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GLOBAL 2000 und SERI: Europa ist zu 60 Prozent von Landimporten abhängig
Neue Studie verdeutlicht das Ausmaß des "Land-Footprints": Die EU lebt auf zu großem Fuß
(Wien, 12. Oktober 2011) - Eine neue Studie von Friends of the Earth Europe (GLOBAL 2000 ist das österreichische Mitglied von FOE) und dem Sustainable Europe Research Institute (SERI) zeigt den weltweiten Handelsverkehr mit "virtuellem Land" auf. "Unter ,virtuellem Land versteht man die gesamten Flächen, die für die Erzeugung von Handelsgütern gebraucht wurden. Die Studie zeigt, dass fast 60 Prozent des Agrarlandes, das zur Deckung der europäischen Nachfrage nach land- und forstwirtschaftlichen Produkten gebraucht wird, in anderen Kontinenten liegt. Das bedeutet, dass Europa eine Fläche, die zehnmal der Deutschlands entspricht, außerhalb Europas in Anspruch nimmt. Europa ist damit der von virtuellen Landimporten am stärksten abhängige Kontinent", berichtet Lisa Kernegger, Ökologin und Ressourcen-Expertin bei GLOBAL 2000.
Europas Land-Footprint: 1,5 Mal die eigene Fläche
Beim Gesamt-Flächenbedarf liegt Europa mit 640 Millionen Hektar nach den USA mit 900 Millionen Hektar an zweiter Stelle. "Das bedeutet, dass die EU 1,5 Mal die eigene Fläche an Land benötigt. Der ,Land-Footprint' Europas ist ziemlich sicher noch größer, wenn man den Zuwachs an Agrotreibstoff- und Biomasse-Importen ab 2004 mitberechnet", erklärt Kernegger. Der Land-Footprint ergibt sich aus der Fläche, die innerhalb eines Landes weltweit für den die Produktion aller in einem Land konsumierten land- und forstwirtschaftlichen Produkte beansprucht wird (oder anders formuliert heimische Landnutzung plus importiertes Land minus exportiertes Land). Um den Land-Fußabdruck in der vorliegenden Studie zu bemessen, wurden Daten von der FAO (Food and Agriculture Organisation) zum Flächenverbrauch und des GTAP (Global Trade Analysis Project) zum Güterhandel zusammengeführt. Die Bemessung bezieht die Produktionsverlagerung der EU in andere Teile der Welt mit ein, indem sie die Menge des Flächenverbrauchs dem Land zurechnet, in dem die Güter schließlich konsumiert werden. Das betrifft beispielsweise auch jene Anbauflächen für Futtermittel für den Fleischkonsum.
Die Studie ermittelt den "Land-Footprint" aller Mitgliedsstaaten der EU sowie anderer Länder, etwa der USA, Australiens, Indiens und Brasiliens. "Die Forschungsergebnisse zeigen die Bedeutung des Land-Fußabdrucks als Indikator des Ressourcenverbrauchs. Der durchschnittliche Flächenverbrauch in der EU beträgt demnach 1,3 Hektar pro Kopf, während in Ländern wie China oder Indien weniger als 0,4 Hektar Land auf jeden Einwohner entfallen", berichtet Martin Bruckner, Nachhaltigkeitsforscher und Ressourcenökonom bei SERI. Sechs der zehn Länder, die am meisten Land importieren, sind europäische: Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, die Niederlande und Spanien. Deutschland und Großbritannien importieren jeweils mehr als 80 Millionen Hektar Land im Jahr.
Auswirkungen von Europas Handel mit virtuellem Land
Der Export von Produkten kann zwar einerseits der jeweiligen nationalen Ökonomie Gewinne bringen, führt aber andererseits auch zu Landaneignung, Biodiversitätsverlust und der Zerstörung von Lebensräumen. "Die EU lebt auf zu großem Fuß. Aus wirtschaftlichen, sozialen und Umweltschutz-Gründen besteht in der EU also dringend Handlungsbedarf kohärente Strategien zu entwickeln, um den Landverbrauch besser einzuschätzen und folglich zu reduzieren", fordert Kernegger.
Download:
SERI Europes Global Land Demand
2011-10-12 07:45:08
SERI
Europas Abhängigkeit von Landimporten
2011-10-12 09:38:15
GLOBAL 2000
Rückfragehinweis:
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