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"Essen, tanken oder Sackerl?"
Im Zuge des italienischen Plastiksackerl-Verbots schwappte die Diskussion über das Relikt der Wegwerfgesellschaft auch auf Österreich über. Laut einer aktuellen „profil“-Umfrage sind 73 Prozent der ÖsterreicherInnen für ein Plastiksackerl-Verbot. Und wie steht Umweltminister Berlakovich zur GLOBAL 2000-Forderung eines österreichweiten Plastiksackerl-Verbots?
Die Plastiksackerl-BefürworterInnen verteidigen sich damit, dass der Anteil des Sackerl am Gesamtmüll nur 0,01 Prozent ausmache, also nicht der Rede wert sei. In Österreich werden aber jährlich bis zu 350 Millionen Plastiksackerl an KundInnen verteilt - ein beachtlicher Müllberg, den wir uns sparen können und müssen. Das Plastiksackerl-Verbot wird sicher nicht alle Müllprobleme beseitigen, aber es wäre ein wichtiger Beitrag zu einem bewussten Umgang mit unseren Ressourcen und ein klares Bekenntnis zum Ende der Wegwerfgesellschaft.
Berlakovich: „Es ist zu früh für ein Sackerl-Verbot“
GLOBAL 2000 setzt sich vehement für ein solches Verbot ein. Vor zwei Jahren kam unserem Umweltminister Berlakovich der Vorschlag für ein Sackerl-Verbot noch zu früh. Er wollte noch prüfen, ob es nicht Alternativen gäbe, wie etwa das Umstellen auf Sackerl aus Pflanzenstärke. Im November 2010 war der Minister immer noch am Beobachten und Prüfen und konnte einem Verbot auch zu diesem Zeitpunkt noch nichts abgewinnen. Im vergangenen Jänner behauptete Berlakovich schließlich, dass jedes Plastiksackerl weniger ein weiterer Schritt zu noch mehr Umweltschutz sei. Sein neues Fünf-Punkte-Programm setze auf Kooperation mit dem Handel, Bewusstseinsbildung, abbaubare Verpackungsmaterialien und auf das Anregen der Prüfung einer Kennzeichnungspflicht für Kunsstofftragetaschen durch die EU-Kommission.
Kennzeichnungspflicht für Sackerl?
Sie haben richtig gelesen: Der Minister will eine Kennzeichnungspflicht für Kunststofftragetaschen durch die EU-Kommission anregen. Und wenn die EU diesem Ansinnen Rechnung trägt, würde dann künftig auf unseren Sackerln draufstehen, dass sie aus Plastik sind. Wahrhaft ein Schildbürgerstreich. Und überhaupt, was ist das für ein Minister Tatenlos, der bei der EU-Kommission anregt etwas zu prüfen. Hat unser Minister keinen eigenen Standpunkt? Auch im Fall der Alternativ-Sackerl aus Pflanzenstärke bewegt sich Berlakovich auf einem umweltpolitischen Minenfeld. „Umweltsackerl“ sind in der Herstellung genauso energie-intensiv wie normale Plastiksackerl und daher zum Einmalgebrauch zu schade. Und außerdem müssen jene Pflanzen, aus denen sie produziert werden sollen, ja erst einmal angebaut werden. Der Druck auf unsere landwirtschaftlichen Flächen wächst weiter. Unser Umweltminister plädiert also trotz steigendem Nahrungsmittelbedarf nicht nur für landwirtschaftliche Produkte für den Autotank, sondern jetzt auch noch für das Sackerl. Wir stehen dann also vor der Wahl: „Essen, tanken oder Sackerl?“
Ein Umweltminister sollte wissen, dass die umweltfreundlichste Form des Umgangs mit Müll jene ist, ihn zu vermeiden. Einmal-Artikel haben immer eine schlechtere Umweltbilanz als Mehrwegprodukte. Deshalb müssen wir umdenken. Wir müssen aufs Stoffsackerl umsteigen oder zum guten alten Einkaufskorb zurückkehren. Diese Erkenntnis hatten wir schließlich auch schon in den 1980er Jahren. Da hieß es „Jute statt Plastik“.
Und sollte jetzt jemand einwenden, der Minister könne gar kein Verbot verhängen, das sei EU-rechtlich nicht so einfach, dann soll der Minister eben eine Umweltabgabe auf Einwegsackerl einheben. Darüber würde sich wahrscheinlich unser Finanzminister freuen, der ja auch mal Umweltminister war. GLOBAL 2000 wird auf jeden Fall weiter gegen diese Ressourcenverschwendung vorgehen. Unser Plastiksackerl-Monster wartet schon auf den nächsten Auftritt.
Mehr Infos unter plastiksackerl.global2000.at

















