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Atomkraft in Bulgarien
AKW in EUROPA: Hier zur größeren Ansicht der Karte
Atomenergienutzung
Kosloduj
Alle sechs Reaktoren in Kosloduj entstammen der sowjetischen Baulinie WWER 440. Rumänien musste der Schließung der Reaktoren 1-4 im Zuge EU-Beitrittsverhandlungen zustimmen, da diese Reaktoren mit Blick auf das Sicherheitssystem, den Standort, das Alter und weitere Kriterien als besonders risikoreich gelten. Zwischen 1991 und 1997 wurden an den Reaktoren 5 und 6 verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit durchgeführt. Westeuropäische Sicherheitsstandards konnten dadurch aber nicht erreicht werden. Die Wahl für einen zweiten Standort fiel auf Belene (ebenfalls an der Donau an der rumänischen Grenze gelegen), obwohl hier eine hohe Erdbebengefährdung besteht. Hier sollten vier bis sechs große Reaktorblöcke gebaut werden. 1980 wurde mit den vorbereitenden Bauarbeiten, 1987 mit den Arbeiten für den ersten 1000 MW Reaktor (Typ Temelin) begonnen. Die Arbeiten wurden (vor allem aus Geldmangel) 1991 wieder eingestellt, aber 2005 beschloss die bulgarische Regierung Bau von zwei Reaktoren mit einer Leistung von je 1000 MW(e). Der Bau soll offiziell die Ausfälle die Abschaltung der Reaktoren in Kosloduj kompensieren und einer möglichen Energieversorgungslücke vorbeugen. Angaben der Regierung zufolge liegt der Fertigstellungsgrad der bereits begonnen Reaktorblöcke bei etwa 40 %. Dies ist aber zweifelhaft: Foto-Aufnahmen zeigen, dass bisher lediglich der Unterbau zweier Blocks und einige Wände von Block 1 und 2 stehen. Die sicherheitsrelevante Ausstattung fehlt zur Gänze oder ist völlig überaltert. Es wurde beschlossen, nicht in der ehemals geplanten veralteten Variante mit einem WWER-1000/320 zu bauen, sondern in der Weiterentwicklung als AES-92. Im Oktober 2006 wurde Atomstroiexport als Anlagenlieferant ausgewählt. Wesentliche Komponenten kommen von Siemens (Deutschland) und Areva (Frankreich/Deutschland). Die Kosten des Projekts werden auf 4 Milliarden Dollar geschätzt. Ab 2007 wurde eine Ausschreibung für den Betrieb der Anlage durchgeführt. Beworben haben sich unter anderem Suez's Electrabel, Enel, RWE, E.ON und CEZ. Im Oktober 2008 erhielt RWE den Zuschlag, stieg jedoch im Herbst 2009 nach Protesten von Umweltschutzorganisationen und internen Differenzen aus dem Projekt aus. Die Weiterführung des Projektes ist derzeit offen. Gegen das Projekt Belene gibt es vielfältigen Widerstand, etwa bei Umweltorganisationen in Bulgarien, Deutschland und Österreich aber auch durch die bulgarischen Oppositionsparteien.
Atommüll
Abgebrannte Brennstäbe werden zuerst in ein Zwischenlager direkt am AKW Standort Kosloduj gelagert, wo sich auch ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle befindet. Dieses wird derzeit für rund 49 Millionen Euro ausgebaut. 2002 wurde ein Abkommen mit Russland geschlossen, in dem ein Preis von 620.000 US$ pro Tonne abgebrannte Brennstäbe festgelegt wurde, den Bulgarien an Russland für die Abnahme des Atommülls zahlt. Zielort sei Mayak (Russland), ein Teil allerdings wurde auch nach Zheleznogorsk (Russland) in der Nähe von Krasnoyarsk gebracht. Mayak steht für Katastrophen, Unfälle und atomare Verseuchung: in Mayak fand der zweitgrößte Atom-Unfall der Geschichte statt (nach Tschernobyl) statt. Durch Schlampereien und fahrlässigen, menschenverachtenden Umgang mit radioaktiven Substanzen sind in Mayak auch nach offiziellen Angaben mehr als 250.000 Menschen betroffen. Die Krebserkrankungen haben massiv zugenommen.
