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Mehr als nur Ferien
130 Tschernobyl-Kinder verbrachten heuer wieder unbeschwerte Sommertage in Österreich. Für die meisten ukrainischen Kinder sind diese Tage aber mehr als einfach nur Ferien.
Orest ist eines der wenigen Kinder, die ein zweites Mal nach Österreich zu einem GLOBAL 2000-Ferienaufenthalt kommen durften. Die Lebensgeschichte des 15-Jährigen ist tragisch. Sein Vater starb noch vor seiner Geburt, bei seiner Mutter wurde wenig später offene Tuberkulose diagnostiziert. Der Bub kam in Pflege zu einer Tante. Orests Mutter fiel später einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Kurz darauf starb auch sein Großvater. Bei Orest selbst besteht der Verdacht einer Lungenkrankheit. Dieses harte Schicksal ging an dem Jungen nicht spurlos vorüber. Er litt an schweren Schlafstörungen, seine Schulleistungen waren schlecht. Letztes Jahr durfte er zum ersten Mal im Rahmen des Hilfsprojekts von GLOBAL 2000 nach Österreich kommen. Die ukrainischen Behörden warnten uns allerdings: Orest sei schwierig, nicht anpassungsfähig und aggressiv. Doch als Projektleiter Dr. Christoph Otto von Orest erfuhr, wusste er: Diesem Buben müssen wir eine Chance geben. Orest kam mit zehn weiteren Kindern in die kleine niederösterreichische Gemeinde Weinburg. Anfangs hatte er noch massive Schlafstörungen. Doch die schöne Gegend und die freundlichen Menschen ließen Orest sichtlich aufleben. Er kümmerte sich rührend um die jüngeren Kinder und wurde zu einer echten Hilfe für die GastgeberInnen. Diese deponierten den Wunsch bei GLOBAL 2000, Orest solle dieses Jahr wieder kommen. Wir recherchierten, um zu erfahren, was aus ihm geworden sei. Was wir erfuhren, freute uns über alle Maßen. Orest hat sich gut entwickelt, er ist psychisch sehr viel stabiler geworden, seine schulischen Leistungen haben sich enorm verbessert. Orest durfte heuer wieder kommen. Und zwar nicht „nur“ als erholungsbedürftiges Kind, sondern auch als Betreuer und dank seiner guten Englisch-Kenntnisse auch als Übersetzer.
Ich traf Orest im Juli in Weinburg. Was ich sah, war ein liebenswerter, offener junger Bursche. „Nach der Schule möchte ich studieren“, erzählte er mir. Ich war beeindruckt. Wie ist es möglich, dass ein paar Sommerwochen in Österreich aus einem Buben, den schon alle aufgegeben haben, einen ausgeglichenen, hoffnungsvollen Jugendlichen machen? Ich kann jetzt nachvollziehen, was mein Kollege Dr. Otto immer wieder betont: „Für die Tschernobyl-Kinder sind die Wochen in Österreich mehr als nur Ferien. Die Kinder erfahren, dass es im Leben noch anderes gibt als ihren tristen Alltag und setzen sich neue Ziele“. Ich sehe den Erfolg des Projekts bestätigt. Eigentlich braucht es nicht viel, um einem jungen Menschen Hoffnung und eine neue Chance zu geben ...

















