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Atomkraft in Deutschland
AKW in EUROPA: Hier zur größeren Ansicht der Karte
In Deutschland sind derzeit 17 AKWs in Betrieb, die 28 Prozent Anteil an der gesamten Stromproduktion haben. Mit der Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen Reaktoren an den Standorten Rheinsberg, Stendal und Greifswald geschlossen.
In Deutschland wurde Uran in der Sächsischen Schweiz (Königstein), in Dresden (Coschütz/Gittersee insbesondere in Gittersee) und im Erzgebirge (Schlema, Schneeberg, Johanngeorgenstadt, Pöhla) sowie in Ostthüringen (Ronneburg) meist untertage als Pechblende durch die SDAG Wismut abgebaut. DieWismut AG hatte rund 45.000 Beschäftigte, die teilweise mit schweren Gesundheitsfolgen oder sogar ihrem Leben für den Uranabbau zahlten. Die DDR war damals weltweit der drittgrößte Uranproduzent. Die Abbaugebiete wurden nach 1990 geschlossen.
Spät, aber immerhin, wurden zum 1. Juli 2005 die Castor-Transporte in die schmutzigen Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield beendet.
Atompolitische Debatte
In Westdeutschland startete F. J. Strauß als „Minister für Atomfragen“ in den 1950er Jahren ein Atomprogramm. In der Folge war die deutsche Energiepolitik stark durch den Glauben an die billige Atomkraft geprägt. Ab den 1970er Jahren, unter dem Einfluss der Großdemonstrationen, und besonders nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 fand jedoch teilweise ein Umdenken statt.
Im Juni 2000 vereinbarte die damalige rot-grüne Bundesregierung mit der deutschen Atomwirtschaft den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Ein Jahr später wurde das Abkommen "zur geordneten Beendigung der Kernenergie" unterzeichnet und 2002 trat eine eine Novelle des Atomgesetzes in Kraft. Nach dem sogenannten Atomkonsens dürfen in Deutschland keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden. Für die bestehenden Anlagen sind Regellaufzeiten und Reststrommengen festgeschrieben. Bis etwa 2021 sollen alle Kernkraftwerke abgeschaltet sein. Das Kernkraftwerk Stade bei Hamburg wurde im Dezember 2003 aufgrund des „Atom-Konsens-Vertrages“ abgeschaltet. Am 11. Mai 2005 wurde auch das Kernkraftwerk Obrigheim abgeschaltet. Sein Abbau soll bis 2023 dauern. Im rot-schwarzen Koalitionsvertrag von 2005 wurde vereinbart, dass die Vereinbarung von 2000 und die entsprechenden Regelungen des Atomgesetzes nicht geändert werden, obwohl die CDU/CSU den Atomausstieg ablehnt. Die Zukunft des Atomausstiegs ist derzeit offen. Es drohen weniger AKW-Neubauten, jedoch länge Laufzeiten für alte AKW. Schon der Atomkonsens sieht die Möglichkeit vor, Strommengen älterer Kraftwerke auf neuere zu übertragen. Ältere können so schneller abgeschaltet werden. Theoretisch ist auch der von den Stromversorgern gewünschte umgekehrte Weg möglich. Die Übertragung von neuen auf alte Anlagen bedarf aber der Genehmigung des Bundesumweltministers.
Die möglichen Endlagerstandorte Schacht Konrad und Gorleben sind auch durch den Konsens nicht vom Tisch. Auch in Deutschland gibt es keine Lösung des Atommüllproblems. Massive Probleme mit dem Versuchsendlager Asse, in das bereits nach wenigen Jahrzehnten große Mengen Wasser eingedrungen sind und das als einsturzgefährdet gilt, haben wieder Zweifel an der Eignung des Standortes Gorleben (ein Salzstock wie auch die Asse) aufkommen lassen.
Anti-Atom-Proteste
Die Nutzung der Atomkraft in Deutschland ist auch eine Geschichte von Protesten, die sich auch gegen die Stationierung von alliierten Atomwaffen in Deutschland richtete. 1975 besetzten bis zu 20.000 den Bauplatz des AKWs Wyhl in Baden-Württemberg. Das Projekt wurde eingestellt. In den 1980er bildeten die Auseinandersetzungen um die im bayerischen Wackersdorf geplante Wiederaufbereitungsanlage den Mittelpunkt der Anti-Atom-Proteste: Demonstrationen von bis zu 70.000 Menschen und rund 881.000 Einwendungen von BürgerInnen führten 1989 zum Aus für das bis dahin schon 10 Mrd. Mark teure Bauwerk.
