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Schiefergas- eine Vision für unsere Energiezukunft?
Es ist nur ein Traum. Denn die Klimakrise steht pochend, lärmend vor der Tür und die Menschheit bleibt weiter am fossilen Tropf, quetscht aus der Erde, was zu holen ist. Und verbrennt weiter — vielleicht sogar schon mit etwas schlechtem Gewissen — Kohle, Öl und auch Gas, welches immer umweltschädlicher gefördert wird.
Die Phantasie des Menschen, wie man aus den unvorstellbarsten und unzugänglichsten Orten dieser Erde Erdöl und Erdgas holen kann, kennt keine Grenzen: In Kanada werden Teersande abgebaut und dabei großflächig Naturräume zerstört. Bei Tiefseebohrungen werden immer neue Rekorde aufgestellt und Tiefen erreicht, wo Unfälle kaum mehr technisch beherrschbar sind. Seit kurzem ist die Schiefergasförderung in die Schlagzeilen gekommen.
Ein neuer fossiler Boom?
Mit Schiefergas scheint ein neuer fossiler Boom um die Erde zu gehen. Schiefergas gehört zu den „unkonventionellen fossilen Energieformen“. Es lagert in tausenden Metern Tiefe in schwer zugänglichem, porösem Gestein. Um an das Gas zu gelangen, werden Millionen Liter Wasser versetzt mit Chemikalien in die Erde gepumpt und unter hohem Druck das Gestein aufgebrochen, wobei dann das Gas entweicht. In den USA wird Schiefergas seit einigen Jahren intensiv gefördert. Den Weg zur Schiefergasförderung ebnete der damalige Präsident George Bush, indem er die wasserrechtlichen Schranken für den Bergbau aufhob und damit gravierende Umweltfolgen wie die Verseuchung von Grundwasser und das Entweichen von Methangas in die Atmosphäre in Kauf nahm.
Auf der einen Seite fördern, auf der anderen vergeuden.
Während Mineralölkonzerne weltweit die Förderung von Schiefergas vorantreiben, verbrennen sie gleichzeitig – im Rahmen des so genannten Gas-Flarings ‒ bei der Erdölförderung jährlich 150 Milliarden Kubikmeter, mehr als die gesamte Schiefergasförderung der USA und 15-mal mehr als Österreich pro Jahr verbraucht. Dass Schiefergas nun auch in Österreich Schlagzeilen macht, verdanken wir einem Schiefergasfund der OMV im Weinviertel. In der beschaulichen Gegend, die vorwiegend vom Weinbau lebt, soll in Zukunft auch Gas aus dem Boden sprudeln. Alles umweltfreundlich und ohne Einsatz von Chemikalien, natürlich. Freilich, einer freiwilligen Umweltverträglichkeitsprüfung will man sich seitens der OMV nicht stellen. Sie verlässt sich lieber auf Gesetzeslücken, durch die es möglich wird, dass nicht einmal umweltrechtliche Mindestanforderungen eingehalten werden müssen. Ein Stempel der Bergbaubehörde genügt und das Projekt ist bewilligt. Das beantwortet aber noch nicht eine wesentliche Frage: Brauchen wir das Gas überhaupt? Laut der Energiestrategie, die Umwelt- und Wirtschaftsministerium für Österreich erstellt haben, soll in den nächsten zehn Jahren der Gasverbrauch in Österreich sinken, nicht steigen. Schiefergas würde nach den Plänen der OMV aber, wenn überhaupt, erst in zehn Jahren sprudeln. Zu einem Zeitpunkt, wo planmäßig also bereits zwei Drittel der Fernwärme in Österreich erneuerbar bereitgestellt werden soll und mehr als 80 Prozent der Stromversorgung auf Ökostrom umgestellt sein soll. Selbst ob russisches Gas ersetzt werden kann, ist fraglich: Denn die Lieferverträge sind auf Jahrzehnte abgeschlossen.
Schiefergas? Nein, danke.
Es wird Zeit, dass auch Konzerne wie die OMV in das Zeitalter der erneuerbaren Energie aufbrechen. Arbeit für die Tiefenbohrer der OMV gäbe es dabei genug: Praktisch unerschöpfliche Vorkommen an Geothermie warten darauf, gehoben zu werden. Geht es nach den derzeitigen Plänen der OMV kommt man aber in den nächsten zehn Jahren im neuen Zeitalter immer noch nicht an. GLOBAL 2000 setzt sich in der Zwischenzeit dafür ein, dass das Schiefergas am einzigen Ort bleibt, wo es keinen Schaden anrichten kann: tief unter der Erde.


















