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"Nein, das dürfen wir nicht trinken."
Trinkwasser aus der Leitung? Bei uns in Österreich eine Selbstverständlichkeit, in der Ukraine ein unerreichbarer Traum. Oder vielleicht doch nicht? Christoph Otto, seit 13 Jahren Leiter des Tschernobylkinder-Projektes von GLOBAL 2000, hat für 2.500 Kinder diesen Traum wahr werden lassen.
GLOBAL 2000: Wasser trinken direkt aus der Leitung – das klingt in unseren Ohren eigentlich recht banal. Für die ukrainischen Kinder ist es das aber keineswegs.
Christoph Otto: Ja, das ist richtig. Die Wassersituation ist in der ganzen Ukraine verheerend. Da ist einmal die radioaktive Belastung des Wassers: Es ist zwar schon viel Wasser den Dnjepr hinunter geflossen, seit in Tschernobyl der Reaktor explodiert ist, aber Strahlung verschwindet ja nicht so einfach. Der Boden reichert sich an und das Grundwasser ist sicherlich auch noch betroffen. Aber abgesehen davon gibt es im Osten des Landes hauptsächlich Bergbau und Schwerindustrie. Die ganzen Emissionen werden ungefiltert in die Luft geblasen und die Abwässer gehen ebenso ungefiltert ins Grundwasser. Daher ist das ukrainische Wasser massiv mit keimbildenden Substanzen belastet.
Wasseraufbereitungsanlagen würden also im ganzen Land gebraucht werden?
Auf jeden Fall. In den Geschäften wird sogar gereinigtes Wasser in Flaschen und Kanistern verkauft. Das ist billiger als Mineralwasser.
Und für Kinder ist die Wassersituation sicherlich noch schlimmer?
Ja, natürlich. Besonders für bereits durch Krankheit geschwächte Kinder. Eigentlich bin ich ja nur durch Zufall auf das Thema Wasser gekommen. Als ich auf Besuch im Waisenhaus Novaidar war, kam da eine Dame vom Gesundheitsamt und hat den Erwachsenen eingeschärft, die Kinder ja nicht aus der Wasserleitung trinken zu lassen. Um das zu veranschaulichen hat sie eine Elektrolyse des Leitungswassers gemacht. Nach kurzer Zeit bildete sich an der Oberfläche des Wassers ein schwarzer Dreckfilm, der nach muffigem altem Keller roch. Das waren die gelösten Feststoffe. Ich war entsetzt, und konnte gar nicht glauben, was ich da sah.
Wie wirkt sich denn die Wassersituation auf die Gesundheit der Kinder aus?
Im Osten der Ukraine gibt es Gebiete, in denen 60% der Erwachsenen Nierenprobleme haben. Dort erzählte mir eine Ärztin, dass der Harn der Kinder grieslig wie bei alten Männern sei, denn aufgrund des schlechten Wassers würden die Kinder tendenziell viel zu wenig trinken – nur zu den Mahlzeiten einen kleinen Becher abgekochtes Wasser bzw. Tee. Da dachte ich mir: “Wenn wir schon so viel Geld in die medizinische Versorgung der Kinder investieren, sollten wir zuallererst einmal eine gute Wasserversorgung garantieren.
Ihr habt bereits sechs Wasseraufbereitungsanlagen installiert. Was erwartest Du Dir davon?
Im Herbst 2008 haben wir im Bundesland Lugansk sechs Anlagen installiert. Diese kommen etwa 2.500 Kindern und Jugendlichen zugute. Wenn die Kinder jetzt wirklich mehr trinken als früher, erwarte ich mir, dass wir vielleicht in einem Jahr den Erfolg bereits in den Gesundheitsstatistiken ablesen können. Es wäre zu schön und ein leuchtendes Beispiel für die ganze Region, wenn es durch das saubere Wasser allmählich gesündere Kinder gäbe.
Und wie waren die Reaktionen der Kinder?
Euphorisch. Anfangs weigerten sie sich, das Wasser zu trinken. Sie sagten:“Nein, das dürfen wir nicht.“ Aber die Heimleiterin sagte:“Im Gegenteil. Jetzt müsst ihr.“ Als die Kinder daraufhin zum ersten Mal zaghaft von der kühlen Köstlichkeit probierten und dann über das ganze Gesicht strahlten – da muss ich sagen – war ich ehrlich gerührt.
Die Wasseraufbereitungsanlagen der Firma Sansystems Bioline GmbH wurden in folgenden Lugansker Einrichtungen installiert:
in den Waisenhäusern in Shchastje, Petrovskje und Kremmenaya und
in den Sanatoriums-Schulinternaten Novaidar, Rubezhnoye und Lugansk
Wir danken den SponsorInnen der Anlagen:
Wiener Städtische Versicherung
Gemeinde Nickelsdorf
Gemeinde Loosdorf
eccon Unternehmensberatung GmbH
Sansystems Bioline GmbH
und dem Techniker der Herstellerfirma, Ernst Hauseder, für seinen Einsatz beim Einbau der Anlagen in der Ukraine.



















