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Jeder Unternehmer ist verantwortlich für sein Handeln
STRABAG-Chef Hans Peter Haselsteiner streitet die Verantwortung für die Folgen seines unternehmerischen Handelns ab, seien es Abgase aus Autobahntunnels, Lärm von Autobahnen, CO2 aus Braunkohlekraftwerken oder eben Strahlung aus Atomkraftwerken, die die STRABAG baut.
Auszug aus dem Gespräch von GLOBAL 2000 mit Hans Peter Haselsteiner. Den ungekürzten Audioclip des gesamten Interviews finden sie auf strabag.global2000.at
GLOBAL 2000: Wie sieht Ihre persönliche Einstellung zu Atomkraft aus?
Hans Peter Haselsteiner: So schön es wäre, Atomkraft als alternative Energiequelle zu nutzen und somit andere Probleme zu vermeiden, insbesondere die CO2-Belastung, so unlösbar scheint aus heutiger Sicht das Problem mit den strahlenden Abfällen zu sein. Dass die Atomkraft heute so billig ist, liegt ja auch daran, dass man sich über diese ungelösten Probleme drüberschwindelt und die echten Kosten, die dafür anfallen, nicht rechnet. Und daher ist mein Standpunkt auch völlig klar: Ich bin der Meinung , man sollte Atomkraft vermeiden. Das nicht gelöste Problem mit dem Atommüll ist das Knock-out-Argument für die Atomkraft.
Gibt es eine unternehmerische Verantwortung für soziale und umweltpolitische Fragen?
Ich glaube, es ist hier vor allem notwendig, dass sich die Unternehmensführer entsprechend äußern und versuchen, ihrer Meinung zum Durchbruch zu verhelfen. Darüber hinaus gibt es diese Verantwortung – glaube ich – nicht. Eines habe ich aber immer abgelehnt und das ist das, was Sie und viele andere NPOs versuchen: die Geiselnahme der ausführenden Unternehmen für Ihr eigenes Versagen. Es ist Ihre Aufgabe, mit der Opposition gegen die Atomkraft vorzugehen. Sie haben die Aufgabe, eine Mehrheit zu beschaffen. Dann würde es in der Slowakei oder jetzt in Schweden ein solches Gesetz, das die AKW-Laufzeiten verlängert, gar nicht geben.
Sie machen also keinen Unterschied zwischen dem, was gesetzlich erlaubt ist und einer moralischen Verpflichtung?
Solange die Baubeschlüsse auf Basis demokratischer Mehrheitsverhältnisse zustande kommen, nein.
Kennen Sie die so genannte KiKK-Studie? Eine epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, die vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegeben wurde? Nein, die kenne ich nicht. Das deutsche Kinderkrebsregister untersuchte dabei die Umgebung von sämtlichen 16 Atomkraftwerk-Standorten in Deutschland, insgesamt 1592 Fälle von Kinderkrebs und 4735 Kontrollfälle, und stellte in einem Fünf-Kilometer-Radius rund um die Atomkraftwerke ein signifikant erhöhtes Krebsrisiko fest. In absoluten Zahlen heißt das, dass dort zwei Kinderkrebsfälle pro Jahr eindeutig auf Atomkraftwerke zurückgeführt werden müssen. Da stellt sich für mich schon die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, Atomkraftwerke zu bauen. Ob Sie sich nicht in gewisser Weise mitschuldig machen, wenn Sie am Bau eines AKW beteiligt sind?
Ja, das ist so ein Totschlagargument, dem man natürlich wenig entgegensetzen kann. Einem bauausführenden Unternehmen eine Studie unter die Nase zu halten und zu sagen: „Sie, passen's auf, das verursacht Krebs. Sie sind mitschuldig, weil Sie haben es gebaut“, halte ich für unzulässig. Sie können mir auch nicht vorwerfen, ich habe einen Tunnel gebaut und die Abgase vom Tunnel sind giftig und der Bauer, der oben beim Schacht seine Kühe weidet, hat irgendwelche Langzeitfolgen zu befürchten. Da gibt’s viele andere Dinge, die wir bauen, die in irgendeiner Form einen Einfluss auf Gesundheit oder Glück oder Sonstiges haben. Wenn Sie nun sagen: „Sie sind mitverantwortlich, weil die Lärmbelästigung im Inntal um so und so viel gestiegen ist und dadurch so und so viele taub oder blind werden oder gar sterben“, halte ich das für ein verkürztes und nicht zutreffendes Argument. Es lenkt eigentlich nur davon ab, dass Sie in Ihrer eigentlichen Aufgabe eben nicht zum Erfolg gekommen sind. Denn Ihre Aufgabe – und deshalb werden Sie auch unterstützt – wäre es eigentlich, eine mehrheitsfähige Situation zu schaffen – für Ihr Anliegen. Sie müssen ja eine Mehrheit zusammenbringen in einer Demokratie.
Wir von GLOBAL 2000 sind überzeugt: Es gibt auch für UnternehmerInnen eine persönliche Verantwortung und die freie Entscheidungsmöglichkeit, mit der sie die Gesellschaft positiv beeinflussen können. Die Grammeen Bank des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, ein Mikrofinanzinstitut, das ohne klassische Sicherheiten Mikrokredite an Bengalen ohne Einkommenssicherheiten vergibt und damit versucht die Armut der Bevölkerung zu lindern, ist nur ein Beispiel dafür, welch herausragende Rolle UnternehmerInnen in gesellschaftlichen Prozessen einnehmen können. Auch für negative Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt gibt es eine unternehmerische Verantwortung.
Fordern Sie Hans Peter Haselsteiner mit unserer Petition gegen Mochovce auf, seine Verantwortung endlich zu übernehmen. Die Online-Petition finden Sie unter strabag.global2000.at

















