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Nitrat – Massentierhaltung gefährdet Grundwasserqualität

GLOBAL 2000 hat mit DI Dr. Helmut Herlicska vom Wasserleitungsverband (WLV) Nördliches Burgenland und Ing. Walter Vogl vom Wasserverband Südliches Wiener Becken (WV SWB) darüber gesprochen, wie sich die aktuelle Situation im Raum Lichtenwörth, Zillingdorf, Neufeld darstellt und wie man das Grundwasser, die Grundlage für die Trinkwasserversorgung der gesamten Region, nachhaltig schützen kann.

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000: Herr Vogl, was ist denn die Motivation des WV SWB, sich für Umweltanliegen einzusetzen?

Vogl: Der Wasserverband Südliches Wiener Becken ist ja der Dachverband aller Wasserversorger der Region. Er hat in seinen Statuten festgelegt, dass er die Grundwasservorkommen seiner Mitglieder zu schützen versucht, so dass die Trinkwassergewinnung sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht auch für die Zukunft gesichert ist.

GLOBAL 2000: Herr Herlicska, was ist das aktuelle „Sorgenkind“ des Wasserleitungsverbandes Nördliches Burgenland?

Herlicska: Es gibt speziell im Raum Lichtenwörth, aber auch in Zillingdorf eine Reihe von Massentierhaltungsbetrieben, vor allem Schweinemastbetriebe und eine große Hühnerfarm. Vor zwei Jahren wurde eine Biogasanlage errichtet, wo die Endprodukte der Massentierhaltung energiewirtschaftlich verwertet werden. Auch hierbei fällt so genannte Biogas-Gülle an, die von den Stickstoffgehalten quasi das gleiche drinnen hat wie die Gülle der einzelnen Wirtschaftsbetriebe.

GLOBAL 2000: Vor zwei Jahren konnten Sie erfolgreich die Ansiedelung eines Mastbetriebes verhindern.

Herlicska: Ja, direkt an der Landesgrenze zum Burgenland war ein Schweinemaststall mit 2.200 Tieren inklusive Gülle-Lagune geplant. In der Entfernung von etwa 500 Metern liegen zwei ganz wichtige Brunnenanlagen des WLV Nördliches Burgenland. Wenn hier ein Behälter undicht geworden wäre, wäre die Gülle direkt in unseren Brunnen hineingesickert. Gemeinsam mit dem Wasserverband Südliches Wiener Becken konnten wir die Errichtung abwenden.

GLOBAL 2000: In Lichtenwörth ist aber dann doch ein Schweinemastbetrieb errichtet worden.

Herlicska: … und wieder im Grundwasserzuströmungsbereich zu den Brunnen des Verbandes Nördliches Burgenland, aber auch im Einzugsbereich der Brunnen der Wasserversorgung Baden, des Triestingtals und der Südbahngemeinden. Der erste Stall ist mit 1990 Schweinen errichtet worden. Hier hat man die Richtlinie 96/61 über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, die so genannte IPPC-Linie, die bei 2000 Schweinen liegt, knapp unterlaufen. Kurze Zeit später haben wir erfahren, dass ein zweites Projekt errichtet werden soll, und zwar mit 2490 Mastschweinen. Die Untergrenze für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Grenze) liegt bei 2500 Schweinen.

GLOBAL 2000: Hat sich der WLV auch gegen die Errichtung dieses Projektes eingesetzt?

Herlicska: Wir haben gemeinsam mit dem Verband Südliches Wiener Becken die Umweltanwälte auf burgenländischer und niederösterreichischer Seite einbezogen und versucht, dafür einzutreten, dass auf alle Fälle ein UVP-Verfahren durchgeführt wird. Dieses zweite Projekt ist zurzeit beim Bundesumweltsenat anhängig.