1979 zogen rund 1.500 Menschen im legendären "Gorleben-Treck" vom Wendland in die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, in der sie von 100.000 DemonstrantInnen empfangen wurden. Wenige Wochen später verkündete der CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht, eine Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben sei politisch nicht durchsetzbar. Die Auseinandersetzung um Gorleben wie auch die um Atommülltransporte in und vom Ausland wurde seither und bis heute mit heftigen Protesten geführt.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 28 Prozent.
Standort Biblis
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1167 MW |
08/1974 | 413 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
1240 MW | 04/1976 | 410 |
Störfälle (Auswahl): 1987 - Kühlmittelverlust in Block A, ein Ventil schließt nicht. Die Mannschaft hält 16 Stunden lang die Anzeige für defekt und erkennt erst danach den Störfall.
2004 - kommt es während eines Sturms zu einem Kurzschluss, hintereinander fallen mindestens fünf Stromsysteme aus. Nur durch den Notstromgenerator kann die Stromversorgung von Block B gesichert werden.
Standort Brockdorf
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1410 MW |
10/1986 | 206 |
Störfälle (Auswahl): 1995 - 20 der neu eingesetzten Brennelemente sind undicht, Radioaktivität entweicht über den Schornstein.
2005 Schalterdefekte an drei Not- und Nachfüllpumpen werden entdeckt.
Standort Brunsbüttel
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
771 MW |
07/1976 | 457 |
Störfälle (Auswahl): 1978 entweichen durch ein Leck zwei Tonnen radioaktiver Dampf, der Störfall wird erst nach einem anonymen Anruf bei der Deutschen Presse-Agentur bekannt.
2001 - Wasserstoffexplosion, drei Meter einer Rohrleitung werden zerfetzt, die an den Reaktordruckbehälter angeschlossen ist, ein Rückschlagventil rettet. Der Störfall wird erst zwei Monate später bemerkt.
2002 - Planungsfehler in der Steuerung der Notstrom- und Notkühlversorgung werden festgestellt.
Standort Emsland
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor Konvoi |
1329 MW |
04/1988 | 116 |
Standort Grafenrheinfeld
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1275 MW |
12/1981 | 215 |
Störfälle (Auswahl): 2000 wird festgestellt, dass fünf von acht eingebauten Steuerventilen Mängel haben. Ebenfalls 2002 - Ein Brand beschädigt den Motor der Hauptkühlmittelpumpe.
Standort Greifswald
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 |
408 MW |
12/1973; 12/1990 stillgelegt |
insgesamt 87 (ab 1990) |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 |
408 MW |
12/1974; 12/1990 stillgelegt |
|
| Block 3 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 |
408 MW |
10/1977; 02/1990 stillgelegt |
|
| Block 4 | Druckwasserreaktor WWER-440/230 |
408 MW |
09/1979; 06/1990 stillgelegt |
|
| Block 5 | Druckwasserreaktor WWER-440/213 |
408 MW |
04/1989; 11/1989 stillgelegt |
Störfälle (Auswahl): 1975 kommt es in Block 1 zu einem Kurzschluss und Ausfall der Kühlmittelpumpen.
1989 - Versuchsweise Abschaltung von drei Kühlpumpen führt zum Ausfall einer vierten (von sechs) Pumpen, Kernschmelze kann noch verhindert werden, zehn Brennstäbe werden beschädigt.
Standort Grohnde
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1360 MW |
09/1984 | 211 |
Störfälle (Auswahl): 1996 - Unvorhergesehenes Öffnen des Druckhalter-Abblaseventils.
Standort Grundremmingen
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block A | Siedewasserreaktor |
238 MW |
12/1966; 01/1980 stillgelegt |
26 |
| Block B | Siedewasserreaktor |
1284 MW |
03/1984 | 102 |
| Block C | Siedewasserreaktor |
1288 MW |
11/1984 | 95 |
Störfälle (Auswahl): 1987 werden an drei Ventilen Beschädigungen durch Knallgasexplosionen festgestellt.