Anti-Atom-Proteste
In Bulgarien kam es 1986 nach dem Super-GAU in Tschernobyl zu Protesten gegen die maroden AKWs aus der sowjetischen Reaktor-Baureihe. Später waren es vor allem die massiven Proteste von BewohnerInnen der nahegelegenen Stadt Svishotov und von Umweltschutzgruppen, die den Weiterbau des AKW Belene zunächst stoppten. Die dahinterstehenden Interessen illustriert auch eine Todesdrohung, die eine bekannte und mit Umweltpreisen bedachte Aktivistin im Jahre 2003 persönlich überbracht bekam.
Rund um den Bau des AKW Belene haben die Proteste national und international stark zugenommen: Umweltorganisationen weisen mit Nachdruck darauf hin, dass der Standort in einem Erdbebengebiet liegt. Nur zwölf Kilometer vom geplanten Kraftwerk entfernt ereignete sich im Jahre 1977 das letzte große Erdbeben, bei dem 120 Menschen starben. Die Deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover rechnet in der Region weiterhin mit starken Erdbeben von 7,5 bis 8,5 auf der Richterskala. So wurde am Abend des 25. April 2009 die Region um das geplante Atomkraftwerk Belene von einem Erdbeben in Höhe von 5,3 auf der Richterskala heimgesucht.
Nach beachtlichem öffentlichen Druck auf RWE zog sich das Unternehmen im Herbst 2009 aus der Projektgesellschaft zurück. Zwölf internationale Banken, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die HypoVereinsbank haben aufgrund von öffentlichem Druck bereits von einer Finanzierung des Projektes Belene Abstand genommen. Dr. Georgi Kastschiew war von 1989 bis 1994 Leiter der bulgarischen Atomenergieaufsicht. Zuvor war er einer der führenden Manager des einzigen bulgarischen Atomkraftwerks in Kosloduj. Er mahnt vor allem vor gravierenden Problemen des Reaktordesigns und einem Mangel an qualifizierten Facharbeitern für große Bauprojekte in Bulgarien. Auch die bulgarische Opposition kritisiert das Projekt im April 2009 scharf und kündigte an, im Falle eines Regierungswechsels aus dem Bau auszusteigen.
Der Anteil an Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 33 Prozent.
Standort Kosloduj
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 | 408 MW | 10/1974 12/2002 stillgelegt |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 |
408 MW |
11/1975; 12/2002 stillgelegt |
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-440/213 | 408 MW | 01/1981; 12/2006 stillgelegt |
| Block 4 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 | 408 MW | 06/1982; 12/2006 stillgelegt |
| Block 5 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 953 MW | 12/1988 |
| Block 6 | Druckwasserreaktor WWER-1000/320 | 953 MW | 12/1993 |
Störfälle (Auswahl): 2003 - In Volllast-Betrieb reißt eine Schweißnaht des Primärkreislaufes von Block 3, radioaktiv verseuchtes Wasser des Primärkreislaufes tritt aus, die Notkühlung funktioniert glücklicherweise.
2006 - In Block 5 bleiben beim Herunterfahren 22 der 60 Steuerelemente hängen (weil das Design der Steuerstäbe durch die Fa. Gidropress geändert wurde), Abschaltung mittels Borsäure, es hätte zur Kernschmelze kommen können. Der Störfall wurde erst zwei Monate später bekannt, der Kraftwerksmanager entlassen.
2010 - Block 6: drei Sicherheitsröhren im Steuerungssystem sind beschädigt und müssen ausgetauscht werden
Standort Belene
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-1000/466 | 953 MW | In Bau 1987-1990; Weiterbau geplant |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-1000/466 | 953 MW | In Bau 1987-1990; Weiterbau geplant |
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