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Kein Gift im Garten
Die Tage werden wieder länger, Krokus und Scharbockskraut bahnen sich ihren Weg der Sonne entgegen. Jeden zieht es nach draußen. Mit dem Frühling beginnt auch wieder die Zeit der Gartenarbeit. Ob Gemüsebeet oder Topfpflanzen auf dem Balkon: Es wird geschnitten, gegraben, gedüngt und gespritzt — und das nicht zu wenig.
Laut Schätzungen entfallen zehn Prozent des österreichischen Pestizidverbrauchs auf den nicht landwirtschaftlichen Bereich. Umfragen zufolge verwendet ein Viertel aller ÖsterreicherInnen chemische Pflanzenschutzmittel für den Privatgebrauch. Dass es sich dabei häufig um giftige Pestizide handelt, ist vielen nicht bewusst. Von den 40 der am häufigsten verwendeten Wirkstoffe werden 30 als umweltgefährlich eingestuft. Die Hälfte gilt als gesundheitsgefährdend für den Menschen und über ein Viertel sogar als giftig bis sehr giftig. Die Toxizität geht jedoch oft nicht aus der Verpackung hervor oder wird verharmlost.
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GartenfreundInnen aufgepasst: VerbraucherInnentäuschung!
Ein Beispiel: Lizetan® Combigranulat für HobbygärtnerInnen enthält den Wirkstoff Imidacloprid, trägt aber den Aufdruck „nicht bienengefährlich“. Im Innenbereich, für den Lizetan entwickelt wurde, können Bienen natürlich nicht geschädigt werden. Imidacloprid gehört aber zur Gruppe der Neonicotinoide, die für das Sterben von tausenden Bienenvölkern verantwortlich gemacht werden. Ein Produkt für den landwirtschaftlichen Gebrauch mit demselben Wirkstoff muss eindeutig als bienengefährlich deklariert sein.
Auch das allseits beliebte Schneckenkorn ist alles andere als unbedenklich. Die schnelle, tödliche Wirkung auf Schnecken mag zwar von Vorteil sein, allerdings wird dabei oft übersehen, dass die Wirkstoffe Methiocarb und Methaldehyd auch für Vögel, Igel und andere Tiere giftig sind. Die Sterblichkeit von nützlichen Laufkäfern liegt bei bis zu 100 Prozent. Zu trauriger Bekanntheit gelangt Schneckenkorn auch immer wieder durch vergiftete Hunde und Katzen.
Schon gewusst? Uran im Dünger
Auch bei der Wahl des Düngers ist Vorsicht geboten. Phosphor-Dünger, wie etwa Blaukorn, kann ernstzunehmende Mengen an giftigen Schwermetallen, vor allem Uran und Cadmium, enthalten. Bei regelmäßiger Verwendung reichern sich diese Stoffe im Boden an und können für den Menschen, vor allem für im Garten spielende Kinder, zur Gefahr werden. Auch das Grund- und Trinkwasser kann verschmutzt werden. Problematisch ist nicht nur die Radioaktivität von Uran, sondern vor allem seine chemische Giftigkeit. Höhere Belastungen schädigen die Nieren und können Krebs verursachen.
Auch die gedüngten Pflanzen lagern Uran ein, vorwiegend in den Wurzeln. Also Vorsicht bei Erdäpfeln und Karotten.
Es geht auch anders
Glücklicherweise gibt es genügend Alternativen zum Pestizideinsatz, so etwa die Mischkultur. Verschiedene Pflanzen unterstützen sich gegenseitig im Wachstum und schützen einander vor Schädlingen und Krankheiten.
Aromatische Kräuter halten Schädlinge fern. Bohnenkraut, das zwischen Bohnen gepflanzt wird, schützt vor Blattläusen, Lavendel hält Ameisen fern und sogar Schnecken gehen ätherischen Ölen aus dem Weg. Marienkäfer, Florfliegen oder Schlupfwespen können ebenfalls eine große Hilfe sein. Insektenhotels bieten ihnen Winterquartiere. Vögel und Fledermäuse freuen sich über Nistkästen und alte Bäume.
Wichtig im Garten: ein jährlicher Fruchtwechsel, denn Schädlinge oder Krankheitserreger sind meist auf wenige Pflanzenarten spezialisiert und ohne Fruchtwechsel kann es zu einer massenhaften Vermehrung kommen.
Gegen Unkraut im Beet hilft Mulchen, etwa mit Grasschnitt, das entzieht den „Beikräutern“ Licht, düngt den Boden und hält Feuchtigkeit zurück.
Viele der so genannten Unkräuter sind essbar oder sogar Heilpflanzen, beziehungsweise sind sie dem Pflanzenschutz dienlich. Zum Beispiel kann man mit einer Brühe aus Ackerschachtelhalm den Pilzbefall am Apfelbaum vorbeugen oder Brennnesselsud ansetzen, der Blattläuse fern hält und nebenbei als guter Dünger dient. Löwenzahnjauche steigert Wachstum und Fruchtertrag.
Synthetische Dünger im Hausgarten sind nicht notwendig. Durch Kompostierung werden natürliche Kreisläufe geschlossen und wertvolle Mineralien bleiben erhalten. Pflanzen aus der Familie der Leguminosen (Bohnen, Erbsen, Klee u.a.) düngen den Boden, indem sie Stickstoff aus der Luft fixieren und als organische Dünger können Pferdemist oder Kaffeesatz verwendet werden.
Dank der Möglichkeiten des natürlichen Pflanzenschutzes ist es also nicht notwendig, durch Pestizideinsatz uns selbst und unsere Umwelt in Gefahr zu bringen.
















