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Wenn Flüsse rotes Wasser führen
Ob Jeansknöpfe, Deckenleuchten, Getränkedosen, Kaffeekapseln, Hausdächer, PKW oder Flugzeuge — Aluminium ist aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Was wir aber immer wieder gerne vergessen ist, dass der Rohstoff Aluminium aus der Erde stammt und seine Gewinnung tiefe Wunden in die Landschaft schlägt.
Der Rohstoff zur Aluminiumgewinnung heißt Bauxit und zählt zu den nicht nachwachsenden Bodenschätzen. 90 Prozent der Bauxit-Vorkommen befinden sich im Tropengürtel um den Äquator. Aluminium ist einer der wichtigsten brasilianischen Rohstoffe für den Export. Schon vor 30 Jahren hat Brasilien damit begonnen, eine fast zur Gänze auf den Export ausgerichtete Aluminiumindustrie aus dem Boden zu stampfen. Diese Industrie umfasst alle Schritte der Produktion — vom Bauxitabbau über die Herstellung von Aluminiumoxid bis hin zur elektrischen Abscheidung des Metalls. Brasilien ist der sechstgrößte Hersteller von Aluminium hinter China, Russland, Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten.
80 Prozent des in Brasilien abgebauten Bauxits stammen aus dem nördlichen Bundesstaat Pará am Amazonas. Pará ist zwar die viertgrößte Volkswirtschaft innerhalb der Föderation, hat aber die meisten sozialen Probleme. Illegale Sklavenarbeit, Prostitution und Analphabetismus stehen an der Tagesordnung.
Als erstes muss der Wald weichen
Der Bauxit-Abbau erfolgt im Tagbau — mitten im Amazonas. Als erstes muss der Wald weichen, damit dann gigantische Schaufelbagger und LKW an das Bauxitgestein herankommen. Beim Auswaschen des Gesteins verschlammen Flüsse und Seen, Fischbestände sterben aus und Trinkwasservorräte gehen verloren. Liegen die Minen in unerschlossenen Gebieten bedrohen sie die dort lebenden UreinwohnerInnen. Dann wird das Rohbauxit vom Eisenoxid getrennt. Dabei fällt hochgiftiger, ätzender Rotschlamm an, der in offenen Becken gelagert wird. Im nächsten Schritt wird die zuvor erhaltenene Tonerde elektrolytisch zu Aluminium reduziert. Das wiederum benötigt enorme Mengen Energie. Die Aluminiumgewinnung ist also in vielerlei Hinsicht umweltschädlich.

Im Rahmen unseres REdUSE-Projektes haben unser brasilianischen FoE-Partner Amigos da Terra Brasil den Abbau von Aluminium in Brasilien genauer unter die Lupe genommen. Sie sind auf erschreckende Tatsachen gestoßen. „Rotschlammkatastrophen wie in Ungarn passieren in Brasilien oft, nur interessiert sich niemand dafür.“, erzählt Bruna Engel von Amigos da Terra. „Besonders erschütternd war unser Besuch in Barcarena, wo sich zwei große industrielle Verarbeitungszentren angesiedelt haben“, so Bruna weiter. „Früher konnten Menschen dort vom Fischfang oder vom Verkauf spezieller Nüsse, die sie im Wald gesammelt hatten, leben. Heute geht das nicht mehr. Die Flüsse sind verunreinigt oder sogar vergiftet. Mitten in der Stadt gibt es Lagunen mit giftigem Rotschlamm. Immer wieder passieren Unfälle — durch Lecks oder Überschwemmungen tritt aus der Industrieanlage Rotschlamm aus. Menschen, die in diesen Flüssen baden, bekommen Brandblasen und Ausschläge. Viele Menschen aus den Gemeinden entlang dieses Flusses sind arbeitslos oder krank.“
Aber auch die Menschen, die in der Industrie Arbeit gefunden haben, leben gefährlich. Es ist allgemein bekannt, dass wer einmal länger in der Aluminiumindustrie gearbeitet hat, nachher für keine andere Arbeit mehr zu gebrauchen ist. Neben Vergiftungen kommt es nämlich auch immer wieder zu schweren Arbeitsunfällen.
Einen Film unserer Partnerorganisation mit mehr Infos zum Thema finden Sie auf reduse.org
Was kann ich tun?
Aluminium kann ohne Qualitätsverlust recycelt werden. Dazu ist deutlich weniger Energie nötig als zur Umwandlung von Bauxit zu Aluminium. Insgesamt beträgt der Energieverbrauch für Recycling-Aluminium nur fünf bis zehn Prozent vom Wert für Primär-Aluminium.
Leider sind viele kurzlebige Wegwertartikel ebenfalls aus dem wertvollen Rohstoff Aluminium. Bekannteste Beispiele sind wohl Getränkedosen und Kaffeekapseln. Aber auch Joghurtdeckeln, Alufolie, Tetra-Packs und Schraubverschlüsse sind aus oder enthalten Aluminium. Verzichten Sie deshalb wenn möglich auf Aluminium in Wegwerfgegenständen. Und wenn Sie sie doch mal kaufen, bringen Sie sie zum Recycling.
Das Projekt Reduse wird zur Hälfte von der EU finanziert.
















