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GLOBAL 2000 zu Fukushima: Wo sind die toten Arbeiter?

Auswirkungen der japanischen Nuklearkatastrophe noch nicht abschätzbar. Betreiber und Behörden verharmlosen, verzögern und vertuschen.

Wien, am 10. Juni 2011 – Auch drei Monate nach der verheerenden Nuklearkatastrophe in Fukushima ist die japanische Informationspolitik absolut unzulänglich. „Die japanischen Regierungsbehörden verhindern mit ihrer Salami-Informationstaktik, dass die Situation in Fukushima richtig beurteilt werden und die Bevölkerung angemessen reagieren kann“, kritisiert Dr. Reinhard Uhrig, Atomexperte der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

„Die wenigen veröffentlichten Daten sind zudem sehr ungenau und lassen das Schlimmste befürchten. Es liegt die Vermutung nahe, dass das wahre Ausmaß der Katastrophe massiv heruntergespielt wird. Was die Langzeitfolgen betrifft, herrscht sowieso lautes Schweigen.“ GLOBAL 2000 fordert lückenlose Aufklärung und kündigt gemeinsam mit der Partnerorganisation „Friends of the Earth Japan“ weltweite Protestkundgebungen am Samstag, also genau drei Monate nach der ersten Fukushima-Katastrophe, an.

Kürzlich hat die japanische Regulierungsbehörde zugegeben, dass, entgegen früheren Schätzungen, mehr als doppelt so viel Radioaktivität an die Umgebung abgegeben wurde, nämlich 770 PBq innerhalb der ersten Woche nach den Fukushima-Katastrophen. „Die Gesamtfreisetzung aus der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entsprach 1760 PBq an radioaktivem Iod-131, zusätzlich wurden noch 85 PBq Cäsium-137 sowie eine Vielzahl anderer Radioisotope freigesetzt“, erklärt Uhrig. „Die japanische Regulierungsbehörde erklärt nicht, aus welchen Radioisotopen sich die Zahl zusammensetzt. Sie gibt zu, dass die Schätzung sehr ungenau ist und nur für die erste Woche gilt. Die Werte für die zwölf Wochen danach fehlen noch!“ Weiters gaben die Betreiber und staatlichen Behörden zu, dass es schon kurz nach dem Tsunami zur vollständigen Kernschmelze in den Reaktoren 1, 2 und 3 mit Austritt von Kernbrennstoff aus den Reaktordruckbehältern kam.

Die Frage, wie viele Menschenleben die Reaktorkatastrophen gekostet haben und noch fordern werden, will man allerdings partout nicht beantworten. „Das menschliche Leid wird bewusst heruntergespielt, damit nur ja der Glaube an den Mythos einer sicheren Atomkraft aufrecht erhalten bleibt“, vermutet Uhrig. Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurden viele Arbeiter unzureichend geschützt und ohne Dosimeter in der brennenden Ruine eingesetzt, 237 von ihnen kamen mit akuter Strahlenkrankheit (ab 500 mSv Dosis) ins Spital, 28 starben noch 1986, 19 weitere bis 2004. Von den geschätzt 600.000 Liquidatoren starben bisher ca. 100.000. Bei den Reaktorkatastrophen von Fukushima wurden bisher bei zwei Arbeitern eine Dosis zwischen 250 und 580 mSv gemessen. 150 weitere Arbeiter, die unter ähnlichen Umständen gearbeitet haben, sind bisher noch nicht untersucht worden. 30 Arbeiter haben eine Dosis von über 100 mSv abbekommen, jedoch gibt es nicht genug Dosimeter für alle Arbeiter. Von den ca. 3700 eingesetzten Arbeitern wurden bisher weniger als 40 % auf Verstrahlung untersucht. Iod-Tabletten wurden nur einmal, zwei Tage nach dem Beben, eingenommen und die Iod-Gabe in der betroffenen Region auf eine Jahresdosis ab 100 mSv beschränkt, was insbesondere für Kinder und Jugendliche viel zu hoch ist: die WHO setzt 10 mSv als Grenze an.

„Wie die Tschernobyl-Katastrophe gezeigt hat, sind die Folgen der Aufnahme von radioaktivem Iod zeitversetzt, aber vorhersagbar: Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen in großer Zahl, mit einem Höhepunkt ca. zehn Jahre nach der Aufnahme“, so Uhrig. „Im Vergleich zu den Todesfällen durch die Naturkatastrophe sind die direkten Todesfälle durch die Reaktorkatastrophen bisher verschwindend gering: Bei der Explosion von Reaktor 3 wurden sechs Arbeiter getötet, ein Aufräumarbeiter starb an Kreislaufversagen“, so Uhrig. „Die wenigen veröffentlichten Bilder zeigen Zivilschutzarbeiter und Soldaten, die Opfer aus einem Hubschrauber bergen. Der Verbleib der Opfer und ihre genaue Zahl wurden jedoch nie bestätigt.

Die Spätfolgen von Fukushima werden uns allerdings, genauso wie bei Tschernobyl, noch lange Zeit die Unbeherrschbarkeit von Atomkraftwerken vor Augen führen. Atomkraft ist niemals sicher!“

GLOBAL 2000-Information zur Fukushima-Katastrophe: www.global2000.at

Messwerte Strontium (MEXT): www.mext.go.jp

Rückfragehinweis: GLOBAL 2000 Atomexperte: Dr. Reinhard Uhrig, Tel.: 0699/14 2000 18

 

letztes Update: 10.06.2011 10:14
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