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Heiße Luft statt Pestizide

GLOBAL 2000 arbeitet im Rahmen seines Pestizidreduktionsprogramms bereits seit Jahren daran, den Einsatz der giftigen Substanzen beim Obst- und Gemüseanbau weltweit zu reduzieren und damit die Umwelt und die Gesundheit des Menschen zu entlasten. Sollte heiße Luft nun eine gangbare Lösung sein?

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Im Rahmen meiner Tätigkeit als Mitarbeiterin des GLOBAL 2000-PestizidReduktionsProgramms (PRP) führte mich Anfang Mai eine Kontrollreise ins ferne Südafrika. Wenn bei uns der Frühling ins Land zieht, und wir nach langem Winter nach Sonne, frischem Obst und Gemüse lechzen, ist in Südafrika gerade Erntezeit. Auf den lokalen Märkten fand ich neben allen möglichen exotischen Früchten auch frische Äpfel, Birnen, Trauben, Zitrusfrüchte und eine Vielfalt an Gemüse. So gut wie alles ist hier aus heimischer Produktion erhältlich. Südafrika exportiert in die ganze Welt – auch nach Österreich. Bis diese Produkte jedoch auf unseren Tellern landen, haben sie einen weiten Weg zurückzulegen. Sie müssen also hohen Ansprüchen an Qualität und Haltbarkeit genügen. Wir von GLOBAL 2000 setzen alles daran, gemeinsam mit den ProduzentInnen Wege zu erarbeiten, bei der Herstellung ihrer Produkte den Pestizideinsatz weitgehend zu reduzieren.

Thermal Pest Control – die neue Heißluftmethode

GLOBAL 2000

Im Western Cape präsentierte mir ein Tafeltraubenproduzent voll Stolz die so genannte TPC-Methode (Thermal Pest Control), eine Heißluftbehandlung der Pflanzen mit einer Art Föhn. Die für mich bis dato unbekannte Methode hat bereits ihre erste Testphase hinter sich, und soll nun auf den gesamten Betrieb ausgedehnt werden. Es handelt sich dabei um ein Gerät, welches die Spritzungen mit giftigen Pestiziden zwischen Blüte und Ernte ersetzen soll. “Die Luft wird mit einem Gasbrenner auf 100°C erwärmt. Mittels einem Gebläse gelangt die Luft zu den Pflanzen und trifft dort mit etwa 60°C auf. Die heiße Luft schädigt Insekten und Pilze und erschwert so deren Verbreitung – alles ohne die Pflanze selbst zu schädigen – im Gegenteil, die Pflanzen sind grüner und vitaler als jene mit Pestiziden behandelten“, erklärte mir Jacob Botha die TPC-Methode. Die Anwendungshäufigkeit variiert je nach Kulturart von dreimal wöchentlich bis alle 15 Tage. Entwickelt wurde das Gerät von Florencio Lazo Barra, einem chilenischen Tafeltraubenproduzenten, der mit der heißen Luft eigentlich seine Weinblüten vor dem Frost schützen wollte. Dabei hat er die dezimierende Wirkung der heißen Luft auf Schädlinge und Krankheiten entdeckt und weiter entwickelt.

(C) Rainer Sturm/PIXELIO

Vor- und mögliche Nachteile der TPC-Methode

Trotz meiner anfänglichen Begeisterung drängten sich mir Fragen nach der Wirkung auf Nützlinge und natürlich dem CO2 -Verbrauch auf. Tatsächlich schädigt die Heißluft auch die Nützlinge auf der behandelten Pflanze. Im Gegensatz zu Pestiziden wirkt die heiße Luft jedoch nur in den behandelten Bereichen. Angrenzende Grünstreifen bleiben unberührt. Nützlinge haben hier also eine Rückzugsmöglichkeit. Berechnungen ergeben, dass der CO2-Verbrauch der Heißluftbehandlung ähnlich hoch ist wie bei Pestizidbehandlungen, benötigen doch Entwicklung, Produktion, Transport und Entsorgung von Pestiziden sehr viel CO2. Durch eine Verbesserung der Technologie würde hier aber die Bilanz zugunsten der Heißluftbehandlung ausfallen. Ob die TPC-Methode eine ökologische Alternative zu Pestiziden darstellt, können erst langfristige Studien zeigen. Derzeit beschäftigen sich verschiedene Universitäten mit der Wirksamkeit der Heißluftbehandlungen auf verschiedene Kulturen und Schadorganismen. Eines ist aber sicher: Luft, Boden und Wasser und damit alle Lebewesen in den angrenzenden Lebensräumen bleiben von Pestiziden verschont.

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Wieder zu Hause

Wieder zu Hause, war es mir ein Anliegen, die Wirksamkeit dieser Methode mit meinem Föhn zu überprüfen – so zusagen ein Testversuch im privaten Rahmen. Bisher habe ich meine mit Woll- und Schildläuse befallenen Zimmerpflanzen immer mit heißem Wasser geduscht, was zwar gut wirkt, aber sehr zeitintensiv ist. Gespannt wagte ich mich also an die erste Behandlung und wirklich, die Wollläuse haben die Behandlung nicht überlebt. Leider überlebte auch eine meiner mit Schildläusen behandelten Pflanzen die Heißluftbehandlung nicht, denn in meinem Eifer hatte ich bei dieser die Behandlungsdauer zu sehr ausgedehnt. Vorsicht also an alle experimentierfreudigen ZimmergärtnerInnen: 10 Sekunden pro Pflanzenteil und 60°C sollen nicht überschritten werden.

Nähere Infos zur TPC-Methode auf www.lazotpcglobal.com

letztes Update: 16.06.2009 11:30
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