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Der Wald als Ware
Indonesien ist ein Land der Superlative: Es verfügt über die größten – und wahrscheinlich artenreichsten – Regenwaldflächen weltweit und über einzigartige Torfmoorwälder. Indonesien ist aber auch Weltmeister bei den Entwaldungsraten.
„Tanah Air Kita – Unser Land und Wasser“ nennen die IndonesierInnen ihre Heimat. Von beidem hat das viertgrößte Land der Erde mit seinen über 17.000 Inseln viel zu bieten. Und es ist reich an über und unter der Erde liegenden Schätzen. Die aktuelle indonesische Regierung unter Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat sich zum Ziel gesetzt, das Land wirtschaftlich voran zu bringen: mit Holz und Holzprodukten, Palmöl, Zellstoff und Papier, Kohle, Kupfer, Bauxit, Gold, Zinn und anderen Bodenschätzen – das meiste wird exportiert, vieles auch nach Europa. Was Indonesien tatsächlich davon hat, ist eine Frage, die erst noch geklärt werden muss. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass wirtschaftliche Großprojekte hauptsächlich den ausländischen Firmen Gewinne bringen – die daraus entstandenen Probleme bleiben im Land.
Illegaler Holzeinschlag vom Militär unterstützt
Viele Edelhölzer wurden in den vergangenen Jahren illegal geschlägert und von der Holzmafia außer Landes gebracht. Arten wie Merbau oder Eisenholz sind bereits vom Aussterben bedroht. Obwohl die indonesische Regierung in den letzten Jahren einiges gegen den illegalen Holzeinschlag unternimmt, ist er in vielen Regionen nach wie vor ein großes Problem und hat der indonesischen Volkswirtschaft im letzten Jahr Verluste von 2,6 Milliarden Dollar beschert. Der Weg des illegalen Holzes führt häufig über Malaysia und China. Von dort wird es dann weiterverkauft. In Kalimantan, der indonesischen Bezeichnung für die Insel Borneo, agiert das Militär häufig als Helfer, wenn illegal geschlagenes Holz nach Malaysia verschoben werden soll. Militärs arbeiten Hand in Hand mit den Palmölfirmen und korrupten LokalpolitikerInnen und schüchtern die örtliche Bevölkerung ein, wenn sie sich gegen die Zerstörung ihres Waldes zur Wehr setzt.
Vom illegalen Holzeinschlag zur Plantage
Es gibt aber nicht nur jene Praxis, einzelne wertvolle Hölzer zu schlägern, sondern auch jene der so genannten „Forest Conversion“. Dabei wird gleich der ganze Wald geschlägert und gebrandrodet und in Plantagen mit Ölpalmen und schnell wachsenden Baumarten wie Akazien oder Eukalyptus umgewandelt. Daraus entsteht dann Palmöl, Papier- und Zellstoff, das meiste für den Export. Inzwischen ist auch die legale Umwandlung von Wald zum Problem geworden. „In Indonesien wurde die Zerstörung weitgehend legalisiert“, beklagt sich ein Kollege von WALHI, unseren indonesischen PartnerInnen von Friends of the Earth. Und der Wahnsinn hat Methode: Indonesien bereitet als weltweit zweitgrößter Palmölproduzent ein Dekret vor, mit dem Ölpalm-Plantagen in REDD-Mechanismen berücksichtigt werden sollen. REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ist eigentlich ein Instrument zum Schutz unseres Klimas und zur Verhinderung von Abholzung und Degradierung von Wäldern. Mit der Umsetzung des Dekrets würde diese Idee allerdings ad absurdum geführt. Indonesien könnte dann Wälder roden, Ölpalmen anpflanzen und sich dies obendrein über CO2-Zertifikate als Klimaschutzmaßnahme finanzieren lassen.
Mit den Wäldern sterben bedrohte Arten
Mit der Rodung verschwinden auch die einzigartigen Torfmoorwälder. Deren Böden bestehen aus meterdicken Schichten von Torfmoor, die sich über Jahrtausende gebildet haben und riesige Mengen CO2 speichern. Mit der Abholzung und Brandrodung wird das CO2 freigesetzt und trägt zum Treibhauseffekt bei. Indonesien steht bei den CO2 -Emissionen international an dritter Stelle. Die Waldzerstörung hat große Auswirkungen auf die weltweiten Klimaveränderungen. Sumatra-Tiger und Sumatra-Elefant haben kaum noch Überlebenschancen, wenn weiter abgeholzt wird. Tiger greifen in Südsumatra schon Menschen an, weil ihr Lebensraum zu klein ist. Interessenskonflikte gibt es um den Sumatra-Elefanten. Ihm schmecken junge Ölpalmen besonders gut, während bei den PlantagenbesitzerInnen darüber natürlich wenig Freude aufkommt. Ebenfalls stark gefährdet sind die auf Sumatra und Borneo beheimateten Orang-Utans, die „Waldmenschen“. Sie sind immer stärker auf die Einrichtung von Wildtierreservaten und Schutzgebieten angewiesen.



















