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Atomkraft in Finnland
AKWs in EUROPA auf einer größeren Karte anzeigen
Derzeit laufen in Finnland vier ältere Reaktoren an zwei Standorten im Süden des Landes und liefern knapp 30 Prozent der Stromproduktion. In Finnland ist der weltweit erste Bau eines neuen ‚EPR’-Druckwasserreaktors mit extrem hoher Leistung beschlossen, dessen Sicherheitskonzept von Atomexperten stark kritisiert wird. Dies ist auch der erste Neubau eines AKWs innerhalb der EU seit den 1980er Jahren.
Atompolitische Debatte
Das ursprüngliche Atomprogramm wurde vor dem Hintergrund erheblicher öffentlicher Proteste 1993 zunächst gestoppt. 2002 beschloss das Parlament jedoch den Neubau des fünften Reaktors, woraufhin die finnischen Grünen die Regierung verließen. Das finnische EPR-Projekt ist die größte private Industrieinvestition in der Geschichte des Landes. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes ist äußerst fragwürdig, aber der Konzern Framatome-ANP brauchte nach mehr als einem Jahrzehnt der EPR-Entwicklung dringend eine Bauentscheidung. Nur durch Abnahmegarantien für den im Reaktor erzeugten Strom zu vergleichsweise hohen Preisen seitens der Teilhaber war die Finanzierung überhaupt möglich. Zusätzlich wurde das Projekt immer größer dimensioniert, um Wirtschaftlichkeit zu erreichen, und ein kühner Bauplan wurde erstellt. Inzwischen zeichnet sich ab, dass das Vorzeigeprojekt zum wirtschaftlichen Desaster wird, denn der Bau verzögert sich immer weiter. Bereits jetzt werden die Zusatzkosten auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt.
Eine Ursache der Verzögerung: um die Kosten zu drücken, heuerte man 1.500 Zulieferer aus 28 Ländern an. Häufig wurden Firmen beauftragt, die keinerlei Erfahrung mit so einem Großprojekt hatten, dafür aber billig waren. Die finnische Strahlenschutzbehörde STUK weigerte sich immer wieder, den Pfusch am Bau hinzunehmen. In bislang über 1.500 Fällen gab es Abweichungen von den Sicherheitsbestimmungen. Die rund 3jährige Verspätung bei der Fertigstellung wird Privathaushalten und Industrie erhebliche Zusatzkosten bringen. Schätzungen gehen von 3 Milliarden Euro aus, für die teurer Importstrom zugekauft werden muss. Finnland besetzt weltweit Platz 5 im Wettrennen um den höchsten Pro-Kopf-Stromverbrauch. Eine Verbrauchsminderung etwa auf die Größenordnung in Deutschland würde es ermöglichen, drei EPRs oder die doppelte derzeit in Finnland installierte Atomkapazität einzusparen. Der Ausbau der Atomkraft wird mit fragwürdigen klimapolitischen Argumenten begründet. Hintergrund der finnischen Atomkraftnutzung dürften aber Pläne zum verstärkten Stromexport und die Industrieförderung sein.
Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 28,9 Prozent
Standort Loviisa
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Druckwasserreaktor WWER-440/V213 | 488 MW | 02/1977 |
| Block 2 | Druckwasserreaktor WWER-440/V213 | 488 MW | 11/1980 |
Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre
Störfälle (Auswahl): 1993 bricht in Block 2 eine halbmeterdicke Speisewasser-Leitung.
Standort TVO (Olkiluoto)
| Blocknr | Typ | Nettoleistung | Inbetriebnahme |
| Block 1 | Siedewasserreaktor | 860 MW | 09/1978 |
| Block 2 | Siedewasserreaktor | 860 MW | 02/1980 |
| Block 3 | Europäischer Druckwasserreaktor | 1600 MW | geplant 2012 |
Hier geht's zur interaktiven AKW-Europakarte
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