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Der Wald als Ware (2)
In der letzten GLOBAL NEWS-Ausgabe haben wir mit den Eindrücken einer Reise durch Indonesien begonnen und über illegalen Holzeinschlag, Plantagen für Monokulturen und bedrohte Arten im Regenwald berichtet. Diesmal geht es um den Bergbau und die Folgen der Regenwaldzerstörung für die indigene Bevölkerung.
Die Zerstörung der Regenwälder geht häufig in Stufen vor sich: Zuerst kommt der – oft illegale – Holzeinschlag mit dem Anlegen von Straßen zum Abtransport der Baumstämme, dann die Umwandlung in landwirtschaftliche Großprojekte wie Plantagen zur Produktion von Palmöl oder Papier und Zellstoff.
Der Schatz unter dem Wald
Aber auch unter der Erde gibt es in Regenwaldgebieten viel zu holen. So auch in Indonesien. Das Land ist reich an Bodenschätzen: Kohle, Gas, Gold, Kupfer, Zinn, Nickel und Bauxit sind nur einige Beispiele. So ist etwa Indonesien der größte Zinnexporteur und der zweitgrößte Zinnproduzent weltweit. Zinn wird z.B. zur Veredelung von Weißblech für Konservendosen verwendet und ist auch Bestandteil unserer Euromünzen. Jetzt soll der Abbau auf geschützte Gebiete ausgeweitet werden. Bisher kommt das Zinn hauptsächlich aus der Provinz Bangka-Belitung östlich von Sumatra. Der Abbau hat dort bereits eine lange Kolonialgeschichte. Die indonesischen Friends of the Earth WALHI wollen erreichen, dass Unternehmen wie Philip Electronic kein Zinn mehr aus der Region kaufen, bevor nicht die bereits entstandenen Umweltschäden beseitigt wurden. Seit 2009 ist Bergbau durch eine Änderung des Bergbaugesetzes in Indonesien auch in geschützten Gebieten und auf kleinen Inseln möglich. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sind besorgt über die momentane Entwicklung: Der Widerstand gegen bewilligte Bergbauprojekte kann hohe Geld- und sogar Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Außerdem können die Projekte ohne Zustimmung der betroffenen Menschen umgesetzt werden.
Indigene Völker und der Regenwald
In Indonesien leben rund 50 Millionen Menschen im und vom Wald. Ihre Lebensgrundlagen sind durch illegalen Holzeinschlag, Ölpalm-Plantagen und Bergbau massiv bedroht. Die Indigenenvertretung AMAN (Aliansi Masyarakat Adat Nusantara) kümmert sich um die Belange dieser Menschen und nennt als Hauptursache die fehlende rechtliche Anerkennung der indigenen Gebiete. Das Grundproblem ist, dass der Wald generell als Staatswald gilt und über Generationen erworbene Gewohnheitsrechte der indigenen Bevölkerung nicht beachtet werden. Bei Großprojekten führt dies häufig zu Vertreibungen. Für ihr Gemeinschaftsland haben die indigenen Völker meist keine schriftlichen Dokumente.
Deshalb ist eine wichtige Aktivität von AMAN derzeit die 'partizipative Kartierung' von Indigenenland. Mit schriftlichen Dokumenten haben die Indigenen Völker größere Chancen ihre Rechte gegenüber Konzernen und lokalen Regierungen durchzusetzen. Ironischerweise leidet die indigene Bevölkerung häufig nicht nur unter der Zerstörung sondern auch unter dem Schutz des Waldes. Bei der Einrichtung von Nationalparks werden sie oft ihrer bisherigen Rechte zur Jagd und Waldnutzung beraubt. Sie müssen sich das Recht erkämpfen, um dort weiterhin zu leben, obwohl sie es waren, die den Wald bis dahin geschützt und erhalten haben.
Und Europa?
Europa ist an der Zerstörung der Regenwälder kräftig beteiligt. In Rotterdam landet Holz, Kohle, Palmöl und andere Produkte und werden von dort in Europa weiter verteilt. Dabei redet die EU häufig von der Dringlichkeit, die Wälder zu schützen. Allerdings ist sie sehr zögerlich, wenn es darum geht, wirksam etwas gegen die Waldzerstörung zu tun. Ein trauriges Beispiel ist das aktuelle Gezerre um ein EU-Holzhandelsgesetz zur Verhinderung des Handels mit illegalem Holz bzw. Holzprodukten in Europa.
Indonesische Regierung lenkt ein: Ölpalm-Plantagen sind keine Wälder In der letzten GLOBAL NEWS-Ausgabe haben wir im ersten Teil von 'Der Wald als Ware' von den Plänen der indonesischen Regierung berichtet, Ölpalm-Plantagen als Wald zu definieren. Damit hätten die Plantagen als Projekte unter dem REDD Mechanismus eingebracht werden können. Verkehrte Welt: Eigentlich ist REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ein Instrument zur Verhinderung von Abholzung und Degradierung von Wäldern. Nach heftigen Protesten von UmweltschützerInnen hat das indonesische Forstministerium Mitte April von dieser Initiative Abstand genommen. Ein toller Erfolg für die Regenwälder und die Menschen, die in ihnen leben. Eine Filmbotschaft aus dem Regenwald finden Sie auf unserer Homepage unter regenwaldkino.global2000.at

















