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GLOBAL 2000: Abschalten der europäischen Hochrisikoreaktoren jetzt!

GLOBAL 2000 blockiert das AKW Brokdorf und fordert einen rascheren Atomausstieg.

Hamburg, 17. Juni 2011 – Zehn Jahre und sechs Monate soll nach dem Willen der deutschen Bundesregierung das AKW Brokdorf noch laufen. „Jedes Jahr länger ist ein Jahr mehr, in dem bereits im Normalbetrieb Kinder im Umkreis von fünf Kilometern mit 60 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken. Doppelt so viele Kinder erkranken an Leukämie, wie eine Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz 2007 gezeigt hat“, sagt Dr. Reinhard Uhrig, Atomexperte der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Bei einem Unfall wären die Auswirkungen noch viel schlimmer. Auch die 50 Kilometer entfernte Millionenstadt Hamburg wäre betroffen. Erst 1995 kam es in Brokdorf zur größeren Freisetzung von radioaktiven Gasen, die aus 20 undichten Brennelementen entwichen. „Es ist unverantwortlich, unter diesen Bedingungen und nach den dramatischen Fukushima-Katastrophen Atomkraftwerke weiter zu betreiben, ganz so, als wäre nichts geschehen.“ GLOBAL 2000 fordert einen weltweiten Atomausstieg und blockiert gemeinsam mit der deutschen Organisation „X-tausendmal quer“ das norddeutsche AKW Brokdorf.

Das AKW Brokdorf bei Hamburg liegt direkt an der Elbe. Geopolitisch stellt der Standort ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Erstens ist das AKW nicht vor Terrorangriffen aus der Luft und von der stark befahrenen Wasserstraße in den Hamburger Hafen aus geschützt. Und zweitens könnten klimawandelbedingte Überflutungen einen Unfall wie zuletzt in Japan auslösen. Außerdem produziert jedes Atomkraftwerk jährlich im Schnitt 27,5 Tonnen hochradioaktiven Müll, für den es auch fünfzig Jahre nach Beginn der kommerziellen Atomkraftnutzung keine sicheren Lager gibt. Darüber hinaus tragen die SteuerzahlerInnen das finanzielle Risiko. „Atomkraft ist hochprofitabel für ein paar wenige, aber superriskant für uns alle“, so Uhrig. Jeder weitere Tag bringt den Betreibern pro AKW im Schnitt einen Nettogewinn von rund einer Million Euro. Von den bisher benötigten Entschädigungszahlungen für die Reaktorkatastrophen von Fukushima müssen die japanischen SteuerzahlerInnen 43 Milliarden Euro übernehmen, die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren hat bis zu 270 Milliarden Euro an Schäden verursacht.

Nach Beginn der Fukushima-Katastrophen hat die deutsche Regierung sofort verantwortungsvoll gehandelt und die acht ältesten und unsichersten AKWs stillgelegt. Aber Deutschland verfügt immer noch über neun AKWs, in welchen es jährlich dutzende Zwischenfälle gibt. Der Entwurf für das deutsche Atomgesetz sieht vor, dass nach dem AKW Grafenrheinfeld (2015) als nächstes der Störfall-Meiler Grundremmingen B (2017) vom Netz gehen soll. Das AKW Phillipsburg II soll 2019 abgeschaltet werden. 2021 sollen die AKWs Grohnde, Brokdorf und Grundremmingen C vom Netz gehen. Neckarwestheim II im Erdbebengebiet in Baden-Württemberg, Isar II in der Einflugschneise des Münchner Flughafens sowie das AKW Lingen sollen erst 2022 abgeschaltet werden.

Als Zeichen des Widerstandes gegen die deutsche Atompolitik nehmen GLOBAL 2000-AktivistInnen an der gewaltfreien Sitzblockade der Organisation „X-tausendmal quer“ teil. Die UmweltschützerInnen werden ab morgen, Samstag, das AKW blockieren. Aus Sicherheitsgründen wurde ein Zeitpunkt gewählt, an dem das AKW für Revisionsarbeiten bereits heruntergefahren ist. „Wir können auf diese gefährlichste Art, Wasser zu kochen, verzichten. Auch ohne AKWs sind stabile Strompreise und Klimaschutz machbar. Wir fordern, dass alle europäischen Hochrisikoreaktoren sofort abgeschaltet werden und dass es Abschaltpläne für alle weiteren AKWs in der EU bis 2020 gibt. Wir werden nicht ruhen, bis auch der letzte Atomreaktor endgültig stillgelegt ist!“, so die GLOBAL 2000-AktivistInnen abschließend.

Rückfragehinweis:
Dr. Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000, Tel.: 0699/14 2000 18
Hans Vrablicz, Aktionskoordinator von GLOBAL 2000 und vor Ort in Brokdorf, Tel.: 0699/14 2000 27

letztes Update: 17.06.2011 09:30
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