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Schnuller müssen sicher sein

GLOBAL 2000 hat herausgefunden, dass zahlreiche Babyschnuller die hormonell wirksame Chemikalie Bisphenol A enthalten. Das ist ein Skandal. Wir müssen alles daran setzen, unsere Kleinsten vor solch vermeidbaren Gefahren zu schützen.

Ingo Döring/PIXELIO

Hätte uns jemand noch vor zwei Monaten gefragt, ob Babyschnuller hormonell wirksame Chemikalien enthalten, hätten wir das für ausgeschlossen gehalten. Jetzt wissen wir es leider besser. Alle zehn von uns untersuchten Babyschnuller enthielten Bisphenol A (BPA) im Saugteil, eine Chemikalie, die wie das weibliche Hormon Östrogen wirkt.

Dieses überraschende und schockierende Ergebnis ist mittlerweile auch durch behördliche Untersuchungen bestätigt worden. Doch das Gesundheitsministerium beschwichtigte: Nicht die BPA-Gehalte in den Schnullern seien entscheidend, sondern ob das BPA auch tatsächlich bei sachgemäßem Gebrauch aus den Schnullern freigesetzt werde.

Also gab GLOBAL 2000 eine neue Testreihe in Auftrag, bei der die untersuchten Schnuller in einer speichelähnlichen Lösung eine Stunde lang geschüttelt wurden. Fünf von sechs der untersuchten Sauger gaben Bisphenol A ab. Nur der als „BPA-free“ beworbene MAM-Schnuller war „sauber“. Ein zuvoriges Auskochen der Schnuller – wie von den Herstellerfirmen empfohlen – erhöhte den BPA-Wert übrigens um ein Vielfaches.

Unsere Versuche zeigen, dass schon der bloße Kontakt der Schnuller mit dem Speichel zur Freisetzung relevanter Mengen von BPA führen kann. Wie sich das Nuckeln und Kauen am Schnuller oder die Materialermüdung durch Alterung zusätzlich auf den BPA-Wert auswirken, haben wir in unserer Untersuchung noch gar nicht berücksichtigt.

Gefahr für Babys?

Babys, die an BPA-Schnullern saugen, nehmen diese Chemikalie also über die Mundschleimhaut auf. Doch gerade Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf hormonell wirksame Umweltgifte, wie auch Professor Lischka, Vorstand der Wiener Kinderklinik Glanzing, bestätigt: Das liege zum einen daran, dass in diesem Alter besonders störungsanfällige Entwicklungsprozesse ablaufen und zum anderen die Fähigkeit, Schadstoffe abzubauen, noch nicht ausgereift sei. Unterstrichen wird dies auch durch eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus den USA, die einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der BPA-Belastung von Müttern während der Schwangerschaft und erhöhter Aggressivität bei ihren Töchtern fand.

Europäischer Wert ist viel zu hoch

Zahlreiche internationale WissenschaftlerInnen kritisieren den von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vorgeschlagenen BPA-Richtwert, also jene tägliche Aufnahmemenge von BPA, die nach Ansicht der EFSA gesundheitlich unbedenklich sei. Hunderte wissenschaftliche Publikationen beschreiben negative Auswirkungen von BPA bereits in weit niedrigerer Konzentration. Die EFSA zog für ihre Risikobewertung lediglich zwei von der Plastikindustrie finanzierte Studien heran. Wir von GLOBAL 2000 meinen, dass eine Belastung von Säuglingen durch hormonell wirksame Chemikalien unbedingt vermieden werden muss. Dafür hat der Gesetzgeber Sorge zu tragen. Deshalb fordern wir nun von Gesundheitsminister Stöger, umgehend ein Verbot von Bisphenol A in Schnullern und Babyartikeln durchzusetzen.

Was kann ich tun?

GLOBAL 2000 empfiehlt, bei Babyartikeln aus Kunststoff darauf zu achten, dass sie nicht aus Polycarbonat bestehen. Das ist dann gesichert, wenn diese als „BPA-Free“ gekennzeichnet sind. Um sicher zu stellen, dass Kinder und Säuglinge künftig keinem Risiko mehr durch BPA ausgesetzt werden, egal welchen Schnuller sie benutzen, arbeiten wir daran, eine gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene zu erwirken, die BPA in Säuglings- und Kinderartikeln generell verbietet. Beteiligen Sie sich bitte an unserer E-Mail-Protest-Aktion auf schnullerprotest.global2000.at .

A. Liebhart/PIXELIO

GLOBAL 2000-Erfolg nach Schnuller-Skandal: Hersteller verzichten auf „Hormon-Plastik“

Die Firmen NUK, Babylove und Baby-Nova haben angekündigt, dass sie ihre Produktion auf BPA-freie Kunststoffe umstellen. Auch der Handel listet die beanstandeten Schnuller aufgrund unserer Forderungen aus. Ein Erfolg für GLOBAL 2000 und viele besorgte Eltern. 

 

letztes Update: 19.11.2009 11:48
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