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"Da passieren kleine Wunder."
Dr. Ludmilla Marenych ist seit 18 Jahren Hämatologin im Kinderkrankenhaus Kharkov in der Ukraine. Anfang des Jahres war sie für ein dreimonatiges Praktikum im St. Anna Kinderspital zu Besuch in Wien. GLOBAL 2000 hat mit ihr über ihre Erfahrungen und Eindrücke in dieser Zeit gesprochen.
GLOBAL 2000: Was ist der Grund für deinen Besuch in Österreich?
Ludmilla Marenych: Ich bin auf Einladung von GLOBAL 2000 und der GIGAX-Stiftung hier. Die GIGAX Stiftung ermöglicht ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen aus Osteuropa im St. Anna Kinderspital in Wien ihr Wissen zur Behandlung kindlicher Krebserkrankungen zu bereichern. Ich nutze diese Chance, um die Überlebensrate der von mir behandelten Kinder in der Ukraine zu steigern.
Welche neuen Erkenntnisse kannst du für deine Arbeit in Kharkov mitnehmen?
Ich habe vor allem neue Behandlungsprogramme kennen gelernt, wie etwa bei Kindern mit Lymphdrüsenkrebs. Das neue Programm ermöglicht die Therapie ohne ein bestimmtes Medikament, das in der Ukraine schwer oder gar nicht erhältlich ist. Bei Kindern mit Krebserkrankungen im Frühstadium kann dadurch teilweise auf den Einsatz einer belastenden Strahlentherapie verzichtet werden. Dadurch können die Kinder schneller wieder gesund werden. Weiters habe ich gelernt, wie man die Nebenwirkungen der Chemotherapie und Strahlentherapie bestmöglich behandelt. Welche Ernährung die kleinen PatientInnen benötigen, welche Komplikationen auftreten können. Die große Kunst liegt darin, die Nebenwirkungen der Chemotherapie rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Ich freue mich schon darauf, alle meine Erfahrungen mit meinen ukrainischen KollegInnen zu teilen.
Wo liegen in deinen Augen die größten Unterschiede zwischen der Arbeitsweise in ukrainischen und österreichischen Spitälern?
Neben den moderneren medizinischen Behandlungsmethoden in Österreich hat mich auch die gute Teamarbeit fasziniert. In der Ukraine hat jeder Arzt und jede Ärztin eigene PatientInnen. Es gibt keine Visiten, wo sie KollegInnen zu Rate ziehen können. Alle Entscheidungen werden im Alleingang getroffen. In Österreich arbeitet das gesamte medizinische Personal in Teams. Jeder Patient und jede Patientin wird einzeln im Kollegium besprochen und während der Visite begutachtet. So gibt es mehrere Einschätzungen des Gesundheitszustandes der PatientInnen und die bestmögliche Behandlung kann rascher gefunden werden.
Wie sieht die personelle Situation in eurem Krankenhaus im Vergleich mit der im St. Anna Kinderspital aus?
Auf unserer Station gibt es drei AssistenzärztInnen und eine Oberärztin. Sie müssen jedeR bis zu 24 Kinder behandeln. Auch die KrankenpflegerInnen sind bei uns völlig überlastet. EinE PflegerIn ist für 20 Kinder verantwortlich. Deshalb müssen die Eltern einen großen Teil der Pflege ihrer Kinder selbst übernehmen. Im St. Anna ist einE KrankenpflegerIn für die Pflege von zwei bis drei Kindern zuständig.
Gibt es bei euch eine psychologische Betreuung für krebskranke Kinder?
Nein, diese Aufgabe müssen wir ÄrztInnen übernehmen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, die uns dann wiederum bei der rein medizinischen Behandlung fehlt. In Österreich werden die Familien psychologisch betreut. Eltern lernen, wie sie ihre Kinder zum Essen motivieren oder sie aufbauen, wenn sie traurig sind, weil sie ihre Haare verlieren. Gerade die psychische Unterstützung der Kinder ist bei deren Genesungsprozess so wichtig. Zum Glück gibt es die GLOBAL 2000-Erholungsaufenthalte für Kinder in der Remissionsphase, jener Zeit nach der akuten Krankheitphase, in der der Körper aufgefordert ist, selbst die Initiative für den Heilungsprozess zu ergreifen. Durch die unbeschwerte Zeit in Österreich werden die Selbstheilungskräfte der Kinder positiv unterstützt. Sie blühen auf und schöpfen neue Hoffnung. Da passieren kleine Wunder.
Wie werden die Kinder für die Erholungsaufenthalte ausgewählt?
Eine Kommission bespricht die einzelnen Fälle und wählt die passenden Kinder aus. Die betreffenden Kinder müssen die Chemotherapie bereits hinter sich haben, brauchen ein gutes Blutbild und ihr Herz muss stark genug sein. Oft hören akut krebskranke Kinder von anderen, die bereits in Österreich auf Erholung waren, vom guten, reichhaltigen Essen, der liebevollen Betreuung und der schönen Natur. Und dieses Wissen hilft ihnen dabei, ihre Chemotherapie besser durchzustehen.
Liebe Ludmilla, wir danken dir für deinen unermüdlichen Einsatz und unseren Spenderinnen und Spendern, die deinen kleinen PatientInnen die Erholungsaufenthalte ermöglichen.


















