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Sensible Knollen
Im Vergleich zu anderen Gemüsearten sollten die im Boden wachsenden Erdäpfel nur wenig mit Pestiziden belastet sein. Trotzdem werden immer wieder Pestizidrückstände auf Erdäpfelproben gefunden. GLOBAL 2000 erklärt, warum das so ist.
Die Ursache für die hohe Pestizidbelastung konventioneller Lagererdäpfel ist ihre Behandlung mit keimhemmenden Mitteln nach der Ernte. Ein Großteil der konventionellen Lagererdäpfel wird mit einem speziellen chemischen Keimhemmungsmittel (Chlorpropham) behandelt, damit sie nicht so schnell austreiben. Seit 2010 ist außerdem das giftige Keimhemmungsmittel Maleinsäurehydrazid (MH) im Kartoffelanbau zulässig.
Da hilft kein Waschen und kein Schälen
Das Pestizid Maleinsäurehydrazid (MH), das noch auf dem Feld aufgebracht wird, wird von der Kartoffelpflanze aufgenommen und in die Knollen transportiert. Da hilft auch kein Waschen oder Schälen - MH-Rückstände landen auf unserem Teller und anschließend in unserem Magen. MH reizt Augen, Atmung und Haut, ist ein Nervengift, wird als potentieller Giftstoff für die Leber eingestuft und kann das Grundwasser verunreinigen.
Das Pestizid Chlorpropham wird im Kartoffelanbau nach der Ernte als Keimhemmungsmittel eingesetzt. Der Hauptanteil des Wirkstoffs bleibt zwar in der Schale, dennoch werden Rückstände auch in gekochten Erdäpeln, im Kochwasser und in industriell verarbeiteten Produkten wie Chips oder Pommes gefunden.
Lagerkartoffeln werden in Österreich meist ab Ende des Jahres mit dem Keimhemmer Chlorpropham behandelt. Wer damit hantiert, sollte vorsichtig sein: Auch Chlorpropham reizt Augen, Atemwege und Haut. Und einmal in der Umwelt gelandet, baut es sich nur sehr langsam ab. Zudem steht es unter Verdacht, krebserregend zu sein und gilt als sehr giftig für Wasserorganismen.
Niemand will ausgetriebene Erdäpfel
Die natürliche Keimruhe der Erdäpfel endet normalerweise Ende Februar/ Anfang März. Wenn es wärmer als acht Grad wird, kommen die Erdäpfel in Keimstimmung. Niemand will jedoch ausgetriebene Erdäpfel kaufen - also greift man auf chemisch-synthetische Keimhemmer zurück. In Deutschland müssen Erdäpfel, die mit chemischen Keimhemmungsmitteln behandelt wurden, mit dem Hinweis „nach der Ernte behandelt“ versehen werden - in Österreich kaufen KundInnen die Katze im Sack.
Da es auch konventionelle Erdäpfel gibt, die nicht mit chemisch-synthetischen Keimhemmungmitteln behandelt werden, wie etwa Frühkartoffeln oder Heurige, sowie Erdäpfel, die nur zwei bis drei Monate gelagert werden, wäre eine Deklaration bei konventionellen Erdäpfeln wie in Deutschland auch in Österreich wichtig. Auch bei den durch das GLOBAL 2000-Nachhaltigkeitsprogramm für Pro Planet ausgezeichneten Erdäpfeln wird auf die Verwendung von Keimhemmern verzichtet und stattdessen auf optimierte Lagerung gesetzt.
Wer seine Erdäpfel jedoch garantiert pestizidfrei bevorzugt, sollte auf solche aus biologischem Anbau zurückgreifen. Im Biolandbau sind Chlorpropham, MH und alle anderen chemisch-synthetischen Pestizide verboten.
Fachgerechte Lagerung verzögert das „Austreiben“
Um zu verhindern, dass Erdäpfel frühzeitig austreiben, sollte man sie kühl (zwischen sechs und acht Grad), trocken und luftig lagern. Wer einen Keller oder ein Kellerfach im Kühlschrank besitzt, kann auch größere Mengen an Erdäpfeln lagern. Alle anderen sollten auf kleinere Gebinde (ein bis zwei Kilogramm) zurückgreifen.
Und was tut GLOBAL 2000?
GLOBAL 2000 arbeitet im PestizidReduktionsProgramm PRP seit Jahren intensiv mit ErdäpfellieferantInnen und -ProduzentInnen an der Pestizidproblematik und fördert das Ausprobieren von Alternativen. Nach längeren Versuchsphasen wird mittlerweile zur längeren Lagerung (bis in den Juni) vermehrt auf Kühlung und das natürliche „Pflanzenhormon“ Ethylen gesetzt. Ethylen ist auch im Biolandbau zugelassen und ermöglicht eine rückstandsfreie Lagerung. Auch im Biolandbau werden die länger gelagerten Erdäpfel gekühlt. Zwar ist bei einem klimagesteuerten Lager ein zusätzlicher Energieaufwand notwendig, allerdings könnte die Abwärme der Erdäpfellager über eine Wärmeaustauschpumpe z.B. zum Heizen von Wohnhäusern genutzt werden. Das ist unser nächstes Pilotprojekt.
















