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EU-Skandalbehörde EFSA
Mit der Gründung der EFSA im Jahr 2002 sollten Lebensmittelskandale wie BSE vermieden oder möglichst früh erkannt werden. Acht Jahre später, scheint von diesen hehren Idealen nichts mehr übrig geblieben zu sein.
EFSA – das ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority), die 2002 von der EU ins Leben gerufen worden ist. EFSA ist die Antwort auf die BSE-Krise, bei der das Vertrauen der europäischen KonsumenteInnen tief erschüttert wurde. Damals wurde der Ruf nach einer zentralen Behörde für Lebensmittelsicherheit laut, die sich professionell und auf hohem wissenschaftlichen Niveau um die Vermeidung und Früherkennung von potentiellen Lebensmittelkrisen kümmern sollte. Als weitere zentrale Aufgabe sollte sie bei Zulassungsanträgen die Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln, Zusatzstoffen und gentechnisch veränderten Organismen (GVO) übernehmen.
Spezielle Arbeitsgruppen – so genannte Panels – sind für verschiedene Bereiche zuständig.
Packeln mit der Gentech-Industrie
Das EFSA GMO Panel ist jenes Gremium, in dem die Weichen für die Zulassung von Gentechprodukten für ganz Europa gestellt werden. Man würde meinen, dass angesichts der hohen Verantwortung für die Gesundheit der gesamten europäischen Bevölkerung Gentechprodukte besonders intensiv getestet werden, dass die WissenschaftlerInnen der EFSA ihren Job mit großer Sorgfalt und Unabhängikeit betreiben würden. Doch leider pflegen die MitarbeiterInnen des GMO Panels beste Kontakte zu jener Industrie, deren Produkte sie eigentlich kritisch prüfen sollten. Sie organisieren gemeinsame Tagungen und Forschungsprogramme mit der Gentech-Industrie und treten in ihrer Freizeit sogar in Werbefilmen der Gentech-Industrie auf. Eine Mitarbeiterin wechselte gar nahtlos von der EFSA zur Gentech-Industrie und brach damit eine EU-Vorschrift. GLOBAL NEWS berichtete in der letzten Frühjahrsausgabe.
Es verwundert daher wohl niemanden, dass die EFSA allen Gentechpflanzen nur das beste Sicherheitszeugnis ausstellt und dabei ganz dreist offizielle Studien-Ergebnisse einfach uminterpretiert.
Gentech-Kartoffel Amflora bedenkenlos zugelassen
Da ist etwa die BASF Gentech-Kartoffel Amflora. Sie weist eine Antibiotika-Resistenz auf. Für die Bewertung von Gen-Pflanzen hatte die EFSA drei Kategorien vorgesehen. Die erste betraf Resistenzen gegen in Arztpraxen nicht mehr eingesetzte Antibiotika: Solche Genpflanzen sind laut EFSA sicher und es spricht nichts gegen deren Anbau. Die zweite Kategorie betraf Resistenzen gegen für den Menschen wichtige Antibiotikastämme. Solche Genpflanzen gelten als riskant, von einem Anbau wird abgeraten. Die dritte Kategorie stellte den Graubereich zwischen den ersten beiden dar. Dabei wurde von Fall zu Fall abgewogen. Laut EFSA gehört die Amflora Kartoffel zur Gruppe eins. Das betreffende Antibiotikum Kanamycin galt eine Zeit lang als unwichtig. Zahlreiche MedizinerInnen und die WHO korrigierten aber schließlich diese Fehleinschätzung. Kanamycin ist nämlich in der Bekämpfung von Tuberkulose von großer Bedeutung. Spätestens nach dieser neuen Erkenntnis hätte die EFSA die Unbedenklichkeitserklärung für die Gentech-Kartoffel Amflora zurückziehen müssen. Stattdessen bewertete die EFSA die Einstufung der WHO als irrelevant und änderte kurzer Hand die Methode zur Risikobewertung von Gentechpflanzen. Die drei Bewertungskategorien wurden eliminiert. Stattdessen behauptete die EFSA, solche Resistenzen kämen auch natürlich im Boden vor und berief sich dabei auf einen österreichischen Wissenschaftler. Dieser hatte in seiner Studie jedoch genau das Gegenteil bewiesen und wunderte sich über diese Fehlinterpretation der EFSA.
Wir von GLOBAL 2000 wunderten uns nicht: Die EFSA hat hier offenbar bewusst ein falsches Gutachten ausgestellt, um für Amflora dennoch grünes Licht zu geben. Im Frühjahr 2010 hat die EU-Kommission auf Basis dieses falschen Gutachtens die Amflora Genkartoffel für den europaweiten Anbau zugelassen. Gesundheitsminister Stöger hat umgehend ein Anbauverbot in Österreich erlassen. GLOBAL 2000 hat beim Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Weitere Beispiele über falsche Gutachten der Skandalbehörde EFSA finden Sie auf efsa.global2000.at
Unter einer Decke mit der chemischen Industrie
Bisphenol A (BPA) ist mit einem weltweiten Produktionsvolumen von rund 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr eine der meistproduzierten synthetischen Chemikalien. BPA wird neben einer Vielzahl verschiedenster Anwendungen hauptsächlich für die Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat (PC) verwendet. Menschen nehmen BPA über Lebensmittel auf: BPA löst sich aus Polycarbonat-Kunststoffen, Epoxidharzen und PVC- Folien, allesamt häufig verwendete Materialien für Lebensmittel-Verpackungen.
