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Bienensterben: ImkerInnen klagen an
Und die Politik schweigt. Seit August 2010 liegen Umweltminister Berlakovich die neuesten Daten über das Bienensterben in Österreich vor. Bis jetzt wurden sie unter Verschluss gehalten.
Während Deutschland dem Bienensterben bereits 2008 durch ein Verbot des Pflanzenschutzmittels Clothianidin, einem Maisbeizmittel, ein Ende gesetzt hat, sucht der österreichische Umweltminister noch nach Ausreden für ein Totalverbot. Damit wurden die Bienen vieler ImkerInnen dezimiert. Dafür konnte sich die Pflanzenschutzmittelindustrie, allen voran Bayer und Syngenta, über viele Millionen Euro Gewinn freuen.
Ein Anlass für GLOBAL 2000, jene ImkerInnen zu Wort kommen zu lassen, die den Mut hatten zu reden. Aus Angst vor Nachbarschaftskonflikten mit LandwirtInnen wollten nämlich viele kein Interview geben bzw. anonym bleiben. Sie sitzen die Schäden lieber aus, oder flüchten mit ihren Bienenstöcken, sofern es ihnen möglich ist, in Gebiete, wo kein Mais ausgesät wird.
Auszug aus den Interviews mit den ImkerInnen. Die vollständige Version finden Sie auf www.bienensterben.global2000.at
Imker Josef Stich, Obmann des Erwerbsimkerbundes und Vorstandsmitglied der „Biene Österreich“ „Allein der Schaden dokumentierter Bienenvergiftungen durch den Einsatz von Chemie im Maisanbau, beträgt laut dem Dachverband der österreichischen Imkerzuchtverbände „Biene Österreich“ ca. 125.000 Euro pro Jahr. Das tatsächliche Ausmaß des Schadens dürfte aber weit über diesem Betrag liegen, da sich viele Imker nicht an die Behörden wenden.“
Imker Wilhelm Finstermann aus Brunnenthal „2009 sind zehn meiner Völker verendet und 2010 bereits fünfzehn. Bis auf zehn Völker, die sich in meinem Garten befinden, ist der gesamte Bestand durch die Maisbeize gefährdet, da sich alle Völker in unmittelbarer Umgebung von Maisfeldern befinden.“
Imker Ernst Spreitzer aus Saas im Prättigau „Acht von 20 Bienenvölkern sowie der gesamte Blütenhonig sind mir durch die Maisbeize ausgefallen. Wer daran Schuld hat, kann ich nicht sagen. Aber von Seiten der Politik hält man sich bedeckt.“ Ein Video dazu finden Sie auf www.bienensterbenmais.global2000
Imker Gottfried Humer aus Naarn im Marchland „Sowohl 2009 als auch 2010 waren 15 Bienenvölker von giftigen Spritzmitteln betroffen. Ich habe dadurch einen finanziellen Schaden von rund 15.000 Euro erlitten. Verantwortlich dafür ist die zuständige Landesstelle, die besagtes Spritzmittel genehmigt hat. Meine Einbußen sollten daher von dieser beglichen werden – diese sollte in weiterer Folge die entstandenen Kosten vom Pharma-Lieferanten einfordern.“
Imker Anton Jagersberger aus Hollenstein „Die Behörden haben sich offenbar von Pharmafirmen beeinflussen lassen. Während die oberösterreichischen Behörden geschädigte Imker auf die Landwirte weiterverweisen, stehlen sich Chemiekonzerne unverschämt aus der Verantwortung. Politiker sollten die Meinung der Bürger vertreten und mehr auf deren Gesundheit achten. Die Lebensmittelsicherheit sollte nicht durch Institute geprüft werden, die von Pharmafirmen finanziert werden.“
Imker Karl Neubauer aus Zelldorf „In meinem Bezirk wurden Maiswurzelbohrerfallen aufgestellt. In den Fallen wurden nur vier Exemplare des Schädlings gefunden. Derzeit wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen und ich fürchte nur deswegen, weil jemand Interesse hat, die Kugeln zu verkaufen. Eigentlich sind nicht wir Imker am meisten geschädigt, sondern die Landwirte. Mit der Verpflichtung dieses Beizmittel auszubringen, muss der Landwirt seine eigenen Nützlinge töten. Neben der Honigbiene sind das Wildbienen, Marienkäfer, Florfliegen, Gallmücken. Biolandwirte, die mühsam das Bodenleben auf ihrem Acker verbessert haben, müssen als Nachbar von Beizflächen vielleicht fürchten, dass durch den Staub diese Lebewesen in Gefahr sind.
Das schädliche Gift Clothianidin, das die Bienen tötet und die Umwelt gefährdet, wird fast ausschließlich in Monokulturen eingesetzt. Es ist an der Zeit, dass die Politik endlich Monokulturen, diese der Umwelt widersinnige landwirtschaftliche Fehlentwicklung, verbietet. Denn wie die Präsidenten des Erwerbsimkerbundes Josef Stich und des Imkerbundes, Ing. Josef Ulz in einer Presseaussendung vom Mai 2010 richtig feststellen: „ Erst Monokulturen machen Schädlinge wie den Maiswurzelbohrer stark. Das Unterbrechen von Monokulturen durch eine Fruchtfolge ist eine effektive Maßnahme gegen den Schädling. Ein Umdenken in der Landbewirtschaftung ist notwendig".
Die ImkerInnen und GLOBAL 2000 fordern daher von der Politik gesetzliche Voraussetzungen, damit es nicht mehr zu Vergiftungen von Bienen durch Pflanzenschutzmitteln kommt. Wie man in Deutschland und Italien sieht, ist das Verbot der Maisbeize die zuverlässigste Maßnahme. Außerdem müssen betroffene ImkerInnen eine entsprechende Entschädigung erhalten.

















