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Atomkraft in Belgien


AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen

In Belgien werden sieben Druckwasser-Reaktoren an zwei Standorten betrieben, die alle zwischen 1974 und 1985 ans Netz gingen. Sie liefern bis zu 55 Prozent der gesamten Stromproduktion des Landes (ca. 43 Mrd kWh pro Jahr).

Atompolitische Debatte

Der Neubau von AKWs ist im kleinen Belgien durch einen Parlamentsbeschluss zur Einhaltung von 30-km-Radien um Bevölkerungszentren erschwert. 1999 hat die Drei-Parteien-Koalition (Liberale, Sozialisten und Grüne) eine Laufzeitbegrenzung auf 40 Jahre festgeschrieben und dem Neubau von Atomkraftwerken eine Absage erteilt. Dieser Plan eines ganz langsamen Atomausstiegs für die Zeit zwischen 2015 und 2025 wurde allerdings nach den Wahlen 2003 mit Verweis auf vermeintliche energiewirtschaftliche Notwendigkeiten in Frage gestellt. Die Phase des Ausstiegs wurde um Jahre verlängert, die Möglichkeit von Neubauten bleibt offen. Gleichwohl streben die Regierungen seit 1993 ein Auslaufen der Lieferverträge mit der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague an.

Anti-Atom-Proteste

Obwohl in der Bevölkerung große Unsicherheit über den Einsatz von Atomenergie herrscht, gibt es kaum organisierten Widerstand. Entsorgung Bis 1980 war die „Müll“-Abteilung beim Mol-Zentrum (Forschungs- und Entwicklungszentrum) für die Behandlung und Lagerung des Atommülls verantwortlich. Basis waren die Verträge, die das Mol-Zentrum mit den größten Atommüll-Erzeugern Belgiens unterzeichnet hatte. 1981 wurde die ONDRAF („Organisme National pour les Déchets Radioactifs et les Matières Fossiles Enrichies“), die nationale Organisation für radioaktive und spaltbare Abfälle, gegründet. Seither werden Abfälle in Mol-Dessel unter der Leitung von BELGOPROCESS gelagert und behandelt. 1997 war die ONDRAF an Projekten beteiligt, die sich mit dem Transport, der Bearbeitung, der Konditionierung und der Lagerung von radioaktivem Müll beschäftigen. Ein Teil des belgischen Atommülls wurde in der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague/Frankreich aufbereitet. Insgesamt kamen 1997 sieben Prozent des gesamten Atommülls, der in La Hague aufbereitet wurde, aus Belgien. Belgien hat aber bereits 1993 die Neuverträge mit La Hague eingefroren. Eine endgültige Lösung des Atommüll-Problems in Belgien ist derzeit nicht in Sicht.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt ca. 54 Prozent.

Standort Doel

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor
392 MW
08/1974
Block 2 Druckwasserreaktor
433 MW 08/1975
Block 3 Druckwasserreaktor
1006 MW 06/1982
Block 4 Druckwasserreaktor
1008 MW
04/1985

Block 1 und 2: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl): 1979 - In Block 2 bricht ein Dampferzeuger-Heizrohr, Radioaktivität wird in die Umgebung der nur 8 km von Antwerpen entfernten Anlage abgegeben.

1983 - Bei einem Stromausfall können die vier Notstromgeneratoren wegen Fehlern die Stromversorgung nicht aufrecht erhalten, ein Notkühlsystem kann eine Stunde schlimmeres verhindern, bis die Stromversorgung wieder funktioniert.

 

Standort Tihange

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 962 MW 03/1975
Block 2 Druckwasserreaktor
1008 MW
10/1982
Block 3 Druckwasserreaktor 1015 MW 06/1985

Block 1: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl): 2002 - In abgeschaltetem Zustand wird fälschlich ein Druckventil des Primärkreislaufes geöffnet, Sicherheitssysteme müssen Wasser nachspeisen, um den Druck aufrecht zu erhalten.

 

Links

AVN: Nuclear in Belgium/Overview: www.avn.be

Belgian Nuclear Research Center in Mol: www.sckcen.be

 

 

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letztes Update: 20.07.2011 11:25
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