GLOBAL 2000: Herr Vogl, der WLV Nördliches Burgenland ist ein Mitglied des Wasserverbandes Südliches Wiener Becken, der als Dachverband fungiert. Er wird natürlich vom gesamten Verband in den Bemühungen unterstützt. Wie schaut diese Unterstützung aus?

Vogl: Wir sind bei den Verhandlungen dabei, wir führen mit der Landesregierung Gespräche und wir unterstützen sie auch auf praktischer Ebene. Wir haben zum Beispiel ein Grundwasser-Sondennetz angelegt, um ein Grundwasser-Monitoring durchzuführen. Wir können dadurch besser feststellen, wie sich die Wassersituation entwickelt.

GLOBAL 2000: Wie sieht es denn mit den Nitratwerten aus?

Herlicska: Die Werte des Grundwassers im Einzugsbereich der Brunnen liegen zum Teil weit über 80 mg/Liter. Wir haben im gesamten Raum eine intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Seit kurzem liegt ein Gutachten von Professor Klaghofer und Dr. Kuderna der wpa – beratende Ingenieure GmbH. vor. Es zeigt, dass es auch bei Einhaltung der landwirtschaftlichen Richtlinien für sachgerechte Düngung wegen der sehr geringen Niederschlagsraten und der damit verbundenen geringen Grundwasser-Neubildung von vornherein zu einer Überschreitung der Grundwasser-Grenzwerte kommt. Das hängt davon ab, wie die Niederschlagsverteilung in der Zeit aussieht, in wie weit Dünger ausgewaschen wird oder wie groß die Anteile sind, die aus dem Begleitstrom der Mitterndorfer Senke beziehungsweise aus dem Leitha-Begleitstrom kommen und wie sich das ganze verdünnt.

GLOBAL 2000: Das heißt, eigentlich wäre die ideale Form die biologische Landwirtschaft?

Herlicska: Auf alle Fälle eine Extensivierung. Speziell die Massentierhaltung verschärft die Situation wesentlich. Wir haben hier in etwa 15.000 Schweine, das heißt, es wird über die Zwischenstufe der Biogasanlage die Gülle von 15.000 Schweinen aufgebracht. Außerdem werden in diesem Raum 115.000 Hühner, 775 Rinder, 140 Pferde und 170 Schafe gehalten. Hier wird zu viel Gülle auf zu kleinem Gebiet ausgebracht. Über Vertreter der niederösterreichischen Landesregierung haben wir erfahren, dass die Ansiedelung von weiteren 10.000 Mastschweinen geplant ist.

GLOBAL 2000: Was kann man denn tatsächlich tun, um den weiteren Ausbau von Mastbetrieben zu stoppen?

Herlicska: Die Gesprächsrunden mit den niederösterreichischen und den burgenländischen Behörden gehören auf alle Fälle intensiviert. Wir müssen mithilfe von Flächenwidmungen die Ausweitung des auf burgenländischer Seite vorhandenen Grundwasserschongebietes erwirken. Auf der Landwirtschaftsseite ist aus unserer Sicht unbedingt eine Extensivierung notwendig. Es soll ganz einfach weniger Dünger ausgebracht werden, sodass es speziell in dem Trinkwassereinzugsbereich zu einer Verringerung der Grundwasserbelastung kommen kann. Wir sind als WLV Nördliches Burgenland nach wie vor aufgrund unseres komplexen Versorgungssystems in der Lage, Trinkwasser bester Qualität an die Bevölkerung abzugeben. Es geht uns aber vor allem um die Nachhaltigkeit und die zukünftige Entwicklung. Das Problem ist, dass uns die Zeit davonläuft.

GLOBAL 2000: Herr Vogl, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Vogl: Ich wünsche mir, dass wir nicht erst riesige Aufbereitungsanlagen bauen müssen, sondern dass wir auch in Zukunft unser Grundwasser so nutzen können, wie wir es dem Boden entnehmen.

(von Heidi Porstner)

letztes Update: 03.09.2010 14:07
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