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Zu früh gefreut
Wir haben uns sehr gefreut, als die EU-Kommission letzten Sommer die hormonell wirksame Chemikalie Bisphenol A (BPA) aus Babyfläschchen verbannt hat. Schließlich hatten wir uns seit vielen Jahren gemeinsam mit unseren europäischen FoE-Partnerorgansiationen für ein BPA-Verbot eingesetzt. Wir gaben grünes Licht für BPA-frei gekennzeichnete Baby-Produkte. Leider zu früh, wie sich nun zeigt.
TEXT VON HELMUT BURTSCHER, GLOBAL 2000-UMWELTCHEMIKER
Nach dem EU-weiten BPA-Verbot für Babyfläschchen im Sommer 2011 hat die EU-Kommission eine Untersuchung von hunderten im europäischen Handel erhältlichen Fläschchen aus unterschiedlichen Kunststoffen beauftragt. Das schockierende Ergebnis: Bei fast allen getesteten Fläschchen konnte nachgewiesen werden, dass sie Chemikalien an die Babymilch abgaben. Von den Fläschchen aus Polyamid gaben trotz der Kennzeichnung als „BPA-frei“ mehr als 70 Prozent hohe bis sehr hohe Mengen BPA in die Babymilch ab.
Die Industrie lernt nichts dazu
Dass kurz nach dem Aus für BPA-hältige Polycarbonat-Fläschchen die Chemikalie nun in alternativen Materialien wieder auftaucht, und das in noch weit größeren Mengen, ist ein Riesenskandal. Es genügt einfach nicht, die Fläschchen als „BPA-frei“ zu kennzeichnen. Es muss durch Kontrollen auch sicher gestellt werden, dass dem so ist.
Tatsächlich kommt dieses Ergebnis überraschend. Anders als bei den verbotenen Polycarbonat-Fläschchen ist für die Herstellung von Polyamid-Fläschchen BPA keine Ausgangssubstanz. So hat man bei Fläschchen ein und desselben Fabrikats in manchen kein BPA gefunden, während andere eine mehr als 100-fach höhere BPA-Belastung aufwiesen als die inzwischen verbotenen Fläschen aus Polycarbonat.
Ähnlich katastrophal war das Ergebnis bei Silikon-Fläschchen. Unter anderem gaben diese sogar den EU-weit für Spielsachen und Babyartikel verbotenen Weichmacher DEHP in die Babymilch ab. Gott sei Dank sind Fläschchen aus Silikon und Polyamid hierzulande im Handel (noch) kaum verbreitet.
Polypropylen kein adäquater Ersatz
Doch auch die weit verbreiteten Polypropylen-Fläschchen lieferten ein schlechtes Ergebnis. Zwar sind diese tatsächlich „BPA-frei“, immerhin enthielten sie 27 verschiedene Chemikalien, die in die Babymilch „einwandern“ können. Acht davon sind in der EU gar nicht reguliert und dürften daher auch nicht im Kunststoff enthalten sein.
Sicher ist nur Glas
Ein positives Ergebnis lieferten Babyfläschchen aus Triton. Diese gaben keine nachweisbaren Chemikalien in die Babymilch ab. Leider sind Fläschchen aus diesem Material in Europa noch nicht weit verbreitet.
GLOBAL 2000 rät derweil zum Kauf von Glasfläschchen und fordert den Handel dazu auf, die Hersteller in die Pflicht zu nehmen, damit Babyfläschchen endlich sicher werden.
Und was ist nun mit den Schnullern?
In Österreich als einzigem EU-Mitgliedsstaat hat GLOBAL 2000 es zusätzlich geschafft, ein BPA-Verbot für Schnuller zu erwirken. Auch hier müssen wir nun nachhaken und planen eine umfassende Untersuchung der wichtigsten im österreichischen Handel befindlichen Schnullermarken Ende Sommer.

















