Slowakei bis vor kurzem auf eine Baugenehmigung aus dem Jahr 1986 berufen und damit die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verweigert. Da laut internationalem Recht AKWs einer grenzüberschreitenden UVP unterzogen werden müssen, reichten GLOBAL 2000 und andere Umweltschutzorganisationen beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde gegen das Vorgehen der Slowakei ein. GLOBAL 2000 beauftragte zudem Studien, die das Recht Österreichs auf eine UVP belegten. Mit Lobbying bei der Bundesregierung und der EU-Kommission haben wir weiteren Druck aufgebaut. Jetzt dürfen wir uns über einen Erfolg freuen: Es wird eine grenzüberschreitende UVP geben. Kleiner Wermutstropfen: Diese soll lediglich zur Inbetriebnahme, nicht jedoch zum Bau erfolgen. GLOBAL 2000 bereitet daher eine nächste Beschwerde vor, um auch dies zu Fall zu bringen.
















