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Unsere Gletscher gehen den Bach hinunter
Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, schmilzt. Wie lange es dort noch Eis geben wird, ist die Frage. Auf die dramatische Situation unserer Gletscher wollte GLOBAL 2000 durch eine spektakuläre Aktion hinweisen.
Von Jens Karg
Die Pasterze unterhalb des Großglockners ist der größte Gletscher in den österreichischen Alpen. Aber langsam und stetig verschwindet er. Die Folgen sind dramatisch: Quellen versiegen, Felswände werden instabil, der Berg wird unberechenbar.
In den letzten 150 Jahren hat die Pasterze die Hälfte ihres Eises verloren. Sogar dort, wo Schotter das Eis vor den Sonnenstrahlen schützt, schrumpft der Gletscher rapide. 13 bis 14 Millionen Kubikmeter Eis verliert die Pasterze jährlich durch Schmelzwasser.
Eis wirkt wie Zement – Es hält die Felspartien zusammen
Doch es gibt noch einen weiteren Grund für das Bröckeln der Felswände am Großglockner. Auch das unsichtbare Eis im Boden des Hochgebirges – der Permafrost – zieht sich zurück. Felswände sind in ihrem Inneren nicht gleichmäßig zusammengesetzt. Sie sind durchzogen von Spalten und Klüften. Viele davon sind mit Eis gefüllt, sogar noch bis in eine Tiefe von 90 Metern. Dieses Eis wirkt wie Zement. Es hält die Felspartien zusammen. Schmilzt das Eis, verlieren die Felswände ihre Stabilität. Sie werden brüchig. Außerdem dringt Wasser ein und staut sich in den Klüften. Der Wasserdruck kann so stark werden, dass er Teile der Wand einfach absprengt. Die Felsbrüche am Großglockner häufen sich.
Wandern und Bergsteigen wird zunehmend gefährlich.
Viele Wanderwege rund um den Großglockner sind durch Steinschlag, Felsstürze und Muren gefährdet. Einige Wege wurden bereits in den Berg verlegt. Im Großglockner gibt es mittlerweile die unterschiedlichsten Gefahrenzonen, die erst durch den Klimawandel entstanden sind. Die Berge sind nicht mehr die, die man zu kennen glaubt – sie sind absolut unberechenbar geworden. Eine erschreckende Entwicklung, die durch den Menschen verursacht wurde.
SOS – der Berg braucht Hilfe
Das ist einer der Gründe für die GLOBAL 2000-Klimakampagne und das ist auch der Grund, weshalb GLOBAL 2000 ein deutlich sichtbares Zeichen gesetzt hat. Ein 50 Quadratmeter großes Banner soll auf der Pasterze stehen und eindrucksvoll die Bedrohung unserer schönen Bergwelt durch den menschgemachten Klimawandel illustrieren. Auf die Idee zu kommen, war sehr einfach – sie dann aber umzusetzen, erweist sich als gewaltige logistische Herausforderung. Wie sollen wir die Buchstaben an dem Netzbanner montieren und woran das Banner befestigen? Zahlreiche Ideen werden diskutiert und wieder verworfen und schließlich entscheiden wir uns, die Buchstaben einzeln fest zu nähen und das Banner mit Hilfe einer Gerüstkonstruktion aufzustellen. Nach über 40 Stunden Näharbeit ist das Banner fertig. Auch die Gerüstkonstruktion ist organisiert, doch birgt diese ein neues Problem: Wie sollen wir all das Material auf die Pasterze transportieren? Fünf Aktivisten, ein Fotograf und über 300 Kilogramm Material, da wird sicherlich keine Ausflugsstimmung aufkommen.
Abenteuer Pasterze
Und tatsächlich, ein hartes Stück Arbeit liegt vor uns. Am 11. September machen wir uns von Wien aus auf den Weg. Mit Bangen verfolgen wir die Wettervorhersage, die sich nahezu stündlich verschlechtert. Doch nachdem wir aufgebrochen sind, da sind sich alle einig, wollen wir die Aktion auch durchziehen. In der Nacht, bei Hagel, transportieren wir unser Material zur Hoffmannshütte. Die Hoffnung auf eindrucksvolle Bilder lässt allen Unbill von uns abprallen. Um Mitternacht fallen wir schließlich erschöpft in die Betten, um nach kurzer traumloser Nacht um 4:30 Uhr vom Wecker unsanft aus dem Schlaf gerissen zu werden. Von der Hoffmannshütte zum Gletscher gelangen wir über einen steilen Weg, der teilweise Klettersteigelemente hat. Hier erweisen sich die langen Gerüststangen als äußerst hinderlich. Auch das Gewicht unserer Rucksäcke mindert das Sicherheitsgefühl. Endlich sind wir an der Pasterze. Die zahlreichen Gletscherspalten mahnen zu größter Vorsicht. Doch das Wetter treibt zur Eile. Die ersten Regentropfen kündigen sich an. Nach zwei Stunden konzentrierter Arbeit haben wir es geschafft, das Banner steht, unser Ziel ist erreicht und die Arbeit des Fotografen beginnt.
Mit einer gehörigen Portion Stolz machen wir uns zwei Stunden später im strömenden Regen an den Abbau.
Mögen die entstandenen Bilder unserer neuen Regierung vor Augen führen, wie wichtig der Klimaschutz ist. Wir von GLOBAL 2000 werden jedenfalls nicht aufgeben, uns dafür stark zu machen.














