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„UMWELTPROJEKT NEUBAUGASSE“ – „Straße der Spezialisten“ wird „Straße der Umwelt-Spezialisten"
In der Neubaugasse hat sich nicht nur ein Geschäft, sondern eine ganze Straße dem ökologischen Bewusstsein verschrieben. Der ganzheitliche Ansatz des „Umweltprojekts Neubaugasse“ besteht aus den vier Komponenten: Beleuchtung, Stoffsackerln, Flohmarkt und Beratung. Dafür wurde das Projekt mit dem Umweltpreis 2010 ausgezeichnet. GLOBAL 2000 hat mit SPÖ Bezirksrat und Projektleiter Walter Horak gesprochen.
GLOBAL 2000: Seit wann gibt es das „Umweltprojekt Neubaugasse"
und wie kam es dazu?
Horak: Das Projekt ist im Laufe der Jahre gewachsen. Entstanden ist es vor zirka drei Jahren, als die SPÖ Neubau in der Bezirksvertretung einen Antrag für eine neue Weihnachtsbeleuchtung in der Neubaugasse stellte. Damals wurde die Idee geboren, nicht nur eine Weihnachtsbeleuchtung zu haben, sondern eine Effektbeleuchtung, die das ganze Jahr über zu sehen ist. Als Bezirksrat habe ich dieses Projekt von Anfang an begleitet. Es wurde eine Arbeitsgruppe aufgestellt, die ein Modell aus drei verschiedenen Lichtdesignprojekten auswählte. Die neue Effektbeleuchtung mit den bestrahlten Feuerwänden und weißen Kugeln ist inzwischen in der Neubaugasse zu bewundern. Bei der Umsetzung kam der Wunsch nach einer möglichst energiesparenden Lösung auf.
GLOBAL 2000: Woher kam die Idee, das Konzept auf andere umweltschonende Maßnahmen auszudehnen?
Horak: Bei der Weihnachts- und Effektbeleuchtung haben wir gesehen, was alles an Einsparungspotential vorhanden ist. Auf Anraten des SPÖ Bezirksvorsteher-Stellvertreters Rainer Husty haben wir überlegt, wie wir weiter in diese Richtung gehen könnten. Herausgekommen ist die Idee, von Plastik- auf Stoffsackerln umzustellen. Wir produzieren gemeinsam mit der Gemeinde Wien Stoffsackerln, auf denen die Motive der „Straße der Spezialisten“ abgebildet sind. Das ist für uns einerseits eine ausgezeichnete Werbung und anderseits kommen weniger Plastiksackerln in Umlauf.
GLOBAL 2000: Als nächster Schritt soll auch der Flohmarkt in der Neubaugasse ökologischer werden?
Horak: Durch den ersten Schritt, die Effektbeleuchtung, und den zweiten Schritt, die Stoffsackerln, haben wir festgestellt, wie viel Potential es gibt. Wir versuchen, beim Flohmarkt ökologischer zu denken, indem wir zum Beispiel versuchen, Abfall- und Mülltrennung durchzuführen. Das ist kein leichtes Unterfangen, da an beiden Tagen jährlich insgesamt 10.000 Leute den Markt besuchen. Den dabei entstehenden gewaltigen Müllberg versuchen wir jetzt unter Kontrolle zu bekommen. Außerdem werden wir als nächstes versuchen, während des Flohmarktes im Herbst anstelle von Einweg- verstärkt Mehrweggebinde zu verwenden.
GLOBAL 2000: Der vierte Schritt, die professionelle Umweltberatung der Betriebe, ist für Mai geplant. Wie glauben Sie wird die Beratung von den Beteiligten genutzt werden?
Horak: Durch die Schritte eins, zwei und drei wurde das Umweltbewusstsein der Betriebe geschärft. Durch den Umweltpreis haben unsere Betriebe jetzt die Möglichkeit, sich, finanziert durch die Stadt Wien, kostenlos ökonomisch prüfen zu lassen. Das beinhaltet Workshops sowie Vorschläge zu einer energieschonenderen Betriebsführung und findet im Rahmen der ÖkoBusinessPlan-Beratung statt. Es werden dieses Jahr zehn bis zwölf unserer Betriebe teilnehmen. Die Mitglieder sind bereits so umweltsensibel, dass sie von sich aus mitmachen möchten. Ich erwarte mir sehr viel von dieser Beratung.
GLOBAL 2000: Sie haben selbst ein Uhren- und Juweliergeschäft in der Neubaugasse. Wie setzen Sie in Ihrem Betrieb ökologische Maßnahmen um?
Horak: Ich habe meinen Betrieb auf LED-Licht umgestellt. Ausgetauscht wurden 35 Halogenstrahler, wodurch ich mir in der Stunde rund ein Kilowatt erspare. Das Licht brennt täglich ungefähr 12 Stunden. Somit erreiche ich allein durch diese kleine Maßnahme eine Ersparnis von rund 12 Kilowatt pro Tag.
GLOBAL 2000: Wie reagieren KundInnen und AnrainerInnen auf die neue, umweltfreundlichere Einkaufsstraße?
Horak: Die Reaktionen sind über meine Erwartungen hinaus sehr positiv. Das Projekt ist inzwischen ein Selbstläufer und wir müssen den Schwung, den wir jetzt bekommen haben, ausnützen. Von den KundInnen und AnrainerInnen werde ich aufgrund der Berichterstattungen in Zeitung und Fernsehen angesprochen und das Projekt wird überaus gelobt. Diese Bestärkung ist für uns alle die ideale Motivation weiterzumachen.
GLOBAL 2000: Glauben Sie, dass neben ökologischen Vorteilen ein umweltbewussterer Ansatz auch wirtschaftlich rentabel sein kann?
Horak: Ja, so sollte es sein. Ich muss den Betrieben auch einen Grund nennen können, warum sie an dem Projekt teilnehmen sollen. Man kann durch mehr Umweltbewusstsein Geld einsparen, wie Sie bei mir in meinem Geschäft sehen können. Das eine Kilowatt weniger pro Stunde spart nicht nur Energie, sondern auch Geld ein.<br /></a></p>
GLOBAL 2000: Glauben Sie, dass die Neubaugasse mit dem Umweltprojekt vorbildhaft für eine zukünftige umweltbewusstere Ausrichtung in Wien steht?
Horak: Ich glaube, dass das Bewusstsein bei der Gemeinde und den Behörden bereits vorhanden ist und sehr viele andere Aktionen möglich wären. Das Problem ist, dass das Wissen über dieses Angebot die BürgerInnen nicht erreicht, sondern im allgemeinen Informationsüberfluss verloren geht. Deswegen sind Projekte wie das Unsrige etwas sehr Wichtiges. Sie zeigen den BürgerInnen, was alles möglich ist.
GLOBAL 2000: Wie sehen die Pläne für das „Umweltprojekt Neubaugasse“ in Zukunft aus?
Horak: Wir haben das Projekt auch deswegen in der Neubaugasse angesiedelt, weil wir hoffen, es in drei oder vier Jahren auf den ganzen Bezirk auszuweiten. Bei der Effektbeleuchtung waren wir die Ersten. Jetzt werden ähnliche Konzepte auch in der Kirchengasse, der Westbahnstraße und der Lerchenfelderstraße überlegt. Die Neubaugasse hatte hier eine Vorreiterrolle und genau dasselbe wünsch ich mir für das gesamte Umweltprojekt.
(Von Eva Reichel)
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Umweltpreis Neubaugasse

















