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"Ich träum' schon jede Nacht vom Sommer ..."
Svetlana leidet an akuter lymphatischer Leukämie (ALL), eine Krankheit, die vor 30 Jahren noch das sichere Todesurteil bedeutete. Heute sind die Prognosen wesentlich besser — lebensbedrohlich ist sie allemal. Und man kennt die möglichen Ursachen: Dazu zählt ionisierende Strahlung, jene Art von Strahlung, die unter anderem nach Atomunfällen entsteht.
TEXT VON ASTRID BREIT, GLOBAL NEWS-REDAKTION
Atomunfälle wie jener, der vor 26 Jahren im Kernkraftwerk Tschernobyl passiert ist, verursachen Krebs. Im Osten der Ukraine — Svetlanas Heimat — eines der größten Industriegebiete der früheren UdSSR, traf die radioaktive Strahlung auf ein Gebiet, das durch Schwerindustrie bereits massiv verseucht war. Daher gibt es in Svetlanas Heimat besonders viele kranke Kinder.
Die schreckliche Diagnose
Im Jahr 2010 erhielt die damals Zwölfjährige die niederschmetternde Diagnose. Seither hat das zarte Mädchen viel durchgemacht. Die Krankheit führt zu einer Verminderung der Knochenmarkfunktion, einem Mangel an roten Blutzellen und Blutplättchen, einer zunehmenden allgemeinen Schwäche und Blutungsneigung und einem Immundefekt mit oft schwer und bisweilen lebensbedrohlich verlaufenden Infektionen. In der Pubertät kommen Rückfälle häufig vor. Durch die Chemo- und Strahlentherapie hat Svetlana ihre rehbraunen Haare verloren. Zur Zeit liegt sie wieder im Spital, weil sie an einer schweren Lungenentzündung laboriert. Und trotzdem lässt sich Svety, wie sie von Familie und FreundInnen liebevoll genannt wird, nicht unterkriegen. Sie träumt schon vom Sommer, denn sie darf wieder nach Österreich auf Erholung fahren. Dazu muss sie aber erst einmal wieder auf die Beine kommen.
Eine Leukämiestation ohne Medikamente
Abgesehen von der Akuttherapie für die Lungenentzündung braucht das Mädchen für die nächsten sechs Monate Erhaltungstherapie. Die Akuttherapie der krebskranken Kinder wird zu einem Drittel vom Staat übernommen, zwei Drittel müssen die Eltern selbst bezahlen. Für die Medikamente der Erhaltungstherapie müssen die Familien jedoch zur Gänze selbst aufkommen. Die Eltern der krebskranken Kinder verkaufen teilweise ihr Hab und Gut, um ihren Kindern die notwendigen Therapien zu ermöglichen. Die Durchschnittsverdienste in der Ostukraine sind sehr gering. Auch Svetlanas Familie hat es nicht leicht. Das Mädchen lebt mit ihrer Mutter, der Großmutter, dem Onkel und dem einjährigen Bruder in einer Zweizimmerwohnung. Die Einkünfte der Familie sind mehr als bescheiden. Der Fünfpersonenhaushalt lebt von Svetys Invalidenrente und der Pension der Großmutter.
Ein absurdes Gesetz
Obwohl Svetlanas Eltern sich schon vor langer Zeit getrennt haben, sorgen sich beide um das Wohl der geliebten Tochter. Deshalb haben die beiden aus Angst um das Mädchen beschlossen, trotz der Trennung noch ein Kind zu bekommen. Denn ein ukrainisches Gesetz besagt, dass Knochenmarktransplantationen nur unter leiblichen Geschwistern zulässig sind. Und da eine solche notwendig werden könnte, haben die beiden vorgesorgt ...
Juristin will sie werden
Vorigen Sommer war Svety zum ersten Mal auf Erholung in Österreich. Ich lernte sie kennen, als ich die Kinder in Ybbs besuchte. So zerbrechlich sie auch wirkte, so sehr überraschte mich ihre Vitalität. Begeistert machte sie alle Programmpunkte mit. Sie half den kleineren Kindern aus der Gruppe und war bei jedem Spaß dabei. Die drei Wochen Erholung in Österreich haben sie Abstand gewinnen lassen: Abstand von Krankheit und Entbehrungen. Und sie hat Mut gefasst. Sie ist jetzt überzeugt, dass sie wieder gesund wird und hat große Pläne: Juristin will sie werden. Und seit sie weiß, dass sie auch heuer wieder nach Österreich kommen darf, kann sie es gar nicht mehr erwarten. „ Ich träum schon jede Nacht vom Sommer,“ gesteht sie ihrer behandelnden Ärztin.
Typische Medikamente in der Erhaltungstherapie sind etwa Mercaptopurin — mit einer Schachtel á 25 Stk. (63 Euro) kommt ein Kind 25 Tage aus — oder Methotrexat — mit einer Schachtel á 30 Stk. (60 Euro) kommt ein Kind einen Monat aus. Dank unseren SpenderInnen konnten wir bereits zahlreichen Kindern ihre Therapien finanzieren.

















