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Die Bienen sterben ...
... und der Landwirtschaftsminister schaut weg. Er wird wohl einen Grund haben, warum er die Ursachen des Bienensterbens nicht untersucht haben will. Denn Untersuchungen könnten ja ergeben, dass er selbst die Verantwortung dafür zu tragen hat, da er die Erkenntnisse der deutschen Behörden und den Hilfeschrei der österreichischen ImkerInnen bewusst ignoriert.
Als die Kärntner Imkerin Frau B. am 15. April dieses Jahres so wie jeden Tag ihre Bienenstöcke aufsuchte, war der Boden übersät mit hilflos zuckenden oder bereits leblosen Bienen. Bienen, die noch am Leben waren, wiesen klassische Vergiftungssymptome auf: vorgestreckter Rüssel, Orientierungslosigkeit und aggressives Verhalten.
Diese Symptome weckten bei Frau B. Erinnerungen an Bilder vom letztjährigen Bienensterben in Deutschland. Damals hatten die deutschen Behörden sehr schnell das Pestizid Clothianidin als Verursacher identifiziert. Frau B. informierte umgehend die zuständige Behörde, die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES. Diese ließ auch prompt Proben von toten Bienen zur Untersuchung abholen. Auf das Untersuchungsergebnis wartet Frau B. jedoch noch heute (bis Redaktionsschluss).
Warum es deutsche Bienen besser haben als österreichische
Im April 2008 kam es in Deutschland zu einem massiven Bienensterben. Im Raum Baden-Württemberg fielen diesem 11.500 Bienenvölker zum Opfer. Die betroffenen Bienen waren mit dem Pestizid Clothianidin aus der Gruppe der Neonicotinoide vergiftet worden. Die in den Bienen vorgefundenen Pestizidmengen lagen klar über der für Bienen letalen Dosis. Damit war der Beweis erbracht, dass das Bienensterben durch mit Clothianidin gebeiztes Mais-Saatgut verursacht worden war. Zur Vermeidung weiterer Bienenschäden ordnete daraufhin der deutsche Landwirtschaftsminister das sofortige „Ruhen der Zulassung“ aller in Deutschland zugelassenen Mais-Saatgutbehandlungsmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide an.
Slowenien, wo ebenfalls Bienenschäden beobachtet worden waren, schloss sich dem deutschen Verbot an. Wenig später folgte auch Italien. In Österreich behielten alle bienengefährlichen Pestizide ihre Zulassung. Landwirtschaftsminister Pröll nahm scheinbar keine Notiz von den Vorkommnissen.
Die österreichischen ImkerInnen, die seit Jahren mit Bienenverlusten kämpfen, bei denen sie einen Zusammenhang mit Clothianidin und Imidacloprid vermuten, waren empört. Bereits im Sommer 2008 rechneten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des österreichischen Imkerbundes und GLOBAL 2000 die Obmänner des Imkerbundes und des Erwerbsimkerbundes Landwirtschaftsminister Pröll vor, dass auch in Österreich mehr als 3.500 Bienenvölker geschädigt worden waren. Sie forderten die sofortige Aufhebung der Zulassung der bienengefährlichen Pestizide.
Die Vogel Strauß-Politik
Nichts dergleichen geschah. Anstatt zu handeln, setzten die österreichischen Behörden auf Pseudomaßnahmen, Ankündigung von Projekten zur Untersuchung der Wirkung der genannten Pestizide auf die Bienen und auf die Verharmlosung des Problems.
So veröffentlichte die AGES auf ihrer Homepage „Neue Auflagen für insektizide Beizmittel“. Hierbei stellte sie zuerst einmal fest, dass es in Österreich im Gegensatz zu Deutschland kein Problem mit diesen Saatgutbeizmitteln gebe. Aus „Vorsorgegründen“ legte sie dennoch bestimmte Auflagen für die Anwendung von gebeiztem Maissaatgut fest. Zu guter Letzt versprach sie den ImkerInnen die Finanzierung eines Projekts mit dem klingenden Namen MELISSA, zur Untersuchung der Wirkung der in Deutschland verbotenen Pestizide auf Bienen – als wäre nicht längst erwiesen, dass diese Mittel die Bienen in Massen töten können. Und jetzt, wo diese bienengefährlichen Mittel in großen Mengen zum Einsatz kommen und an vielen Orten bereits die Bienen sterben, stellt sich heraus, dass Landwirtschaftsminister Berlakovich die versprochene Finanzierung des Projekts MELISSA nicht freigibt.
Die Bienen von Frau B. starben genau in jener Zeit, als im Einzugsgebiet ihrer Bienen die Maisaussaat mit gebeiztem Saatgut begann. GLOBAL 2000 wird weiter Druck auf die AGES ausüben, denn wie Albert Einstein schon sagte:„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Fruchtfolge statt Chemiekeule
Tatsächlich gibt es eine einfache und absolut wirksame Alternative zum Einsatz von bienengefährlichen Ackergiften: die altbewährte Fruchtfolgewirtschaft. Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer werden erst durch Monokulturen zum Problem. Das Unterbrechen des monotonen Maisanbaus durch eine Fruchtfolge – wie dies etwa in der Schweiz seit Jahren erfolgreich praktiziert wird – hindert den Maiswurzelbohrer in seiner Entwicklung, und löst das Problem auf natürliche Weise. Außerdem wird so das Grundwasser geschont und nebenbei das Landschaftsbild verbessert. Im Bio-Landbau ist die Saatgutbehandlung mit Insektiziden selbstverständlich verboten und auf Grund der praktizierten Fruchtfolge auch gar nicht notwendig.


















