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Israel bald auf dem Trockenen
Die Lebensader Israels ist der Jordanfluss im Norden des Landes. Ohne diese strategisch wichtige Wasserader ist eine Landwirtschaft in dieser Region nicht möglich. Ein Lokalaugenschein aus Israel.
Der Jordan fließt zwischen Israel und den Golanhöhen von Norden nach Süden, dann weiter durch die besetzten Gebiete der Westbank und mündet schließlich im Toten Meer. Unkontrollierte Wasserentnahmen für Haushaltszwecke und die intensive Landwirtschaft der Region bescheren den BewohnerInnen jedoch eine immer massivere Wasserknappheit. Doch damit nicht genug: Illegale Mülldeponien, die fehlende Kanalisation in vielen palästinensischen Dörfern und der steigende Pestizid- und Düngereinsatz in der Landwirtschaft verunreinigen Grund- und Oberflächenwasser im Jordantal. Die Folge: verschmutztes und teilweise als Trinkwasser unbrauchbares Wasser und das dramatische Absinken des Wasserspiegels des Sees Genezareth auf einen historischen Tiefstand – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Umwelt.
Intensivlandwirtschaft am See Genezareth
Am südlichen Ufer des Sees Genezareth sind soweit das Auge reicht, Bananen- und Avocadoplantagen. Diese haben in den letzten 20 Jahren einen wahren Boom erlebt. Beide Kulturen beanspruchen sehr viel Wasser. Ein Hektar Avocadoplantage verbraucht jährlich 13 Millionen Liter Wasser. Das Bewässerungssystem der Plantagen wird ausschließlich mit Frischwasser aus dem See Genezareth gespeist. Die unkontrollierte intensive Wasserentnahme entlang des Jordantals und aus dem See führt dazu, dass immer geringere Wassermengen das Tote Meer erreichen. Wenn dieser Entwicklung nicht gegengesteuert wird, droht laut ExpertInnen das Tote Meer auszutrocknen. In Israel werden derzeit ehrgeizige Ideen diskutiert, wie die Speisung des Toten Meers mit Salzwasser aus dem Roten Meer, durch Pipelines transportiert werden soll.
Wasserversorgung in der Landwirtschaft der südlichen Region Tel Aviv
Der Leidensdruck ist offensichtlich groß. Es gibt daher bereits Bestrebungen seitens der israelischen Regierung, das kostbare Gut Wasser besser zu nutzen. Südlich von Tel Aviv bis zur Wüstenstadt Beer Sheva wird zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen recyceltes Wasser verwendet. Das Abwasser der Ballungszentren von Tel Aviv wird aufbereitet und zur Bewässerung genutzt. Zusätzlich sollen Entsalzungsanlagen am Mittelmeer Süßwasser zur Bewässerung liefern. Dabei entstehen jedoch große Mengen Salz, die dann wiederum im Meer „entsorgt“ werden – eine sehr umstrittene Praxis. All diese Bemühungen ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass durch den Export von landwirtschaftlichen Produkten, wie Gemüse, Obst und Blumen, indirekt satte 70 Millionen Liter Frischwasser jährlich in die Europäische Union exportiert werden. Es stimmt mich mehr als nachdenklich, dass trotz alledem das israelische Landwirtschaftministeriums seit fünf Jahren das Ziel verfolgt, den Export jährlich um zehn Prozent zu steigern. Für die Erhaltung von Naturreservaten und Naturparks in Israel werden von der Regierung hingegen wesentlich weniger Ressourcen freigegeben. Unsere Partnerorganisation FoE Middle East ist von Tel Aviv, Bethlehem und Amman aus aktiv. Unsere KollegInnen haben die Gefahr, die von exzessiven Wasserentnahmen droht, schon vor Jahren erkannt. Sie arbeiten erfolgreich an Umweltprojekten in den betroffenen Regionen. Eines davon heißt „Good Water Makes Good Neighbours“. Es handelt sich dabei um so genannte Partnergemeinden aus Israel, Palästina und Jordanien, die durch ihre Abhängigkeit von der selben Wasserquelle – dem Jordan und seinen Zuflüssen – miteinander verbunden. Sie arbeiten an gemeinsamen Lösungen für Probleme wie Müllentsorgung, Abwasser, Wasserverbrauch usw. Das Schöne daran ist: Diese Arbeit fördert nicht nur den Erhalt der Umwelt, sondern auch auf ganz spezielle Weise den Frieden zwischen den Völkern.















