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Neue Schutzgebiete für die Seringueiros

Vor zehn Jahren begann GLOBAL 2000 seine Zusammenarbeit mit dem Nationalen KautschukzapferInnenrat (Conselho Nacional dos Seringueiros CNS) in Amazonas, dem größten Bundesstaat Brasiliens. Der CNS ist mittlerweile eine der wichtigsten Organisationen, die um den Erhalt des Regenwaldes kämpft.

Dieter Schütz/PIXELIO

Eines der größten Probleme der KautschukzapferInnen, die von gesammelten Produkten aus dem Regenwald leben, war die Absiedelung, von der ganze Landstriche bedroht waren. Menschenleere Regenwaldgebiete mit ungeklärten Besitzverhältnissen sind jedoch eine Einladung an Holzfäller, Rinderzüchter und SiedlerInnen, das Land in Besitz zu nehmen und auszubeuten. Und genau davor hatten die Seringueiros Angst. Viele Gemeinden existierten "offiziell" gar nicht. Ihre BewohnerInnen besaßen weder Geburtsurkunden noch andere Papiere und waren von Wahlen und staatlichen Stützungsprogrammen ausgeschlossen. Jene Gebiete, in denen Menschen seit Generationen nachhaltig vom Abzapfen der verstreuten Gummibäume und vom Sammeln von Regenwaldfrüchten leben, wurden vermehrt zur Zielscheibe von Großunternehmen. Konflikte um Landbesitz und Nutzungsrechte arteten nach Wildwest-Manier in Drohungen, Verwüstungen und Mord aus. Die Abwanderungsrate nahm erschreckend zu.

Der in den 1980er-Jahren gegründete CNS setzte sich das Ziel, die Existenz der traditionellen RegenwaldbewohnerInnen durch die Stärkung der dortigen Wirtschaft zu sichern und so den aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die Großunternehmen aufzunehmen. Dieses Ziel verfolgten die engagierten UmweltschützerInnen einerseits durch die Bildung eines Netzwerks von regionalen Organisationen und die Betreuung der Kautschukgemeinden vor Ort und andererseits durch Verhandlungen mit der Staats- und Bundesregierung, um für die KautschukzapferInnen Sammelreservate und Schutzgebiete zu gründen.

Seit zehn Jahren leitet GLOBAL 2000 mehrere Projekte des CNS. GLOBAL 2000-Vertreter Thommy Schweiger überwacht vor Ort die Fortschritte. Nach zwei von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützten Projektphasen können wir nun stolz berichten, dass große Erfolge erzielt worden sind, die einen erheblichen Beitrag zum Schutz der Regenwälder im Amazonas beitragen. Zunächst konnten in drei wichtigen Regionen des Staates Amazonas Regionalbüros eingerichtet werden. Das mag banal klingen, wirkte sich aber unmittelbar positiv aus, weil die KautschukzapferInnen dadurch besser vernetzt sind. Die neuen Büros sind schon teilweise via Satellit telefonisch und per Internet mit der Zentrale des CNS in der Hauptstadt Brasilia verbunden. Die LeiterInnen der Regionalbüros – fähige Seringueiros aus den jeweiligen Regionen – organisieren die Gemeinden vor Ort, bieten Workshops zur Verbesserung der Qualität der Produkte an. Sie arbeiten vor Ort an der Beantragung neuer Schutzgebiete mit – eine sehr anspruchsvolle Arbeit, die eine ökologische und sozioökonomische Studie und Vermessungsarbeiten beinhaltet. Sind die Schutzgebiete einmal ausgewiesen, müssen die BewohnerInnen auch dazu ausgebildet werden, diese nachhaltig zu bewirtschaften. Der direkte Kontakt zu den KautschukzapferInnen machte sich unmittelbar bezahlt. Gab es im Jahr 2000 Schutzgebiete in der Größe von etwa 3,5 Millionen Hektar im Staat Amazonas, konnten im Lauf der ersten Projektphase weitere zwölf Schutzgebiete mit zusätzlich elf Millionen Hektar gegründet werden

Peter Bargmann/PIXELIO

Mit Ende der zweiten Projektphase fällt unsere Erfolgsbilanz so aus:

Es wurden zusätzlich Schutzgebiete von mehr als sieben Millionen Hektar geschaffen. Alle vom CNS gegründeten und betreuten Schutzgebiete umfassen mittlerweile 21,5 Millionen Hektar, das entspricht zweieinhalb mal der Fläche von Österreich. Speziell im Süden, wo die Konflikte durch die Befestigung von Straßen angeheizt wurden, konnten mit zwei riesigen Sammelreservaten die "Lücken" zwischen bereits bestehenden Reservaten geschlossen werden, was das Eindringen von Großunternehmen erheblich erschwert. Zwei zusätzliche Regionalbüros wurden gegründet und ausgestattet, die Reichweite des CNS somit erhöht. Dutzende Gemeinden wurden registriert und tausende KautschukzapferInnen mit Dokumenten ausgestattet. Mit dem Staat wurden mehrere spezielle wirtschaftliche Unterstützungsprogramme vereinbart sowie die KautschukzapferInnen an bereits bestehende angebunden. Durch das Lobbying für die Interessen der KautschukzapferInnen wurde die Zusammenarbeit mit der Bundesumweltbehörde verstärkt, was ein schnelles Reagieren bei Übergriffen ermöglicht. Die Abwanderungstendenz wurde gestoppt, das Überleben von tausenden KautschukzapferInnen gesichert und somit der Regenwald geschützt. Der CNS wird mittlerweile von vielen Gemeinden kontaktiert, welche sich ebenfalls die Betreuung wünschen. Deshalb wird GLOBAL 2000 sich weiter um eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den KautschukzapferInnen bemühen.

letztes Update: 20.11.2009 09:58
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