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Der Kampf gegen Bio-Piraten - die Räuber traditionellen Wissens
Das UN Permanent Forum on Indigenous Issues (PFII) ist, wie bereits in der letzten GLOBAL NEWS berichtet, das größte Forum für indigene Völker. Im ersten Teil dieser Serie haben wir schwierige Begriffe erläutert und Hintergrundinformationen gegeben. Diesmal widmen wir uns den natürlichen Refugien indigener Menschen: allen voran dem Wald.
Die Landmasse der Erde besteht zu rund einem Drittel aus Wäldern, die Lebensgrundlage für einen Großteil der indigenen Völker. Der Wald mit seinen Pflanzen und Tieren nährt diese Menschen, er liefert ihnen Baumaterialien, stellt Medizin bereit und ist Teil ihrer Spiritualität: Sowohl die materielle Nutzung als auch die zumeist tief in der Landschaft verwurzelte Spiritualität indigener Völker ist somit untrennbar mit dem Ökosystem Wald verwoben. Ihr darauf begründetes traditionelles Wissen, ihr kulturelles Erbe, bildet ihre Identität. Indigene Menschen sind daher Öko-ExpertInnen bezüglich regionaler Nachhaltigkeit und Biodiversität. Sie selbst sehen sich eher als HüterInnen des Waldes, dem sie auf vielfältige Weise verpflichtet sind.

Die Vielfalt der natürlichen Ressourcen des Waldes ist es letztlich jedoch auch, weswegen indigene Völker und deren Ökosysteme massiv bedroht sind. Ihre Territorien werden nach wie vor von nationalen und transnationalen Konzernen ausgebeutet, sie werden vielfach diskriminiert, insbesondere ihre Landrechte oftmals im Namen der Entwicklung missachtet.
Es sind die erneuerbaren und nicht erneuerbaren „Schätze des Waldes“, die die Profitgier begründen: Holz, Metalle, Erze und zunehmend auch Mikroorganismen, kulturelle Heilpflanzen der Indigenen, insbesondere solche, die zur Patentierung genetischer Ressourcen dienen. Dieser Raub traditionellen Wissens und kulturellen Erbes wird unter dem Begriff „Bio-Piraterie“ angeprangert.
Die Schwachstellen des Nagoya-Protokolls
Internationale Gremien wie beispielsweise die UN-Biodiversitäts-Konvention CBD wollen diese Ausbeutung reglementieren. Im so genannten Nagoya-Protokoll, das von der CBD 2010 trotz der Proteste vieler indigener RepräsentantInnen verabschiedet wurde, ist der Zugang zu genetischen Ressourcen völkerrechtlich festgelegt. Auf der Basis gegenseitiger Zustimmung soll ein Vorteilsausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessen der Ursprungsländer genetischer Ressourcen und derjenigen Länder erfolgen, in denen die PatentnehmerInnen ihren Sitz haben.

Der Widerstand der indigenen Völker gegen das Nagoya-Protokoll richtet sich insbesondere gegen Schwachstellen des Abkommens, in denen der Schutz ihres traditionellen Wissens sowie der diesbezügliche Zugang und Vorteilsausgleich (ABS) geregelt ist. Die Entscheidungsgewalt über die Ressourcen wird den Regierungen der Ursprungsstaaten und nicht den Betroffenen überlassen. Letztlich war es jedoch ein prominenter Indigener aus Europa, der in seiner Funktion als Repräsentant, ohne Absprache und Zustimmung der übrigen, mehrheitlich kritischen indigenen Stimmen, das Protokoll absegnete und danach möglichst rasch das Weite suchte. Die üblichen Verdächtigen, wie die USA und Kanada trugen das ihre dazu bei, das Nagoya Protokoll hinsichtlich indigener Rechte abzuschwächen: Kanada verweigerte vorerst jegliche Referenz zur UNDRIP (UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples) und erreichte damit, dass selbige lediglich in der Präambel unverbindliche Erwähnung findet — folglich beinhaltet das Protokoll keinen wesentlichen Bezug zur UNDRIP und keine Sicherstellung von FPIC (Recht auf freie, vorhergehende, voll informierte Zustimmung).
Während des PFIIs veranstaltete das CBD zwar einen zweitägigen Workshop zum Thema, eine grundlegende, seriöse Auseinandersetzung mit den negativen Auswirkungen und Gefahren des Protokolls war jedoch nicht geplant. Dank dem engagierten Einschreiten von Debra Harry, indigene Expertin bezüglich Biotechnologie und indigener Völker, wie auch einigen anderen AktivistInnen, konnte letztendlich doch noch ein Mindestmaß an Kritik eingebracht werden.
Das Nagoya-Protokoll, dass eigentlich die Indigenen vor Ausbeutung schützen sollte, birgt für diese Menschen letztlich mehr Gefahren als Vorteile, da der Schutz ihres traditionelles Wissens ungenügend berücksichtigt, der Zugang und die Ausbeutung durch Staat und Unternehmen aber ermöglicht wird.
















