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Was erwartet uns in Kopenhagen?

In der internationalen Klimapolitik stehen wichtige Entscheidungen an. An der Weltklimakonferenz in Kopenhagen COP 15 vom 7. bis 18. Dezember müssen die Regierungen zeigen, ob sie tatsächlich aktiv werden wollen – eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten.

Wolfgang Pfensig/PIXELIO

In Kopenhagen geht es um das Nachfolgeabkommen des berühmten Kyoto-Protokolls, das 2012 auslaufen wird. Damit es 2013 zu einem lückenlosen Übergang kommt, müssen jetzt die Entscheidungen getroffen werden – und zwar die richtigen. Eines ist klar: Der Temperaturanstieg gegenüber vorindustrieller Zeit darf maximal zwei Grad betragen. Nur so können wir die klimabedingten Schäden einigermaßen im Griff behalten. Anderenfalls steigt auch die Gefahr, dass natürliche, unumkehrbare Rückkoppelungseffekte, so genannte Kipp-Punkte, ausgelöst werden, welche die Erwärmung weiter antreiben. Ein solcher Effekt ist die massive Freisetzung von Methan bei auftauenden Permafrostböden.

Die ganze Welt muss daran arbeiten, den Temperaturanstieg einzudämmen.

Der größte Teil der Verantwortung liegt jedoch bei den Industrieländern, sind diese doch mit 75 Prozent der historischen Emissionen die Hauptverursacher des Problems. Bedeutend stärker von dessen Folgen betroffen sind jedoch die Menschen in Entwicklungsländern. Es ist somit auch ein Gebot der Gerechtigkeit, dass die Industriestaaten bei den Verhandlungen voranschreiten, ihre Emissionen deutlich senken und die Entwicklungsländer bei ihren Klimamaßnahmen unterstützen.

Tim Caspary/PIXELIO

Über die Emissionsreduktionen hinaus beinhalten die Verhandlungen in Kopenhagen drei weitere große Themenblöcke:

1.Anpassung:

Der Klimawandel findet statt und wird auch bei einer erfolgreichen Vermeidung von CO2 noch verschärft auftreten – besonders in den finanzschwachen Entwicklungsländern. Es besteht also ein Bedarf an Anpassungsmaßnahmen wie Hochwasserschutz oder die Evakuierung ganzer Inseln. Hierfür sind internationale Transferleistungen notwendig.

2.Finanzierung und Technologietransfer:

Im Gegensatz zum Kyotoprotokoll werdenjetzt auch die Entwicklungs- und Schwellenländer stärker in die Emissionsminderung eingebunden. Ohne sie geht es nicht. Die Entwicklungsländer müssen also massiv mit Geld und Technologie bei ihrer Aufgabenerfüllung unterstützt werden. So bezahlen wir unsere Klimaschulden zurück. Mögliche Finanzquellen sind die Auktionierung von Emissionsrechten und die Besteuerung des Flug- und Schiffsverkehrs.

3.Schutz des Regenwaldes:

Wälder haben die Fähigkeit Unmengen an CO2 zu speichern. Leider hat die fortschreitende Abholzung einem massiven Anteil an den globalen Emissionen. Bei den Verhandlungen besteht die Gefahr, dass Plantagen mit Monokulturen ursprünglichen Wäldern gleichgesetzt werden. Letztere speichern jedoch 80 Prozent mehr CO2 und beherbergen eine enorme Vielfalt an Flora und Fauna.

Der Stand der Verhandlungen stimmt alles andere als optimistisch. Seit vor zwei Jahren der Fahrplan und die grobe inhaltliche Richtung vorgegeben wurde, ist der Verhandlungstext auf mehrere hundert Seiten angewachsen. Neben zielführenden gibt es aber auch so beängstigende Vorschläge, wie die Finanzierung von Atomkraftprojekte in Entwicklungsländern durch Industriestaaten und die Anerkennung derselben als Klimaschutzmaßnahmen. Kanada, Australien, viele OPEC-Staaten und die USA präsentieren sich als deutliche Klimaschutz-Bremser und auch die EU hat ihre Vorreiterrolle verloren. Ermutigend sind jedoch Japan mit dem Zugeständnis, seine Ziele deutlich zu erhöhen und Norwegen mit einem 40 Prozent-Ziel. Viele Industriestaaten versuchen außerdem ihre an sich schon ungenügenden Versprechen weiter zu verwässern, indem sie sich für den Freikauf mit fragwürdigen Emissionszertifikaten aussprechen. Wir müssen aber jetzt den Weg in eine CO2-freie Zukunft beginnen.

GLOBAL 2000 und Friends of the Earth sind in Kopenhagen vor Ort aktiv. Die Stimme der Umweltgruppen ist immens wichtig. Ohne sie hätten Lobbyisten von Industrie, E-Wirtschaft und Atomlobby freie Bahn. Wir informieren die Medien, analysieren die vorgelegten Vorschläge, lobbyieren für die gute Sache und machen Druck durch Aktionen außerhalb des Verhandlungszentrums.

letztes Update: 19.11.2009 10:56
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