2003 wird beim Hochfahren von Block B bemerkt, dass zu wenig Kühlwasser im Reaktor ist, und dieses nachgefüllt – im schlimmsten Fall führt das Trockenfallen eines Reaktors zur Kernschmelze.
Standort Isar
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
878 MW |
12/1977 | 273 |
| Block 2 |
Druckwasserreaktor |
1400 MW |
01/1988 | 70 |
Störfälle (Auswahl): 1988 werden an vier Ventilen in Block 1 Beschädigungen durch Knallgasexplosionen festgestellt.
1991 Instabilität des Reaktorblocks 1 führt zu einer Schnellabschaltung des Reaktors.
2010 undichtes Brennelement und der Ausfall eines Transformators führen zu Abschaltung von Block 1.
Standort Krümmel
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
1346 MW |
09/1983 | 316 |
Störfälle (Auswahl): 2007 - Brand an einem der beiden Maschinentransformatoren, Reaktorschnellabschaltung.
2009 wiederum Reaktorschnellabschaltung aufgrund einer Maschinentransformatorstörung.
Standort Mühlheim-Kärlich
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1219 MW |
03/1986; 09/1988 stillgelegt |
180 |
Standort Neckarwestheim
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
785 MW |
06/1976 |
420 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor Konvoi |
1310 MW |
01/1989 |
78 |
Störfälle (Auswahl): 2004 wird kontaminiertes Wasser aus Block 2 unbemerkt in den Neckar eingeleitet.
Standort Obrigheim
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
340 MW |
10/1968; 05/2005 stillgelegt |
267 |
Störfälle (Auswahl): 1971 massiver Heizrohrschaden führt zu Schnellabschaltung.
Standort Philipsburg
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
890 MW |
05/1979 | 333 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor |
1392 MW |
12/1984 | 179 |
Störfälle (Auswahl): 2001 - Beim Anfahren von Block 2 wird übersehen, dass das Notkühlsystem nicht funktionsfähig ist. Als nach zwei Wochen der Fehler bemerkt wird, entscheidet die Betreibergesellschaft EnBW, nicht wie vorgeschrieben den Reaktor sofort herunterzufahren, sondern in laufenden Betrieb das Notkühlsystem zu reparieren. Als der Skandal drei Monate später bekannt wird, treten zwei Vorstandsmitglieder zurück.
2002 gelangen in Block 1 bei Reinigungsarbeiten 7000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in die Regenwasserkanalisation.
2004 gelangen erneut ca. 30 m³ radioaktiv verseuchtes Wasser in den Rhein.
Standort Rheinsberg
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-210 |
62 MW |
05/1966; 06/1990 stillgelegt |
36 (ab 1990) |
Standort Stade
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor | 640 MW |
01/1972; 11/2003 stillgelegt |
316 |
Standort Stendal
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER 1000/320 |
900 MW |
nie; teilweise abgerissen |
- |
| Block 2 |
Druckwasserreaktor WWER 1000/320 |
900 MW |
nie; teilweise abgerissen |
- |
Standort Unterweser
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Druckwasserreaktor |
1345 MW |
09/1978 | 328 |
Störfälle (Auswahl): 1998 kommt es nach einem Turbinenausfall zum Austritt von Gasen aus dem (nicht radioaktiv verseuchten) Sekundärkreislauf; eines der vier Druckventile konnte sich nicht öffnen, weil ein Techniker den Ver- mit dem Entriegelungsschlüssel vertauscht hatte.
Standort Würgassen KWW
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Siedewasserreaktor |
640 MW |
12/1971; 08/1994 stillgelegt |
278 |
Störfälle (Auswahl): 1982 - Austritt von radioaktivem Staub beim Auswechseln eines Sandfilters.
1994 - Entdeckung von Haarrissen am Reaktorkern, folgend Abschaltung und Stilllegung.
Standort Hamm-Uentrop (Nordrhein-Westfalen)
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme | Pannen und Störfälle |
| Block 1 | Hochtemperaturreaktor | 296 MW |
11/1985; 04/1988 stillgelegt |
125 |
Pannen und Störfälle: Zahl der meldepflichtigen Ereignisse seit Inbetriebnahme der Anlage, Stand 09/2009, Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz
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