Krankmacher BPA
Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass BPA bereits in kleinsten Dosen in das menschliche Hormonsystem eingreifen und die Gesundheit gefährden kann. Aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung kann BPA die geschlechtsspezifische Gehirn- und Organentwicklung stören. Die allerorts eingesetzte Chemikalie kann Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Brustkrebs und Unfruchtbarkeit auslösen. Aber auch Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern könnten auf BPA zurückgeführt werden.
Zweifelhafte Studien
Die EFSA bezieht sich in ihrer Risikobeurteilung auf lediglich eine Handvoll von der Kunststoffindustrie finanzierte Studien. Der 2002 für BPA provisorisch festgesetzte Schwellenwert wurde 2006 auf EFSA-Empfehlung um das fünffache erhöht. Man berief sich dabei auf eine Studie der Kunststoffindustrie, die erwartungsgemäß keine gesundheitsrelevanten Effekte bei niedrigen Dosen von BPA feststellen konnte. Ebendiese Studie wurde mehrfach von renommierten WissenschaftlerInnen aufgrund experimenteller Mängel und Ungereimtheiten aufs Schärfste kritisiert.
Strenge Grenzwerte gefordert
Das deutsche Umweltbundesamt hielt 2008 fest, dass die erlaubte Tagesdosis, die sich aus den von der EFSA nicht beachteten wissenschaftlichen Arbeiten ableiten lässt, tatsächlich um ein 2000-faches niedriger liegen müsse. Die große Mehrheit der WissenschaftlerInnen, die zu BPA forschen, teilen diese Einschätzung und traten wiederholt dafür ein, die Chemikalie strenger zu regulieren und besonders Kleinkinder und werdende Mütter vor BPA zu schützen. GLOBAL 2000 fordert von Gesundheitsminister Stöger ein sofortiges Verbot von BPA in Kinderprodukten und Produkten, die mit Lebensmitteln für Kinder in Kontakt kommen und einen Aktionsplan zur Reduktion von BPA in unserer Umwelt. GLOBAL 2000-Erfolg gegen BPA
Die Pestizidverschwörung
Die Gesundheit ist zweitrangig In ihrer Eigenschaft als Agentur für Lebensmittelsicherheit muss die EFSA natürlich auch das Risiko von Pestiziden und ihren Rückständen für den Menschen bewerten. Das bedeutet, dass sie die EU-weit gültigen gesetzlichen Höchstmengen von Pestizidrückständen in und auf frischem Obst und Gemüse festlegt. In diesen Prozess sind jedoch nicht nur die EU-Mitgliedstaaten als Berichterstatter eingebunden, sondern auch die Pestizidhersteller selbst. Es versteht sich von selbst, dass diese die von ihnen hergestellten Substanzen als unbedenklich darstellen.
Bei den beschlossenen Rückstandshöchstwerten eines bestimmten Pestizids geht es daher meist weniger um das Gesundheitsrisiko für den Menschen als vielmehr um dessen Relevanz für die Produktion. Welche Wirkung diese chemisch-synthetischen Präparate auf den Menschen haben, wenn sie dauerhaft oder in Kombination mit anderen (Cocktail-Effekt) eingenommen werden, ist offensichtlich bestenfalls zweitrangig.
Ist Salatessen gefährlich für unsere Kinder?
GLOBAL 2000 veröffenlichte im September 2008 eine Studie über die akute Gesundheitsgefährdung durch überhöhte Pestizid-Rückstände in der EU. Diese finden Sie unter gesundheitsgefahr.global2000.at . Ein interessantes Beispiel für chronische Gesundheitsgefährdung stellt der Wirkstoff Propamocarb der Firma Bayer dar. Propamocarb ist ein so genanntes Fungizid, also ein Wirkstoff, der Pilze und Sporen abtötet. Propamocarb ist ein wahrer Allrounder im Gemüse- und Obstanbau. Besonders Blattsalate sind oft massiv damit belastet. Bei unseren Kindern achten wir darauf, dass sie brav ihren Salat aufessen. Müssen wir uns nun entscheiden, was wir unseren Kleinen eher zumuten wollen: Vitaminmangel oder schleichende Pestizidvergiftung?
Die EFSA hat nun die Wichtigkeit der chronischen Toxizität erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet. Es gibt also eine neue EU-Pestizidpolitik. Auf der Tagesordnung steht nun endlich auch der so genannte Cocktail-Effekt von Pestiziden. So lange jedoch das Interesse am Pflanzenschutz Vorrang gegenüber der menschlichen Gesundheit hat, ist es fraglich, ob und wieviel die von der Kommission kürzlich verabschiedete neue Pestizidpolitik uns KonsumentInnen bringt. Für viele Wirkstoffe bleibt die Höchtsmenge nach wie vor sehr hoch. Der einzig sichere Weg, uns und unsere Kinder vor Pestiziden zu schützen, ist also weiterhin der Griff zu biologischen Nahrungsmitteln.

















